06.12.11 Finanzdienstleister

Aktives Aktionärstum – Kirchenbank organisiert Engagement von Großinvestoren für mehr Nachhaltigkeit

Lange war das so genannte ‚aktive Engagement’ von Aktionären im deutschsprachigen Raum nur eine Randerscheinung. Doch zunehmend entdecken nachhaltige Anteilseigner solches aktives Aktionärstum als Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Sie setzen ihre Rechte als Aktionäre ein, um Einfluss auf die sozialen und ökologischen Leistungen der investierten Unternehmen zu nehmen und in einen kritischen Dialog mit ihnen zu treten. Als einer der Pioniere positioniert sich jetzt die Bank für Kirche und Diakonie mit Hauptsitz in Dortmund.

Als erste Kirchenbank in Deutschland bietet sie jetzt gemeinsam mit dem Kapitalmarktpartner Union Investment eine neuartige Plattform für kirchliche Investoren an, über die diese aktiv Einfluss auf investierte Unternehmen nehmen können. Zu den Kernleistungen zählen die Stimmrechtsausübung auf Hauptversammlungen, der aktive Unternehmensdialog im Rahmen von Investorengesprächen sowie die Berichterstattung über die damit verbundenen Aktivitäten im Rahmen eines Engagement-Reports. Dabei sollen zunächst die Menschenrechte im Fokus der Aktivitäten stehen, darunter vor allem die Arbeitsrechte und das Thema Kinderarbeit. Mehr als 4,6 Milliarden Euro Anlagekapital in Aktien- und Unternehmensanleihen kann die Bank für Kirche und Diakonie laut einer Umfrage unter den Kunden bereits als ‚aktives Kapital‘ für dieses Engagement gewinnen.

„Viele kirchliche Investoren können durch unsere Dienstleistung ihre Einflussmöglichkeiten ausbauen“, erläutert Dr. Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der ältesten und größten evangelische Kirchenbank in Deutschland. „Die neue Plattform ermöglicht es unseren engagierten kirchlichen und diakonischen Kunden, ihre Stimmen zu bündeln und die Politik großer Unternehmen aktiv zu beeinflussen.“ Die EKD, die kirchlichen Versorgungskassen (KZVK und VKPB), einige evangelische Landeskirchen und diakonische Einrichtungen sowie Kirchenkreise hätten sich dafür in den vergangenen Monaten formiert.

„Eine aktive Einflussnahme auf Unternehmen macht Sinn und hilft, Risiken zu erkennen und zu begrenzen“, so Thiesler. Als ein positives Beispiel für ein solches Engagement führt er den Rückzug des Energiekonzerns RWE aus dem umstrittenen Atomkraftwerk Belene in Bulgarien an. Der sei nicht nur von vielen kirchlichen Institutionen und Gruppen, sondern auch von der Union Investment im Rahmen von Investorengesprächen mit dem Vorstand der RWE und auf der Hauptversammlung im Jahr 2010 gefordert worden.

Grundlage der Abstimmungs- und Dialogaktivitäten bei diesem Angebot für kirchliche Investoren ist eine verbindliche Leitlinie von Union Investment zum Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen, die sogenannte „Proxy Voting Policy“. Sie orientiert sich an den von Union Investment unterzeichneten Grundsätzen für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen (UN-PRI). Darüber hinaus haben die kirchlichen Investoren der Bank für Kirche und Diakonie die Möglichkeit, ihre Interessen in das KD-Engagement Forum einzubringen. Dieses dient der inhaltlichen Koordination künftiger Schwerpunkte im Rahmen des aktiven Aktionärstums.
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