Das Heizkraftwerk des Fonds verbrennt als Rohstoffe unter anderem Gehölz, dass bei der Pflege von Wäldern anfällt. / Quelle: Fotolia

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Anlegern des geschlossenen Fonds NMI New Energy Holz droht Totalverlust

Der geschlossene Fonds NMI New Energy Holz GmbH & Co. KG stand von Anfang unter keinem guten Stern. Als er 2009 emittiert wurde, wollte der Anbieter NMI (New Milestone Investments) Capital GmbH bis zu 15 Millionen Euro bei Investoren einsammeln, um in Holzheizkraftwerke zu investieren. Solche Anlagen erzeugen Wärme und Strom aus Biomasse. Drei Standorte hatte das Unternehmen aus Hamburg damals ins Auge gefasst, um dort Holzheizkraftwerke zu betreiben. Ab 10.000 Euro plus fünf Prozent Agio konnten Anleger in den Fonds einsteigen. Für die Laufzeit von 15 Jahren wurde ihnen eine Auszahlung von insgesamt 221 Prozent in Aussicht gestellt, inklusive des eingesetzten Kapitals und den erhofften Einnahmen aus dem Verkauf der Heizkraftwerke. Doch es gelang der Emittentin lediglich,  bis zum Platzierungsende in 2010 knapp vier Millionen Euro für den Fonds einzuwerben. So konnte der NMI New Energy Holz auch nur in ein Projekt einsteigen, in das Biomasseheizkraftwerk Feldberg.

Auf den ersten Blick erschienen Heizkraftwerke auf Basis von Biomasse in 2009 als ein viel versprechendes Investment. Gesetze zur Kraftwärmekopplung (KWK) und zur Einspeisung von Strom aus Erneuerbarer Energie versprachen einen fest kalkulierbaren Mittelzufluss. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) legte den Tarif fest, zu dem Netzbetreiber den Strom aus Bioenergie abnehmen und vergüten müssen, und das ab dem Netzanschluss für 20 Jahre. Hinzu kam der Landschaftspflege-Bonus, ein Zuschlag, den kassieren kann, wer für die Erzeugung von Strom Rohstoffe wie Gehölz einsetzt, dass bei der Pflege von Landschaften, Parks und Gärten anfällt. Auf solche Rohstoffe setzt auch das Biomasseheizkraftwerk, das der geschlossene Fonds NMI New Energy Holz erwarb. Und eben dies erwies sich nun als dessen Achillesferse.

Denn wie NMI-Geschäftsführer Thomas Wenzel gegenüber erklärte, verweigert der Netzbetreiber, bei dem das Biomasseheizkraftwerk Feldberg seinen regenerativen Strom einspeist, die Auszahlung des Landschaftspflege-Bonus. Das verringere die Erlöse der Anlage um zehn Prozent und habe dazu geführt, dass diese nicht mehr rentabel geführt werden könne. „Wir könnten versuchen, die Auszahlung des Zuschlags für Landschaftspflegematerial einzuklagen. Aber bis das zum Erfolg führt kann es eine Weile dauern. Die Insolvenz hätten wir damit nicht abwenden künden“, so Wenzel. Der Netzbetreiber verweigere die Auszahlung mit dem Hinweis, dass ja das Biomasseheizkraftwerk witterungsbedingt nicht das ganze Jahr über mit Holz aus Landschaftspflegematerial befeuert werde. Das Argument ist für Wenzel nicht stichhaltig, weil dies für alle Biomasseheizkraftwerke gelte und dem Gesetzgeber ebenso klar gewesen sei, als er den Bonus in das EEG aufgenommen habe. „Wenn das alle Netzbetreiber so anwenden, würden alle Biomasseheizkraftwerk mit dem Rücken zur Wand stehen“, stellte Wenzel dazu fest.

Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass NMI die Gesellschafter des Fonds aufgefordert habe, diesem weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, damit dieser fortgeführt werden könne. Das aber hätten die Gesellschafter abgelehnt. Ihnen drohe nun der Totalverlust des Investments.

Im  ECOanlagecheck (Link entfernt)  des NMI New Energy Holz von 2009 hatte ECOreporter unter anderem davor gewarnt, dass das Anlagerisiko steigt, wenn der Fonds zu wenig Kapital einsammelt, um in mehrere Holzheizkraftwerke zu investieren. So reichten jetzt die Probleme des einzigen Projektes aus, um den Fonds in Schieflage zu bringen. Allerdings spricht es auch nicht für die NMI, dass schon eine Umsatzdelle von zehn Prozent ausreicht, um die Insolvenz auszulösen. Zumal wir in dem ECOanlagecheck noch eine ganze Reihe weiterer Risiken festgestellt hatten: zum Beispiel das Risiko einer Insolvenz des Wärmeabnehmers oder der Betreibergesellschaft. So gesehen stand der Fonds wohl ohnehin auf sehr wackeligen Füßen und war es nur eine Frage der Zeit, dass sich das Anlagerisiko so dramatisch zuspitzt, wie es jetzt geschehen ist.
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