11.09.09 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Anlagecheck Paribus Rail Portfolio: Starke Lok für’s Depot?

Ein Kindheitstraum: Eine eigene Lokomotive. Anleger können sich nun ein Stück des Traums verwirklichen, wenn sie bei einem geschlossenen Eisenbahnfonds Geld anlegen. ECOreporter.de hat im Anlagecheck geprüft: Wie solide ist der Fonds, was ist bei der Wertberechnung gebrauchter Loks zu beachten – und wie umweltfreundlich sind eigentlich solche Lokomotiven?

Paribus Rail Portfolio heißt der Fonds, die Mindestbeteiligung beträgt 10.000 Euro – plus fünf Prozent Agio.

Der Fonds kauft etwa 25 Lokomotiven  für den Rangierbetrieb im Güterverkehr. Paribus Capital will dabei ausschließlich mit Eigenkapital arbeiten, ohne Kredite. Dafür wirbt Paribus bei Anlegern 27,2 Millionen Euro ein, maximal 35 Millionen Euro.

Bis Ende 2008 hatte das Paribus Rail Portfolio für insgesamt 15,9 Millionen Euro 19 Lokomotiven gekauft. Bis Anfang Juli waren die Loks alle vermietet. Einige seien von den vormaligen Verkäufern zurückgemietet worden, so Paribus. Ziel ist es, je ein Drittel der Loks kurzfristig (bis 3 Monate), mittelfristig (3 bis 18 Monate) und langfristig (18 Monate und mehr) zu vermieten. Der Planrechnung des Fonds liegt eine Auslastungsquote von 85 Prozent zugrunde. Mieter sind beispielsweise eine Norddeutsche Hafenbahn, ein Stahlwerk und Privatbahnen. Die Loks werden alle im Kurzstreckenbereich im Rangierbetrieb eingesetzt.


Rechtliche Konstruktion

Anleger werden Direkt- oder Treuhandkommanditisten der Paribus Deutsche Eisenbahn Renditefonds IX GmbH & Co. KG, Hamburg. Treuhänder ist die zur Paribus-Gruppe gehörige Paribus Trust GmbH.


Platzierungsgarantie und Mittelverwendungskontrolle

Für den Paribus Rail Portfolio gibt es keine Platzierungsgarantie, aber Anfang September waren bereits 20 Millionen Euro (75 Prozent) gezeichnet. Spätestens zum 31. Dezember 2009 soll der Fonds geschlossen werden.

Die Mittelverwendungskontrolle liegt bei der A2C Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg.


Fondsnebenkosten

Die Fondsnebenkosten oder Weichkosten setzen sich im Wesentlichen aus Platzierungskosten (inklusive Agio 2,99 Millionen Euro), den Kosten für Fondskonzeption und Prospektentwicklung (675.000 Euro), Lokomotivauswahl und –prüfung (315.000 Euro) sowie Vergütung, Organisation und Struktur (225.000 Euro) zusammen. Sie addieren sich auf insgesamt 4,3 Millionen Euro, dies entspricht 15,49 des Kommanditkapitals inklusive Agio.


Laufende Kosten

Die Mietverträge des Paribus Rail Portfolio legen den Angaben zufolge fest, dass der Mieter alle Kosten wie Betriebs-, Instandhaltungs- und Wartungskosten übernimmt. Auch die markttypischen Versicherungen bezahlt demnach der Mieter. Für die besonders aufwendigen und teuren Hauptuntersuchungen der Lokomotiven, diese sind alle fünf bis acht Jahre fällig, müssen die Mieter zusätzliche Beiträge zahlen. Anders als bei Autos sind diese Hauptuntersuchungen sehr tiefgehend; die Kosten liegen laut Brancheninsidern bei etwa 400.000 Euro. Eine Lok ohne Hauptuntersuchung ist wirtschaftlich nahezu wertlos.

Prognostizierten Einnahmen aus der Vermietung von Loks von anfänglich 3,75 Millionen Euro bis 4,6 Millionen Euro stehen Ausgaben in Höhe von anfänglich 170.000 Euro gegenüber. Für „Flottenmanagement“ und „nicht umlagefähigen Reparaturaufwand“ sind in der Planrechnung anfänglich 500.000 Euro und zum Ende der Laufzeit 630.000 Euro angesetzt.


Laufzeit und Ausschüttung

Bereits 2009 soll der Paribus Rail Portfolio acht Prozent der Einlage an die Anleger ausschütten. Diese Summe sei durch tatsächlich erwirtschaftete Gewinne aus Vermietungen gedeckt, so Paribus Capital. Von 2011 bis 2015 sollen die Ausschüttungen prospektgemäß bei elf Prozent jährlich liegen, von 2016 bis 2022 bei zwölf Prozent. Im Jahr 2023 soll der Fonds eine Schlussauszahlung von zirka 66 Prozent leisten.

Die Gesamtausschüttung bezogen auf das Kommanditkapital inklusive Agio gibt Paribus Capital mit rund 210 Prozent an, also 110 Prozent Ausschüttungen plus die vom Anleger eingezahlten 100 Prozent. Die prognostizierte durchschnittliche Ausschüttung beläuft sich auf 7,35 Prozent. Der interne Zinsfuss (IRR) beträgt nach Angaben von Paribus 9,15.


Positives Zukunftsszenario für die Schiene

Trotz möglicher kurzfristiger Belastungen durch die schwächelnde Konjunktur sind die wirtschaftlichen Aussichten des Güterverkehrs auf der Schiene gut. Weltmarktfirmen wie BASF und Porsche haben in den letzten Jahren Transporte vom LKW auf die Bahn verlagert. Sie schätzen die Bahnen als preisgünstiger, besser planbar und zuverlässiger. Nach Einschätzung des Berliner Vereins „Allianz pro Schiene“ ist das Wachstumspotenzial des Schienengüterverkehrs bei weitem noch nicht ausgeschöpft. In Deutschland würden bislang lediglich 17 Prozent der Verkehrsleistung auf der Schiene erbracht, in den USA und Russland seien es mehr als 40 Prozent, in China sogar mehr als 50 Prozent. Bei politisch richtiger Weichenstellung seien 25 Prozent Marktanteil für die Schiene auch in Europa bis 2025 zwar ambitioniert, aber machbar.


Technik und Erträge

Beim Ankauf der Loks werden eine Reihe von Investitionskriterien berücksichtigt. Jeder Zukauf wird laut Paribus systematisch vorbereitet, und jede Lokomotive wird auf ihre Vermietbarkeit hin überprüft. Grundlage der Entscheidung sei jeweils ein umfangreiches Verkehrswertgutachten, unter anderem des Bad Schwartauer Eisenbahnexperten Dipl.-Ing. Karl-Heinz Williges. Das Fondsmanagement hinterfrage Alter und Zustand der Loks, es prüfe die voraussichtlichen Zusatzkosten der Anschaffung (z.B. Transportkosten), die prognostizierte Restnutzungsdauer, die Ersatzteillage, den Unterhaltungsaufwand und den Restwert. Der Fonds kauft die Lokomotiven den Angaben zufolge grundsätzlich nur zu Preisen unterhalb der gutachterlichen Verkehrswerte an.

Die Prognoserechnung sieht ab 2010 bis Jahr 2023 eine jährliche Steigerung der Jahresmieteinnahmen von 1,75 Prozent vor. In der Kalkulation wird zudem der Restwert nach 15 Jahren als Veräußerungserlös angenommen. Dieser wurde in einem Gutachten der Hamburger SCI Verkehr GmbH ermittelt. In dem Gutachten prüfte SCI auch die Mietsätze und die Auslastungsquote in der Prognose des Paribus Rail Portfolio. Diese seien konservativ bzw. marktgerecht, heißt es.

Laut dem Gutachten rechnet SCI zwischen 2007 und 2011mit Nachfrage für zirka 250 neue Diesellokomotiven für den Rangier- und Kurzstreckenverkehr. Der Bedarf an gebrauchten Leasing- bzw. Mietlokomotiven werde auf hohem Niveau stabil bleiben. Die Attraktivität des Marktes für gebrauchte Leasing- und Mietfahrzeuge werde aufgrund der Knappheit an verfügbaren Diesellokomotiven und den gegenwärtig langen Lieferzeiten für Neufahrzeuge weiter steigen.


Ökologische Wirkung

Ökologisch ist der Schienenverkehr dem Transport auf der Strasse überlegen: LKW verbrauchen über viermal mehr Kraftstoff als die Bahn für dieselbe Verkehrsleistung, sie produzieren im Güterverkehr über fünfmal soviel Treibhausgase. Bahnen haben wesentlich geringere Stickoxid- und Partikel-Emissionen als LKW, und im Güterverkehr produzieren die anderen Verkehrsmittel bis zu 12-mal mehr gesundheitsgefährdende Schadstoffe als die Bahn.

Dennoch sind natürlich auch Güterloks nicht nur umweltschonend. Loks aus den 80er und 90er Jahren sind beispielsweise schlichtweg laut; Anwohner von Strecken beschweren sich hier häufig. Ein noch größeres Problem ist der Dieselruß. Vossloh als Hersteller hat hier zwar beispielsweise einmal 90 Loks mit Dieselpartikelfiltern ausgestattet, sie wurden in die Schweiz geliefert.

Doch selbst für neue Loks sind Dieselpartikelfilter noch nicht vorgeschrieben. Die ab 2009 geltenden EU-Emissionsgrenzwerte der Stufe 3A setzen den Partikelfilter nicht voraus. LKW müssen hier strengere Werte einhalten. Mit Dieselpartikelfilter ausgestattete Loks halten, was Rußpartikel angeht, die Grenzwerte der von 2012 an geltenden Stufe 3B ein.
Die von Paribus vermieteten Loks haben keinen Partikelfilter. Eine Nachrüstung ist nach Insider-Angaben schwerlich möglich, da die Filter für Loks sehr viel Platz benötigen.
Da die Loks vor allem in einem geschlossenen Gebiet eingesetzt werden sollen, sind zumindest die Probleme für Anwohner eingegrenzt. Außerdem hält Paribus sich mit den Loks vollkommen im Standardbereich. Dieselpartikelfilter insgesamt sind wie beschrieben – leider – noch die absolute Ausnahme bei Güterloks. Da die Umweltauswirkungen des Güterverkehrs insgesamt besser sind als bei anderen Verkehrsmitteln, kann die ökologische Wirkung des Fonds als gut bis befriedigend bezeichnet werden.


Risiko

Zwischen 2003 und 2007 hat die Initiatorin Paribus laut Emissionsprospekt acht Beteiligungsangebote im Volumen von 264 Millionen Euro auf den Markt gebracht. Paribus ist in den Bereichen Immobilien, Bahnen und Schiffe tätig. Die bisherigen Fonds liegen im Plan bzw. über Plan. Aufgrund der geringen Laufzeit der Fonds ist die Leistungsbilanz jedoch nicht besonders aussagekräftig

Wesentliche Bereiche des Managements für den Paribus Rail Portfolio liegen bei der Hamburger northrail GmbH. Das im April 2008 gegründete Gemeinschaftsunternehmen von Paribus (74 Prozent) mit dem Seehafen Kiel (26 Prozent) zeichnet für das Asset Management bzw. Flottenmanagement des Fonds verantwortlich. Das Flottenmanagement umfasst den Angaben zufolge den Ankauf, das Marketing, die Vermietung, die technische und kaufmännische Betreuung sowie Verwaltung und Verkauf. Northrail vermittele ferner Personal, technische Dienste und Wartungs- und Versicherungsleistungen. Die Liste der Kunden des Managementpartners führt Unternehmen wie VW, BMW und BASF sowie See- und Binnenhäfen wie Bremerhaven, Hamburg, Kiel, Lübeck, und Duisburg auf.
Wenn sie nicht vermietet sind, übernimmt der Seehafen Kiel die Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Lokomotiven. Der Partner ist zudem für die Überführung der Loks von und zu Mietern verantwortlich.

Für das Flottenmanagement stellt northrail Gebühren in Höhe von 7,7 Prozent der geplanten Mieteinnahmen in Rechnung. Wird eine Lok erfolgreich weiter verkauft, steht dem Partner ein Honorar in Höhe von zehn Prozent des über den Buchwert hinausgehenden Liquidationserlöses zu.

Laut Emissionsprospekt bildet der Fonds laufend zusätzliche Liquiditätsreserven. Zum Ende des Prognosezeitraums könnten diese auf mehr als eine Jahresmieteinnahme wachsen. Die Prognosen enthalten keine Zinseinnahmen aus dieser Reserve.


Fazit:

Finanziell


Das Geschäftsmodell des Paribus Rail Portfolio erscheint plausibel, der Rangier- und Kurzstreckenverkehr ist für den Gütertransport über die Schiene unverzichtbar. Mittelfristig sind die Aussichten für ein Wachsen des Güterverkehrs über die Schiene gut.

Mit dem Seehafen Kiel hat Paribus einen erfahrenen Partner für den Fonds gewählt. Dieser bringt neben technischer Infrastruktur und gut ausgebildeten Mitarbeitern auch gewachsene Kontakte in der Branche in die Zusammenarbeit ein. Die meisten Loks stammen von der Firma Vossloh, die als einer der Marktführer einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Der Fonds ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits weitgehend investiert. Das Investitionsrisiko ist dadurch deutlich gesunken. Die Preise für die gebrauchten Loks gelten laut zwei Brancheninsidern, die ECOreporter.de befragte, als plausibel.

Die Fondsnebenkosten fallen moderat aus.

Zwar könnte der Erfolg bei der Vermietung infolge der aktuellen Wirtschaftslage kurzfristig leiden. Die Prognoserechnung des Paribus Rail Portfolio enthält jedoch kalkulatorische Rücklagen, darunter vor allem die vergleichsweise niedrige Auslastungsquote von 85 Prozent.


Nachhaltigkeit

Es bleibt zu hoffen, dass die Bahnindustrie in Zukunft auf Partikelfilter setzt und mehr Umweltschutz betreibt als durch die nicht strengen Emissionsgrenzwerte vorgeschrieben. Dieses Problem der Grenzwerte sollte aber nicht dem Fonds zu Lasten gelegt werden, hier überwiegen die Vorteile des Güterverkehrs vor anderen Transportformen in der Beurteilung. Insgesamt kann das Investment als nachhaltig gelten.


ECOreporter.de-Empfehlung

Der Paribus Rail Portfolio stellt eine attraktive Beimischung zum Depot nachhaltig orientierter Anleger dar. Sie hatten bisher vorwiegend die Wahl unter verschiedenen Erneuerbare-Energie-Fonds. ECOreporter.de empfiehlt: Zeichnen.




Basisdaten

Anbieter: Paribus Capital GmbH, Hamburg
Fondsname: Paribus Rail Portfolio
Firma der Fondsgesellschaft: Paribus Deutsche Eisenbahn Renditefonds IX GmbH & Co. KG
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Treuhänder: Paribus Trust GmbH, Hamburg
Fondswährung: Euro

Gesamtinvestitionsvolumen (ohne Agio) : 27,2 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio) : 27,2 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme : 10.000 Euro
Gesamtinvestitionsvolumen (inklusive Agio) : 28,555 Millionen Euro
Agio: 5,0 Prozent
Agio: 1,355 Millionen Euro

BaFin Gestattung: Ja
Leistungsbilanz des Anbieters: Ja
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: A2C Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg
Ertragsgarantie: Nein
Sensitivitätsanalyse: Ja

Anteile handelbar: mit Zustimmung der geschäftsführenden Kommanditistin
Kündigungsfrist: erstmals zum 31.12.2023
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer: auf Wunsch der Gesellschafter möglich
Versicherungen: Halterhaftpflichtversicherung (Deckungssumme mind. 10 Millionen Euro); Eisenbahnbetriebshaftpflichtversicherung; Maschinenversicherung (Sachversicherung für Lokomotiven);



Bitte sorgfältig beachten:

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Bilder: Lokomotiven des Paribus-Partners northrail. / Quelle: Paribus
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