11.05.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Am Kreuzweg - Q-Cells hofft auf Trendwende zum Guten, weiter hohe Schuldenlast




Dabei räumte er ein, dass die Liquidität des hoch verschuldeten TecDax-Unternehmens von Ende 2009 bis Ende März stark geschrumpft ist, von 412 Millionen auf 280 Millionen Euro. Cen verwies darauf, dass die Liquidität zum Jahresende 2009 deutlich höher ausgefallen war als angenommen. Zum Ende des 1. Quartals habe sie das damals anvisierte Niveau gehabt. Er bekräftigte, dass Q-Cells für das laufende Geschäftsjahr „durchfinanziert“ sei, auch wenn die Verschuldung weiter zugenommen habe. Immerhin seien die Nettoverbindlichkeiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht gesunken, von 677,4 Millionen auf 639,1 Millionen Euro. Aber laut der Quartalsbilanz ist das Unternehmen langfristig weiter mit rund 980 Millionen Euro verschuldet.

Laut dem neuen Vorstandschef hat Q-Cells im abgelaufenen Quartal noch einmal kräftig investieren müssen. Er gab sich jedoch davon überzeugt, dass sich die Investitionen in den Start des neuen Modulgeschäfts bereits ab dem kommenden Quartal auszahlen werden. Ab dem laufenden Quartal will der Solarkonzern auch kristalline Module vertreiben, für 2010 strebt er hier ein Verkaufsvolumen von 100 bis 150 MWp an. Für die Produktion dieser Module ist Q-Cells mit dem Unternehmen Flextronics eine Partnerschaft eingegangen: Flextronics errichtete in Malaysia eine Produktionslinie für Module mit einer Kapazität von 200 MW, die mit Solarzellen von Q-Cells bestückt werden. Das um kristalline Module erweiterte Geschäftsmodell zielt nach Angaben von Cen darauf ab, zukünftig über ein Portfolio aus Solarzellen, kristallinen und Dünnschicht-Modulen sowie Photovoltaik-Systemen für größere Dach- und Freiflächen zu verfügen. Damit wolle Q-Cells die ertragreicheren Bereiche der Wertschöpfungskette abdecken. Den Wandel vom Solarzellenhersteller zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen hatte das Unternehmen nach dem Rücktritt des Firmengründers und Ex-Vorstandschefs Milner bereits im März angekündigt.

Auf Nachfrage wollte Cen noch keine Prognose für die Gewinnentwicklung im laufenden Jahr machen. Er gehe aber davon aus, dass das Geschäft mit kristallinen Modulen dazu führe, dass bereits im 2. Quartal ein positives Betriebsergebnis erreicht wird.  Für das 1. Quartal wies Q-Cells heute einen Fehlbetrag beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 9,3 Millionen Euro aus. Zwar hatte das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch 21,3 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. In den beiden letzten Quartalen von 2009 waren die Verluste mit rund 164 Millionen bzw. 275 Millionen Euro weitaus höher ausgefallen. Der Vorstandschef hofft, dass nun im 2. Quartal der Sprung zurück in die Gewinnzone gelingt. Der Umsatz war im 1. Quartal leicht gestiegen, von 224,6 Millionen im Vorjahreszeitraum auf 232,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellt Cen einen Umsatz von 1 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht.

Allerdings steht in Deutschland, dem weltweit mit Abstand größten Markt für Solarprodukte, zum 1. Juli eine starke zusätzliche Kappung der Solarstromvergütung an. Das sorgt für das laufende Quartal noch für eine hohe Nachfrage, die aber ab dem 3. Quartal stark einbrechen könnte. Cen trat auf der Konferenz solchen Befürchtungen entgegen. Schließlich trete zum Jahresende in Deutschland eine weitere Kürzung der Solarstromvergütung in Kraft, so dass auch für das 2. Halbjahr mit einer regen Nachfrage zu rechnen sei. Zudem werde der weltweite Markt für Photovoltaikprodukte auch in diesem Jahr weiter stark wachsen. Daher sei die Internationalisierung des Vertriebs auch ein Kernthema für Q-Cells. Mit dem zum 25. Mai neu bestellten Vertriebsvorstand Hans-Gerd Füchtenkort sei ein Experte mit langjähriger Erfahrung im Auslandsgeschäft gewonnen worden.

Auf Nachfrage gab Cen zu, dass 2011 für den Solarkonzern wieder schwieriger werden könnte. „Bis dahin müssen wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“, so der Vorstandschef. Um mit asiatischen Wettbewerbern konkurrieren zu können, müsse sich Q-Cells im Vertrieb stark aufstellen und mit Nähe zu den Kunden punkten, die Kosten weiter optimieren und die Stärken im Bereich Forschung und Entwicklung ausspielen.

Weiter gab das Unternehmen bekannt, dass Marion Helmes, zuvor langjährig bei Thyssen-Krupp beschäftigt, zum 1. Juli den Posten des Finanzvorstands übernimmt und damit Cen von seiner Doppelfunktion entlastet. Der Vertrag mit dem bisherigen Vertriebsvorstand Marko Schulz wurde aufgelöst. Dessen Funktion als Geschäftsführer des Projektierungsgeschäfts übernehme zum 15. Mai mit Till Utermöhlen ein Manager mit umfassenden Erfahrungen im Bereich von Bau- und Grünstromprojekten, hieß es weiter.

Q-Cells SE: ISIN DE0005558662 /WKN 555866
Bildhinweis: Vorstandschef Nedim Cen / Quelle: Q-Cells
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