SolarWafer von SolarWorld im Eingangstest. Auch die aktuelle Zwischenbilanz des Solarkonzerns sollte man genau studieren. / Quelle: SolarWorld

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Meldungen

Aktie von SolarWorld unter Druck - Gelegenheit zum Einstieg?

Im ersten Halbjahr 2014 hat die SolarWorld AG ihr Umsatzziel nicht erreicht und einen operativen Verlust erwirtschaftet. Zudem sind die liquiden Mittel des Solarkonzerns gesunken. Das geht aus den offiziellen Zahlen hervor, die das Unternehmen aus Bonn heute bekannt gab. Bereits vor zwei Wochen hatte SolarWorld einige Kennziffern veröffentlicht und davor gewarnt, dass das Umsatzziel von 680 Millionen Euro im Gesamtjahr wahrscheinlich „nicht voll erreicht wird“ (wir  berichteten).

Dabei hat sich der Absatz von Solarwafern und -zellen sowie von Solarstrommodulen und Bausätzen gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 um 53 Prozent auf 357 Megawatt (MW) erhöht. Doch dazu trug das Geschäft in Deutschland weniger bei als von dem Solarkonzern erhofft.  Starke Kürzungen der Einspeisetarife für Solarstrom in Deutschland hatten zu einem Markteinbruch geführt.  „Diese Veränderung im Produktmix sowie Preisrückgänge auf den Solarmärkten wirkten sich deutlich auf den Konzernumsatz aus“, teilte SolarWorld dazu mit. Dieser stieg im ersten Halbjahr 2014 um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro und lag damit unter den Erwartungen des Konzerns.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich von Januar bis Juni auf 101 Millionen Euro, nachdem hier im Vorjahreszeitraum noch ein Fehlbetrag in Höhe von 37 Millionen Euro angefallen war. Allerdings verschönern Sondereffekte diese Zwischenbilanz erheblich. Bereinigt um eine einmalige, nicht cashwirksame Wertberichtung aus der Einigung mit einem Rohstofflieferanten sowie um Sondereffekte aus der im Februar 2014 abgeschlossenen finanziellen Restrukturierung und der Erstbilanzierung der Vermögenswerte der Bosch Solar Energy AG erreichten die Bonner lediglich ein EBITDA von einer Million Euro.

Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) gelangte SolarWorld nur zurück in die Gewinnzone, wenn man die Sondereffekte einkalkuliert. Dann stehen in der Halbjahresbilanz 81 Millionen Euro zu Buche, nachdem im Vorjahreszeitraum ein EBIT-Verlust von 59 Millionen Euro anfiel. Läßt man die Sondereffekte unberücksichtigt, erwirtschaftete SolarWorld im ersten Halbjahr 2014 einen EBIT-Verlust in Höhe von 19 Millinen Euro. Wie geplant hat der Solarkonzern zum Ende des zweiten Quartals 34 Millionen Euro für Tilgung und Zinsen von Krediten gezahlt. Deshalb verringerten sich seine liquiden Mittel bis Ende Juni auf 159 Millionen Euro.

Der Solarkonzern wies auch heute darauf hin, dass er das Umsatzziel für das Gesamtjahr voraussichtlich nicht erreichen wird. Ohne die genannten Sondereffekte und die durchgeführte Wertberichtigung erwartet die SolarWorld AG für das Jahr 2014 ein positives EBITDA, inklusive aller Sondereffekte sei ein positives Jahresergebnis in dreistelliger Millionenhöhe möglich, hieß es. Einen operativen Gewinn stellte der Konzern erst für 2015 in Aussicht.

Immerhin verzeichnen die Bonner eine hohe Nachfrage für ihre Produkte. Ihr Auftragsbestand ist bis Ende Juni auf über 400 MW angewachsen. „Die Absatzmenge von Modulen und Bausätzen und der Auftragsbestand übertreffen zusammen schon heute das Absatzziel für das Gesamtjahr 2014“, teilte das Unternehmen dazu mit. Das Management war Anfang des Jahres von einer Steigerung um mindestens 40 Prozent ausgegangen, somit auf mehr als 767 MW bei Modulen und Bausätzen. „Allein im Juli haben wir mehr als 90 MW verkauft und damit einen neuen Monatsrekord für unser Unternehmen aufgestellt. Wir werden kurzfristig an allen Produktionsstandorten in Deutschland und den USA bisher zum Teil ungenutzte Kapazitäten aktivieren und weiter investieren, um im Einklang mit der Nachfrage konzernweit organisch zu wachsen“, erklärte Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG.

Die Aktie von SolarWorld geriet heute im Xetra-Handel weiter unter Druck und sank bis 11:30 Uhr unter die Marke von 13 Euro. ECOreporter.de hatte bereits vor vier Monaten vor drohenden Kursverlusten gewarnt und in einem  Aktientipp  zum Verkauf der Beteiligung geraten. Damals wurde der Anteilsschein noch mit 16,5 Euro gehandelt. Der Solarkonzern muss weiter große Herausforderungen bewältigen und hat noch immer kein überzeugendes Konzept dafür, wie er von der Verlagerung des Schwerpunktes im weltweiten Solarmarkt auf Asien reagieren kann. Er droht weiter von der Konkurrenz aus Fernost abgehängt zu werden. Daher bekräftigen wir unsere Verkaufsempfehlung.

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x