10.02.10 Fonds / ETF

„Aktuell sehen wir interessante Möglichkeiten bei einigen Windkraftherstellern.“ - ECOreporter.de-Interview mit Roman Limacher, Dr. Höller Vermögensverwaltung



ECOreporter: Wie kam es zur Auflage des Prime Values Green und welche Rolle spielt Ihr Unternehmen bei dem Produkt?

Limacher: Die wichtigen Zukunftsthemen wie Erneuerbare Energieversorgung, Verfügbarkeit von sauberem Wasser, Klimaschutz und Rohstoffknappheit im weiteren Sinne haben wir seit 2006 über eine Index-Familie an der Börse Stuttgart intensiv verfolgt. Da diese Investmentthemen langfristig großes Wachstumspotenzial versprechen, haben wir nun diesen aktiv gemanagten Aktienfonds mit Ethikfilter – analog zu den bewährten Prime Values Mischfonds – aufgesetzt.  

ECOreporter: Wer ist sonst noch an der Entwicklung beteiligt gewesen?

Limacher: Unsere Muttergesellschaft Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA steht hinter dem nachhaltigen Investieren und hat uns beim Aufsetzen des Fonds unterstützt.

ECOreporter: Welche Erfahrungen bringen Sie und die Partner ein?

Limacher: Die Dr. Höller Vermögensverwaltung hat im Jahre 1995 den ersten kontinentaleuropäischen Ethikfonds aufgelegt. Im Jahr 2006 sind die eingangs genannten S-Box-Themenindizes hinzugekommen. Mein Kollege Rémy Schraner konnte mit unseren Portfolio-Managern in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Performance nachweisen. Die Tochtergesellschaften von Hauck & Aufhäuser in Luxemburg bieten zudem seit über 20 Jahren Gewähr für ausgezeichnete Dienstleistungen bei der Fondsverwaltung und als Depotbank.

ECOreporter: Wie lautet die Anlagestrategie?

Limacher: Der Fonds strebt als Anlageziel einen langfristig hohen Wertzuwachs in Euro an. Wir investieren dabei weltweit in Unternehmen, die Lösungen zu den Themen Wasser, erneuerbare Energie, Klimaschutz, neue Materialien und Recycling bieten. Bei der Auswahl der Unternehmen wird darüber hinaus strikt darauf geachtet, dass in deren Geschäftspolitik ein ethisches Verantwortungsverständnis vorhanden ist.

ECOreporter: Welche Schwerpunkte werden gesetzt und welche Branchen kommen für den Fonds in  Frage?

Limacher: Aktuell sehen wir interessante Möglichkeiten bei einigen Windkraftherstellern, im Bereich der Werkstoffe und Katalysatoren, bei Wassertechnologie-Firmen sowie bei ausgewählten Eisenbahngesellschaften.

ECOreporter:  Setzten sie  auch regionale Schwerpunkte?

Limacher: Unternehmen mit guten Absatzmärkten in Asien scheinen besonders von Infrastrukturprogrammen profitieren zu können. Je nach Wirtschaftsverlauf zögern wir nicht, eine Sektor-Rotation vorzunehmen.

ECOreporter: Orientiert sich das Fondsmanagement bei der Wertentwicklung an einem Benchmark?


Limacher: Da wir weltweit in diversen Branchen investiert sind, messen wir uns mit dem MSCI World-Index.
ECOreporter: Welches Fondsvolumen soll nach einem bzw. nach drei Jahren erreicht werden?
Limacher: Nach einem Jahr soll der Fonds über 10 Millionen und nach drei Jahren mindestens 35 Millionen Euro aufweisen.

ECOreporter: Werden vom Anleger Gebühren verlangt?

Limacher: Die Verwaltungsgebühr für die private Tranche beträgt 1.5%, diejenige der institutionellen Tranche 0,9% (Mindestanlagesumme: 90.000 Euro). Der maximale Ausgabeaufschlag beträgt 4%, eine Rücknahmegebühr wird nicht verrechnet.

ECOreporter: An welche  Zielgruppe von Investoren wendet sich der Prime Values Green?

Limacher: Der Fonds eignet sich für private wie auch für institutionelle Kunden.

ECOreporter: Haben sie  mit der Auflage auf eine bestimmte Nachfrage reagiert?
Limacher: Vor allem institutionelle Anleger haben sich positiv zu unserem Prime Values-Anlageprozess geäußert und sich einen reinen Aktienfonds gewünscht.

ECOreporter: Wie wird die Nachhaltigkeit der Anlagen definiert und wer kontrolliert sie wie häufig?


Limacher: Jeder Titel wird von unserem eigenen Ethik-Research unter Leitung von Herrn Dr. Streiff analysiert. Die entsprechende Ethik-Analyse wird dann dem monatlich tagenden Ethik-Beirat vorgeschlagen. Die unabhängigen Spezialisten dieses Beirats entscheiden, ob der Titel ethisch oder ethisch nicht vertretbar ist. Nur in Titel mit mindestens dem Prädikat „ethisch vertretbar“ darf investiert werden.

ECOreporter: Nennen Sie doch bitte einige Beispiele für Negativ- und Positivkriterien…

Limacher: Als Negativ-Kriterien beispielsweise gelten bei uns Menschenrechtsmissachtung, Waffenproduktion oder Agrogentechnik. Die Positiv-Kriterien verfolgen wir anhand des Unternehmensprofils aus fünf ethischen Perspektiven: Verantwortungsverständnis, Angebot, Prozesse, Schutz natürlicher Ressourcen und Reputation.

ECOreporter: Wer legt sie fest?

Limacher: Die Kriterien werden seit 1995 von unserem Ethik-Komitee festgelegt und laufend überwacht.
 
ECOreporter.de: Was genau unterscheidet Prime Values Green von anderen nachhaltigen Mischfonds?

Limacher: Wir nennen ihn Ethikfonds. Da sich Ethik auf menschliches Handeln bezieht, stellen wir dies auch ins Zentrum unserer Bewertung und versuchen die Unternehmenstätigkeit eher qualitativ anstatt rein quantitativ (mittels Checklisten) zu beurteilen. Eine Besonderheit ist zudem, dass das unabhängige Prime Values Ethik-Komitee jeden Titel einzeln bewertet.

ECOreporter.de: Blicken wir in die Zukunft: Wie wird sich der Markt für nachhaltige Investmentfonds nach Ihrer Einschätzung in der nahen Zukunft entwickeln? Was und wer wird die Nachfrage wesentlich bestimmen?

Limacher: Die Neugeld-Zuflüsse werden weiter rasant steigen. Der größte Beitrag dürfte von institutioneller Seite her kommen. Durch die Volumen und besonderen Anforderungen seitens Pensionsfonds und anderen großen Investoren dürfte auch der Begriff des nachhaltigen Investierens ausgedehnt werden. Da sich der Investitionsbedarf ja nicht nur auf Equity- und Bond-Anlagen beschränkt, werden wir neue Bewertungsmethoden erarbeiten müssen. Je transparenter und umfassender die SRI-Akteure ihr Angebot gestalten, desto schneller werden Institutionelle die Chancen darin sehen. Der zweite wichtige Pfeiler ist, dass Privatinvestoren ein verantwortungsbewusstes Anlegen quasi „am Bankschalter“ einfordern.

ECOreporter.de: Herr Limacher, herzlichen Dank für das Gespräch!


Zum Unternehmen und Produkt:
Firmierung: Dr. Höller Vermögensverwaltung und Anlageberatung AG, Talstrasse 58, 8022 Zürich, Schweiz
Kontakt: Corinne Spiess, Roman Limacher
Kerngeschäft: Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden, öffentliche Ethik-Anlagefonds
Produktname: PRIME VALUES Green
Vetriebszulassung: D, A, LU (per 2.2.2010)
WKN: HAFX4X
ISIN: LU0470356352

Bildhinweis: Roman Limacher ist 35 Jahre alt. Der Diplom Betriebsökonom ist Ansprechpartner für den Prime Values Green bei der Dr. Höller Vermögensverwaltung und Anlageberatung AG. Er ist in der Geschäftsführung des Züricher Finanzdienstleisters tätig. / Quelle: Unternehmen; Limacher setzt unter anderem auf den Eisenbahnsektor: Lok von Vossloh. / QUelle: Unternehmen
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