28.07.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Absurdes Theater bei Caviar Creator – der Tragikomödie nächster Teil

Spannende Geschichten gibt es im Bereich der nachhaltigen Geldanlage einige. Doch kaum ein Unternehmen zieht mit solch grotesken Vorfällen die Aufmerksamkeit auf sich wie die Caviar Creator Inc. Die Gesellschaft aus dem US-Bundesstaat Nevada mit Niederlassung in Düsseldorf ist auf nachhaltige Fischzucht spezialisiert. 2006 und 2007 hatten wir ausführlich über den „Fischzüchter-Krieg“ berichtet, den das Unternehmen mit dem Aquakultur-Unternehmen Ecomares aus Kiel ausgefochten hatte (wir informierten darüber unter anderem in einem Beitrag vom März 2007). Damals hatte sich Angelina Ovcharik, Ehefrau des Vorstandsvorsitzenden von Caviar Creator, Frank Schaefer, als "einzige legitimierte Aktionärin und einziges Mitglied des Board of Directors der Ecomares Inc./Las Vegas" bezeichnet und versucht, eine neue Geschäftsführung der Tochtergesellschaften der Ecomares einzusetzen.

In der vergangenen Woche ist die Unternehmensgeschichte von Caviar Creator um eine weitere absurde Episode „bereichert“ worden. Sie betreibt in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern eine Störzucht. Dort erschienen in der vergangenen Woche unangemeldet eine Vertretung von Kommanditisten der Caviar Creator & Co 1. Kaviar Fonds KG,  in Begleitung eines Anwalts, der lokalen Polizei und eines Schlüsseldienstes. Unter Vorlage von Unterlagen wiesen sie sich als Eigentümerin der Anlage aus, setzten den Geschäftsführer ab und vor die Tür. Die übrigen Mitarbeiter wurden festgesetzt und die Schlösser ausgetauscht.

Allerdings musste diese Gruppe die Besetzung des Unternehmens nach einigen Stunden wieder aufgeben, wohl nachdem sich die Polizei mit einigem Aufwand ein eigenes Bild der Sachlage gemacht hatte. Die Gemengelage ist auch mehr als komplex. Wie Unternehmenssprecher Bruno Neurath-Wilson erläutert, wird die Anlage in Demmin unter Leitung des zwischenzeitlich vom Grundstück verwiesenen Detlef Dücker von der Caviar Creator Manufaktur GmbH betrieben. Sie habe in der Tat die Anlage von der Caviar Creator & Co 1. Kaviar Fonds KG gepachtet, einer Tochter der weit verzweigten Caviar Creator Gruppe. Der KG gehörten zwar Anlage und Gebäude, aber die versuchte Absetzung des Geschäftsführers sei dennoch nicht Rechtens gewesen. Unter anderem habe lediglich eine kleine Gruppe von Kommanditisten diese in einer nicht angekündigten und ungültigen „Geheimsitzung“ beschlossen.  Schließlich verfüge die Muttergesellschaft über ein Kommanditkapital in Höhe von 13 Millionen Euro, während sich überhaupt nur 1,5 Millionen Euro an KG-Anteilen in Streubesitz befänden.

Medienberichten zufolge hat der Heilbronner Steuerberater und Treuhänder Norbert Reegen angegeben, 90 Prozent der Kommanditisten zu vertreten. ECOreporter.de hat heute vergeblich versucht, ihn zu erreichen.  Nach Angaben von Neurath-Wilson hat er die Sitzung der Kaviar Fonds KG organisiert, die Dückers Absetzung beschloss.  Reegen sei involviert in seit Jahren laufenden rechtlichen Auseinandersetzungen mit früheren Mitgründern und späteren Konkurrenten von Caviar Creator.  Der Auftritt in Demmin werde ein juristisches Nachspiel haben, kündigte Neurath-Wilson gegenüber ECOreporter.de an.


Im Gespräch mit ECOreporter.de räumte der Unternehmenssprecher einen weiteren Imageschaden für Caviar Creator durch den Vorfall der letzten Woche ein. Obwohl sie bei rund 3.000 Aktionären etwa 50 Millionen Euro an Kapital eingeworben hatte, hat sie bislang ihre Prognosen von wirtschaftlichem Wachstum kaum umsetzen können. 2007 wurde nach Unternehmensangaben lediglich knapp eine Tonne Kaviar produziert, obwohl Konzernchef Schaefer zur Eröffnung der Produktion in Demmin mehrere Tonnen angekündigt hatte. Auch der für Anfang 2007 angekündigte Ausbau der Produktion wurde nicht umgesetzt, nun will sich das Unternehmen vorerst auf einen neuen Standort in den USA konzerntrieren (wir berichteten). Damit seien „die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang“ von Caviar Creator geschaffen, hatte es in der vergangenen Woche erklärt. Einen baldigen Börsengang hatte die Gesellschaft aber schon 2005 in Aussicht gestellt.

ECOreporter.de hatte vor drei Jahren das Unternehmen vorgestellt und vorerst vom Engagement bei der Caviar Creator Inc. abgeraten. Bis auf Weiteres haben wir es in die Wachhund-Rubrik eingestuft.

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