Seit dem Rücktritt von Siegfried Hofreiter, dem Gründer und ehemaligen Vorstandschef der KTG Agrar AG, sickern immer mehr Hinweise auf Ungereimtheiten in der Geschäftsführung des Agrarkonzerns durch. / Foto: Unternehmen

23.09.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF

Anleihen der KTG Agrar AG im Kurskeller – haben Anleger Schadensersatzansprüche?

Die nachhaltigen Anleihen der KTG Agrar AG sind an der Börse nahezu wertlos. Der seit Anfang Juli insolvente Agrarkonzern hatte Anleihen im Gesamtvolumen von rund 200 Millionen Euro platziert. Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding + Barth Rechtsanwalts-AG hat schon in in vielen Fällen die Interessen von Anlegern vertreten, die in Anleihen nachhaltiger Unternehmen investiert haben, ehe diese pleite gingen. So agierte er als der Gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger von Windreich (ECOreporter.de hatte ihn dazu in einem Interview befragt). Der Rechtsanwalt empfiehlt Anlegern, die in Anleihen der insolventen KTG Agrar AG investiert haben, ihre Ansprüche zur Insolvenztabelle anmelden. Darüber hinaus sieht der Chancen auf Schadensersatzansprüche.

Nieding erläutert, dass sich laut dem vom Gericht eingesetzte Sachwalter Stefan Denkhaus bei der KTG Agrar AG die Vorstandsgehälter auf „phantastischem Niveau“ bewegt haben sollen. Erhebliche Mängel bei der Kostenkontrolle hätten zu „unangemessenen Ausgaben“ in erheblichem Umfang geführt. Überdies hätten nach dem Insolvenzantrag noch Sitzverlegungen bei Tochtergesellschaften stattgefunden und sei es zu Verkäufen von Standorten an neugegründete Unternehmen gekommen, deren Geschäftsführer aus dem Kreis der Manager von Tochtergesellschaften der KTG Agrar SE stammten. „Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft“, stellt der Rechtsanwalt dazu fest. Der Wirtschaftsprüfer habe inzwischen das Testat für den Jahresabschluss 2015 zurückgezogen.

„Für den 06.10.2016 hat nun das Insolvenzgericht einen Berichtstermin anberaumt. Hier erhoffen wir uns weitere Informationen“, sagt Nieding. Er sieht „Hinweise darauf, dass bereits seit längerer Zeit bei KTG die Sachlage besser dargestellt wurde als sie tatsächlich war“. Seine Schlussfolgerung: „Wir können Anleihegläubigern nur dringend raten, ihre rechtlichen Möglichkeiten prüfen zu lassen.“ Möglicherweise hätten Anleihegläubiger der 7,250-Prozent-Anleihe KTG AGRAR SE 14/19 Schadenersatzansprüche aus Prospekthaftung gegen Prospektverantwortliche. Diese seien noch nicht verjährt. Ob Anleihegläubiger der 7,125-Prozent KTG AGRAR SE Anleihe 11(17) Ansprüche geltend machen können, hänge vom Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen ab.

KTG Agrar SE: ISIN DE000A0DN1J4 / WKN A0DN1J
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