Das portugiesische Motto ordem e progresso (Ordnung und Fortschritt) auf der brasilianischen Flagge soll auch für mehr Nachhaltigkeit stehen. / Quelle: Fotolia

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Aktien mit Potential? – nachhaltige Unternehmen aus Brasilien

Mit seinen riesigen natürlichen Ressourcen wie Wald, Ackerland, Wasser und vielem mehr verfügt Brasilien über beste Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum. Davon können nachhaltig agierende Unternehmen am besten partizipieren. Das stellt die Bank J. Safra Sarasin aus Basel, die seit vielen Jahren ein umfassendes Nachhaltigkeitsresearch betreibt, in einer Marktanalyse fest.

Demnach ist das Land eine „Ressourcen-Supermacht“. Brasilien verfüge beispielsweise über rund zwölf Prozent der weltweiten Frischwasserreserven und produziere weltweit am meisten Biomasse. 2011 habe die Produktion und die Verarbeitung von Rohstoffen bereits ein Viertel des Bruttoinlandprodukts (BIP) von Brasilien getragen, mit steigender Tendenz. Damit verbunden seien aber auch große Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit. Als Beispiel führt der Report der Bank J. Safra Sarasin „einschneidende Umwelteinflüsse“ durch Bereiche wie Bergbau, Landwirtschaft und Energieerzeugung an.

Die Rodung der Wälder schreitet laut der Studie in Brasilien inzwischen zwar deutlich langsamer voran als noch vor einigen Jahren, sie sei aber nach wie vor das größte Umweltproblem des Landes. Außer dem Flächenverbrauch durch die Landwirtschaft sorge auch der verstärkte Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln für große Umweltbelastungen. Brasilien sei der weltweit größte Verbraucher von Pestiziden. Die größte Gefahr für die Ertragskraft seien jedoch die Bodenerosion und der Klimawandel. Brasilien zähle zu den fünf G-20 Staaten, die am meisten durch den Klimawandel gefährdet sind. Das Land habe daher einen Nationalen Klimawandelplan entwickelt, der bis 2020 eine Verringerung der Treibhausgas-Emissionen um rund 37 Prozent vorsehe.

Der Report der Bank J. Safra Sarasin betont, dass Brasilien schon jetzt die Weichen für ein nachhaltiges Wachstum stellen muss, damit es seine wohlstandsbringenden Ressourcen auch weiterhin nutzen kann. Es gebe bereits einige „Vorzeige-Unternehmen“, die hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Sie seien auch für westliche Investoren interessant. „Die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten macht insbesondere bei Investitionen in  Schwellenländern Sinn“, heißt es in der Analyse. „Unternehmen, die systematisch Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte  berücksichtigen, können mit weniger Risiken am Aufschwung partizipieren. Sie seien zum Beispiel auf die Verschärfung von Umweltgesetzen sowie die zunehmenden Ansprüche an eine möglichst umweltverträgliche Herstellung von Produkten besser vorbereitet.

Bildhinweis: Die Brandrodung von Regenwald ist weiter ein gravierendes Nachhaltigkeitsproblem Brasiliens. / Quelle: Fotolia

„Im Vergleich zu anderen Schwellenländern liegt der Anteil an brasilianischen Unternehmen, die  systematisch Umwelt- und Sozialaspekte berücksichtigen, auf hohem Niveau“, stellen die Experten der Bank J. Safra Sarasin fest. Sie haben für den Report insgesamt 79 brasilianische Unternehmen mit ihren weltweiten Konkurrenten verglichen und bewertet. Dabei konnte sich die Hälfte davon für das  Anlageuniversum qualifizieren, das das Nachhaltigkeitsresearch für Schwellenländer ausgewählt hat.

Zu den aus Nachhaltigkeitssicht herausragenden Unternehmen Brasiliens zählen demnach unter anderen das Kosmetikunternehmen Natura Cosmeticos, die Kaufhauskette Lojas  Renner und das der Versorger Renova Energia.

Natura Cosmeticos (ISIN BRNATUACNOR6)  ist eines der größten Kosmetikunternehmen Lateinamerikas. Laut der Bank J. Safra Sarasin setzt das Unternehmen sehr hohe Umwelt- und Sozialstandards in der gesamten Wertschöpfungskette um. Rund 80 Prozent seiner Produkte würden auf pflanzlichen Rohstoffen basieren, die zu einem großen Teil aus Brasilien stammen. Diese würden teilweise direkt von Bauern und Dorfgemeinschaften bezogen, was denen eine Verbesserung ihres Lebensstandards ermögliche und zugleich die Umwelt vor Raubbau schütze. Das Wachstumspotential von Natura Cosmeticos schätzt der Report sehr positiv ein. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Schönheitsprodukte seien in Brasilien bereits jetzt auf demselben Niveau wie in den USA, die Wachstumsrate aber sei rund viermal so hoch. In wenigen Jahren werde Brasilien voraussichtlich Japan und die USA als die wichtigsten Absatzländer für Kosmetikartikel überholen.

Von dem ausgeprägten Schönheitsbewusstsein in Brasilien profitiert nach Einschätzung der Bank J. Safra Sarasin auch die auf Textilien spezialisierte Kaufhauskette Lojas Renner (ISIN: BRLRENACNOR1). Das Unternehmen biete unter anderem eine eigene Bio-Baumwoll-Linie und Bio-Kosmetik an. Zudem werde die Umsetzung der Sozialanforderungen für Lieferanten wird mit Audits überprüft.

Renova Energia (ISIN BRRNEWACNOR8) ist ein brasilianischer Energieversorger, der Strom aus Wind-, Solar- und Wasserkraft erzeugt. Er betreibt Windparks mit einer Leistung von mehr als einem Gigawatt (GW) und viele Kleinwasserkraftwerke. Die Regierung will vor allem den Ausbau der Windkraft vorantreiben. Bis 2021 sollen sich in Brasilien Windräder mit insgesamt 16 GW drehen. Auf den unumstrittenen Marktführer Renova Energia dürfte dabei ein großer Anteil des Wachstums entfallen.
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