27.07.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Am Pranger - warum verkauft Bayer in Indien weiter ein Pestizid, dass in der EU verboten ist?

Endosulfan ist eines der giftigsten Pestizide, die es weltweit gibt. In einigen Ländern wie Indien wird es dennoch vertrieben. In diesem Monat gab es Proteste gegen den Bayer Konzern mit dem Aufruf, den Verkauf zu stoppen. ECOreporter.de hat bei dem Unternehmen nachgefragt. Die Bayer-Aktie ist in einigen Nachhaltigkeitsindices gelistet, etwa im DJSI World und dem FTSE4Good. Nach unserem Kenntnisstand gehört die Bayer-Aktie ferner zu den größten Positionen von Nachhaltigkeitsfonds wie dem KBC ECO Fund Sustainable Euroland, dem Dexia Equities L Sustainable EMU oder dem LBBW Global Warming Strategie.

Der Einsatz von Endosulfan im herkömmlichen Anbau von Baumwolle führt vor allem in Entwicklungsländern zu schweren Umwelt- und Gesundheitsschäden. Jedes Jahr erleiden Millionen Landarbeiter akute Pestizid-Vergiftungen, die zu Krebserkrankungen, Nervenschäden, Atemwegserkrankungen, Geburtsfehlern und Unfruchtbarkeit führen können. Die Verwendung von Endosulfan ist in der Europäischen Union und in vielen anderen Ländern verboten. Das Pestizid war von der Hoechst AG entwickelt worden, die vor zehn Jahren mit Aventis fusionierte. Zum Bayer Konzern kam Endosulfan, als die Leverkusener Aventis CropScience übernahmen und die Bayer CropScience bildeten. Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) und das britische Fairtrade-Unternehmens Pants to Poverty werfen Bayer vor, als letzter westlicher Hersteller den in weltweit 62 Ländern bereits verbotenen Wirkstoff noch zu produzieren.

Das sei „schlichtweg falsch“, erklärte Utz Klages für Bayer CropScience gegenüber ECOreporter.de. Bereits vor Jahren habe man die Produktion eingestellt. Darüber habe das Unternehmen auch ausführlich informiert. Er betonte, dass der Konzern ohnehin dem Trend zu immer umweltschonenderen Stoffen folge und entsprechend die Produktpalette „sukzessive erneuert“ werde. Auf Nachfrage von ECOreporter.de räumte Klages ein, dass Bayer in Indien aber weiterhin Endosulfan vertreibt.

Gerade daran hängt sich jedoch die aktuelle Kritik etwa von Pants to Poverty oder der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) auf. Letztere führt „aktuelle Untersuchungen“ an, wonach speziell in Indien der Einsatz von Endosulfan dramatisch ansteigt. Die meisten Landarbeiter hätten keinen Zugang zu jeglicher Schutzkleidung. Dort, wo man den Einsatz von Endosulfan verboten habe, sei dagegen die Rate von Totgeburten, Missbildungen und neurologischen Schäden deutlich gesunken.  

Dem hält Klages entgegen, dass Bayer in Indien zum einen Kundenschulungen durchführe, zum anderen kostenlose Schutzkleidung ausgebe. 10.000 Landwirte würden pro Jahr von der indischen Bayer-Tochter auf diese Weise betreut, um gesundheitlichen Schäden durch den Einsatz des Pestizids zu vermeiden. Der Vertreter von Bayer CropScience verwies gegenüber ECOreporter.de darauf, dass Endosulfan in tropischen Ländern stark nachgefragt werde. Das Pestizid sei nun einmal hoch wirksam und könne breit gegen Schädlinge eingesetzt werden. Sein Unternehmen bemühe sich um geeignete Alternativprodukte. Bis diese verfügbar seien, würden die Bestände in Indien weiter angeboten. „Wir befinden uns aber in der Auslaufphase“, so Klages im Gespräch mit ECOreporter.de Wie lange diese noch andauern soll, konnte er auf Nachfrage nicht sagen.

„Wenn Bayer den Verkauf stoppen würde, so wäre dies ein deutliches Signal an die Länder einschließlich Indien, die die Aufnahme von Endosulfan in die Konventionen von Stockholm und Rotterdam blockieren“, erklärte Linda Craig, Direktorin des Pestizid Aktions Netzwerk in Großbritannien. Wegen der hohen Giftigkeit und der Fähigkeit von Endosulfan, sich in Organismen und der Umwelt anzureichern, streben diese Konventionen ein weltweites Verbot des Pestizides an.
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