18.09.09 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Anlagecheck: Geschlossener Fonds MPC Bioenergie - wie sicher sind grüne Investments in Brasilien?



Die Mindestbeteiligung beträgt 10.000 Euro, plus drei Prozent Agio. Insgesamt 27 Millionen Euro will MPC für den Fonds einwerben. Kern des Projektes ist ein Biomassekraftwerk in Brasilien. Es soll täglich 400 Tonnen Abfallstoffe aus der Reisproduktion verbrennen und dann eine elektrische Leistung von bis zu 12,3 Megawatt (MW) erzeugen. Laut MPC wird das Kraftwerk in São Borja im südlichsten brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul bereits gebaut. Im Juni 2010 soll es fertig werden und dann auch Strom erzeugen.

Dem Emissionsprospekt für den MPC Bioenergie zufolge ist Brasilien nach Asien der größte Reisproduzent der Welt (Gesamtproduktion 2008: 12,1 Millionen Tonnen). Der Bundesstaat Rio Grande do Sul sei mit 7,5 Millionen Tonnen die bedeutendste Anbauregion des Landes. Wie es weiter heißt, entfallen bei der Reisproduktion etwa 20 Prozent auf die Reishülsen, dies ergebe für Rio Grande do Sul etwa 1,5 Millionen Tonnen Reishülsen als Biomasse. Das Kraftwerk des MPC Bioenergie benötige pro Jahr zirka 96.000 Tonnen Reishülsen.

Rechtliche Konstruktion

Anleger können sich als Direktkommanditisten oder Treuhandkommanditisten an der Fondsgesellschaft MPC Bioenergie Brasilien GmbH & Co. KG beteiligen. Als Treuhänderin wurde die TVP Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft für Publikumsfonds mbH beauftragt, ein Konzernunternehmen von MPC.  
Der Fonds beteiligt sich mit 99,99 Prozent der Gesellschaftsanteile an der brasilianischen Projektgesellschaft UTE Sao Borja Geradora de Energia Elétrica S.A. Die restlichen 0,1 Prozent der Gesellschaftsanteile werden von der MPC Energie GmbH, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der MPC Real Estate Consulting GmbH, gehalten.

Platzierungsgarantie und Mittelverwendungskontrolle

Die MPC Real Estate Consulting GmbH hat sich vertraglich verpflichtet, das bis Ende 2011 noch fehlende Eigenkapital für den MPC Bioenergie aufzubringen. MPC Real Estate Consulting ist eine Tochter der MPC AG. Die Mittelverwendungskontrolle liegt bei der BLS Revisions- und Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg.

Fondsnebenkosten

Aus dem Gesamtinvestitionsvolumen inklusive Agio in Höhe von 27,81 Millionen Euro sollen laut dem Emissionsprospekt 20,3 Millionen Euro direkt in das Kraftwerk in Brasilien investiert werden. Zusätzlich wurden 1,64 Millionen Euro als Kosten für die Zwischenfinanzierung des Projekts in der Errichtungsphase des Kraftwerks kalkuliert. Die Substanzquote liegt damit bei 79 Prozent. Das bedeutet: 79 Prozent der Gesamtinvestition fließen in die Finanzierung der Anlage.

Die Fondsnebenkosten addieren sich auf 5,3 Millionen Euro, das entspricht 19 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens. Die größten Positionen entfallen dabei auf die Kosten für die Kapitalbeschaffung (2,16 Millionen Euro), die Investitionsberatung (0,75 Millionen Euro) und das Agio (810.000 Euro).

Laufzeit und Ausschüttung

Die Laufzeit MPC Bioenergie beträgt den Angaben zufolge knapp 17,5 Jahre. In diesem Zeitraum sollen Gesamtausschüttungen in Höhe von 268 Prozent auf die Kommanditenlage erfolgen, also 168 Prozent Ausschüttungen plus die vom Anleger eingezahlten 100 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Rendite liegt laut MPC bei 9,6 Prozent.

Ökologische Wirkung

Dem Emissionsprospekt zum MPC Bioenergie zufolge wird das Biomassekraftwerk über 40.000 brasilianische Haushalte mit Strom versorgen können. Die bei der Verbrennung entstehenden Gase würden über einen mehrstufigen Reinigungsprozess gefiltert. Die Verbrennung der Reishülsen sei CO2-neutral. Zurzeit würden die Reishülsen auf große Deponien gebracht, bei ihrer Zersetzung entstehe klimaschädliche Methangas. Unter dem Strich vermeide das Kraftwerk jährlich zirka 31.800 Tonnen an CO²-Emissionen.
Da Reishülsen ein Abfallprodukt sind, hat das Kraftwerk ökologische Vorteile gegenüber vielen anderen Biomasse-Anlagen, weil für die Biomasse keine Enegriepflanzen angepflanzt werden – und damit auch keine Felder für Energieerzeugung genutzt werden, die für Nahrungsmittel mehr gebraucht würden.


Risiko

Laut Angaben von MPC bestehen Verträge über die Lieferung der Reishülsen mit einer Laufzeit von zwölf Jahren plus Verlängerungsoption um drei Jahre.
Der MPC Bioenergie kauft das Kraftwerk dem Prospekt zufolge schlüsselfertig von der deutschen Areva Bioenergy GmbH und der brasilianischen Areva Bioenergia Ltda. Beide sind Töchter des französischen Atomkonzerns Areva.
Den Strom aus dem Kraftwerk plant MPC über einen professionellen brasilianischen Strommakler zu verkaufen, dies sei in Brasilien üblich. Der Strom sei konkurrenzfähig gegenüber dem konventionell erzeugten Strom in Brasilien. In Südbrasilien wachse der Strombedarf relativ stark, die vorhandenen und geplanten Erzeugungskapazitäten würden knapp. Zusätzlich soll der Fonds CO²- Umweltzertifikate (Carbon Credits) verkaufen, die bei der Verbrennung entstehende Asche sei als Dünger in der Landwirtschaft oder für den Einsatz in der Gummi- und Kunststoffindustrie geeignet. Betreiber des Kraftwerks werde die Dalkia Brasil S.A. sein. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Dalkia Gruppe mit Sitz in Paris, mit über 50.000 Mitarbeitern betreibe diese weltweit mehr als 111.000 Energieanlagen.

Fazit:

Finanziell
Das Geschäftsmodell des Fonds erscheint plausibel. Die Risiken sind allerdings erheblich. Investments in Brasilien sind nicht so geschützt wie in Deutschland. Hinzu kommt das beträchtliche Wechselkursrisiko: Die Einnahmen in Brasilien erfolgen laut Prospekt in der Landeswährung. Obwohl Verträge für die Lieferung der Biomasse bestehen, fragt sich, ob die Einhaltung solcher Verträge in Brasilien so sicher und durchsetzbar ist wie in Westeuropa. Gerade angesichts der langen Laufzeit erscheint ein Rohstofflieferungsvertrag als elementarer Bestandteil eines solchen Beteiligungsprojektes. Letztlich ist auch der Stromverkauf in Brasilien mit einem größeren Unsicherheitsfaktor behaftet als in Deutschland.
Wie für einen reinen Eigenkapitalfonds nicht unüblich, liegt die Substanzquote recht niedrig.

Nachhaltigkeit
Die ökologische Qualität des Beteiligungsangebots überzeugt.

ECOreporter.de-Empfehlung

Private Anleger sollten sich nicht am MPC Bioenergie beteiligen. Das aus nachhaltiger Sicht durchaus positiv zu bewertende Projekt erscheint riskant und wäre besser bei professionellen Investoren aufgehoben.

Basisdaten
Anbieter: MPC Capital Investments GmbH, Hamburg
Fondsname: MPC Bioenergie
Firma der Fondsgesellschaft: MPC Bioenergie Brasilien GmbH & Co. KG
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Treuhänder: TVP Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft für Publikumsfonds mbH, Hamburg
Fondswährung: Euro

Gesamtinvestitionsvolumen (ohne Agio) : 27,0 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio) : 27,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme : 10.000 Euro
Gesamtinvestitionsvolumen (inklusive Agio) : 27,81 Millionen Euro
Agio: 3,0 Prozent
Agio: 810.000 Euro

BaFin Gestattung: Ja
Leistungsbilanz des Anbieters: in Vorbereitung
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: BLS Revisions- und Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg

Generalübernehmer: Areva Bioenergy GmbH, Bremen, und Areva Bioenergia Ltda., São Paulo
Technische Betriebsführung, Wartung und Instandhaltung: Dalkia Brasil S.A., São Paulo

Ertragsgarantie: Nein
Sensitivitätsanalyse: Ja

Anteile handelbar: Nein
Kündigungsfrist: erstmals zum 31.12.2026
 

Bitte sorgfältig beachten:
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