Einblick in die Fertigung von Solarzellen bei SolarWorld. / Quelle: Unternehmen

03.05.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF

Anlegeroptionen für den Sanierungsplan von SolarWorld

Ein Ölscheich soll der kriselnden SolarWorld AG aus der Klemme helfen. Wie Firmengründer, Großaktionär und CEO Frank Asbeck gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, will sich ein Investor aus Katar an dem Solarkonzern beteiligen. Der Abschluss eines Finanzierungsvertrages stehe kurz bevor. Näheres dazu werde er auf der Außerordentlichen Hauptversammlung bekannt geben, die das Unternehmen demnächst durchführen will. Eine Mehrheitsbeteiligung schloss Asbeck aus.

SolarWorld unterhält bereits seit längerem Beziehungen nach Katar. Sie hält eine Minderheitsbeteiligung an der Qatar Solar Technologies, die zu 70 Prozent der Qatar Foundation gehört. Hierbei handelt es sich um eine Stiftung des Emirs von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani. Asbeck gehört dem Führungsgremium des Unternehmens an, das in Doha ansässig ist und nahe dieser Hauptstadt von Katar eine Solarfabrik betreibt. Das Scheichtum will bis 2014 eine installierte Solarstromkapazität von 1,8 Gigawatt (GW) erreichen. Qatar Solar Technologies soll aber auch in anderen Märkten aktiv werden. Ein Einstieg bei SolarWorld liegt offenbar nahe.

Der Solarkonzern ist dringend auf einen solchen Rettungsring angewiesen. Laut der vor wenigen Tagen veröffentlichten vorläufigen Bilanz hat SolarWorld allein in 2012 fast eine halbe Milliarde Verlust erwirtschaftet und lasteten auf dem Unternehmen Ende 2012 Verbindlichkeiten von rund einer Milliarde Euro (wir berichteten (Link entfernt)). SolarWorld hatte im April bekannt geben müssen, dass das Grundkapital komplett aufgezehrt ist. Der nicht mehr durch Eigenkapital abgedeckte Fehlbetrag liege bei 38 Millionen Euro, hieß es.

Am 30. April veröffentlichte der Solarkonzern seine Pläne für ein Rettungskonzept. Dieses sieht vor, dass die Gläubiger der beiden Anleihen (ISIN XS0478864225, 400 Millionen Euro und ISIN XS0641270045, 150 Millionen Euro) von SolarWorld auf viel Geld verzichten. Geplant sei ein Schuldenschnitt, durch den die ausstehenden Anleihen zu 60 Prozent in Aktien gewandelt werden und die Gläubiger die übrigen 40 Prozent als Anleihen weiter halten. Gläubiger, die rund 80 Prozent der ausstehenden Forderungen unter den Schuldscheingläubiger vertreten, hätten diesem Konzept bereits zugestimmt, hatte SolarWorld dazu erklärt (auch über diese Pläne haben wir berichtet (Link entfernt)). Einher geht dieses Konzept mit einer Kapitalherabsetzung um rund 95 Prozent, so dass die Aktie fast ihren ganzen Wert verlieren würde. Die aber ist ohnehin nur noch rund 63 Eurocent wert, hat allein auf Jahressicht etwa zwei Drittel ihres Wertes verloren, nachdem sie noch vor zwei Jahren mit zwölf Euro gehandelt worden war. Mit diesem Konzept will SolarWorld die Gesamtschulden um etwa 60 Prozent auf rund 400 Millionen Euro verringern.

Doch noch steht die offizielle Zustimmung der Anleihengläubiger aus. Rechtsanwalt Dr. Marc Liebscher von der Kanzlei Dr. Späth & Partner aus Berlin rät davon ab. Er empfiehlt vielmehr, durch eine Kündigung die sofortige Rückzahlung der vollen Beteiligung zu verlangen, plus Zinsen. Nach seiner Einschätzung können Anleihegläubiger es ausnutzen, dass die Bedingungen der SolarWorld-Anleihen ihnen ein Recht zur „Kündigung aus besonderem Grund“ ausdrücklich zubilligen.

Der Anwalt räumt allerdings ein, dass offen sei, ob die Voraussetzungen dafür vorliegen und die Kündigung erfolgreich sein wird. SolarWorld werde sich gegen eine solche Kündigung mit dieser Begründung aller Voraussicht nach wehren und man müsse als Anleihegläubiger bereit sein, sich auf einen längeren Rechtsstreit einzulassen. Man könne nicht damit rechnen, dass SolarWorld nach einer Kündigung den Anleihebetrag und die Zinsen einfach ausbezahlen wird.
Laut Liebscher könnte man einerseits eine Kündigung vor Gericht durchsetzen, das sei keinesfalls ausgeschlossen. Das aber verlange einen langen Atem und führe nur dann zum Erfolg, wenn der Solarkonzern nicht Pleite geht, also zahlungsfähig bleibt. Andererseits könne sie sich durchaus kurzfristig auszahlen. Nämlich dann, „wenn SolarWorld die Anleger, die fristlos kündigen und Klage erheben, auch des Rechtsfriedens wegen nach Abschluss der Restrukturierung ausbezahlt“, so der Anwalt. Dafür spreche, dass nach seiner Einschätzung „voraussichtlich nicht allzu viele Anleger die fristlose Kündigung erklären“ werden.

Unklar ist, was mit den Anleihengläubigern geschieht, die weder der Umwandlung in Anliehen zustimmen noch ihre Anleihe kündigen. Können sie eine 100-prozentige Auszahlung zum Laufzeitende durchsetzen? Eine Anfrage dazu von ECOreporter konnte SolarWorld bislang nicht beantworten, stellte eine Aussage hierzu aber zeitnah in Aussicht. Übrigens könnte es sich für risikofreudige Anleger auch lohnen, jetzt in die betroffenen Anleihen des Solarkonzerns zu investieren. Sie können die Schuldverschreibungen aktuell für weniger als 30 Prozent ihres Nominalwertes erwerben. Zum Ende der Laufzeit hätte man dann Anspruch auf 40 Prozent ihres Nominalwertes, so sieht es ja das Sanierungskonzept von SolarWorld vor. Hinzu kommen die Aktien, in die die übrigen 60 Prozent der Anleihe getauscht werden sollen. Wenn die Rettung des Solarkonzerns gelingt, spricht vieles dafür, dass auch die Anteilsscheine bis zum Laufzeitende der Anleihen im Juli 2016 bzw. Januar 2017 an Wert gewinnen.

Noch tiefer als nach dem Kapitalschnitt kann die Aktie kaum sinken. Doch dieser Renditeaussicht steht das weiter große Risiko gegenüber, dass SolarWorld bis dahin doch noch Insolvenz anmelden muss. Schließlich ist noch nicht absehbar, wann das Unternehmen wieder profitabel wirtschaften kann. Wann der Solarkonzern also aufhört, durch Verluste sein Kapital zu verbrauchen. Denn noch immer gibt es viel zu viele Solarprodukte auf dem Weltmarkt und sinken daher die Preise weiter stärker als Solarhersteller ihre Kosten senken können.

SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
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