29.07.10 Erneuerbare Energie

Auf der Überholspur – Studie zeigt Trends im weltweiten Windmarkt auf und prognostiziert Wachstumssprung

Welche Trends bestimmen den globalen Windmarkt, welche Verschiebungen gibt es bei den Windturbinenbauern und in einzelnen Märkten. Antworten auf diese und weitere Fragen gibt eine aktuelle Studie der dänischen BTM Consult. Deren alljährlicher Bericht gilt als umfassendste und tiefste Untersuchung der Entwicklungen im weltweiten Windmarkt. ECOreporter.de fast die wichtigsten Aussagen ihres Reports mit dem Titel ‘International Wind Energy Development – World Market Update 2009; Forecast 2010-2014’ zusammen.

Demnach wurden im vergangenen Jahr 38,1 Gigawatt (GW) an neuer Windkraftkapazität installiert. Die weltweite Gesamtleistung erreichte Ende 2009 160 GW und entsprach damit etwa der von 160 Kernkraftwerken. Der Zubau bedeutete eine Zuwachsrate von 35 Prozent, trotz der Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise wurde zum fünften Mal in Folge ein Installationsrekord erreicht. BTM Consult rechnet für die kommenden Jahre sogar mit einem gesteigerten Wachstumstempo. Die Unternehmensberatung prognostiziert, dass der jährliche Zubau bis 2014 auf 71 GW wachsen wird, bis 2019 sogar auf 126 GW. Die weltweite Gesamtleistung würde sich dann auf fast 1.000 GW summieren.

BTM Consult streicht heraus, dass die Windkraft vor zehn Jahren erst 0,25 Prozent des weltweiten Energieangebots erzeugte. In diesem Jahr werde dieser Anteil 1,8 Prozent erreichen, 4 Prozent in 2014 und über 8 Prozent in 2019. Das Finanzvolumen des globalen Windmarktes belaufe sich gegenwärtig auf rund 75 Milliarden US-Dollar und werde sich bis 2014 auf 124 Milliarden Dollar erhöhen.

Grundlage dieser Prognosen sind die Entwicklungen in den einzelnen Märkten, auf die in der aktuellen Studie detailliert eingegangen wird. So hat BTM Consult Asien als Motor der weltweiten Entwicklung ausgemacht. Zwar habe sich 2009 noch immer fast jede zweite Windkraftanlage in Europa gedreht. Doch der Zubau sei in Asien mit einem Anteil von 39 Prozent am stärksten gewesen. Bei den Neuinstallationen lag der amerikanische Windmarkt mit 30 Prozent noch vor Europa, das auf 28 Prozent kam.

Mit 13,75 MW wurde 2009 in China die meiste neue Windkraftkapazität installiert. Damit wurde die Vorjahresleistung verdoppelt und befindet sich das Milliardenvolk auf einem guten Weg, die anvisierte Marke von 100 GW in 2020 zu erreichen.  Einschränkend verweist BTM Consult zwar auf die Schwierigkeiten, die neue Windkraftkapazität auch ans Netz zu bringen. Etwa 30 Prozent der 2008 aufgestellten Windräder verfügten bis heute über keinen Netzanschluss. Doch an diesem Mangel werde mit großem Ehrgeiz gearbeitet. Mittlerweile spreche vieles dafür, dass China das von der Regierung ausgegebenen Ziel für den Ausbau der Windenergieleistung weit früher erreichen und schon bald die USA als Land mit der größten Windkraftkapazität insgesamt ablösen wird.

Der neue Report stellt fest, dass 2009 in den USA Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 9,92 GW neu errichtet wurden. Dieser Anstieg um 20 Prozent sei durch diverse staatliche Förderprogramme befördert worden. Dabei verteile sich dieses Wachstum nur auf einige der 51 Bundesstaaten. Allein auf Texas entfallen laut BTM Consult 9,41 GW an Windkraftleistung. Damit würde der Bundesstaat unter den Weltmärkten den fünften Rang einnehmen. Immerhin 13 US-Bundesstaaten verfügen mittlerweile über mehr als 1 GW an Windkraftleistung. Sie erreichen damit jeweils nur wenig mehr als die 0,9 Gw, die in Kanada 2009 neu aufgestellt wurden. Dort kletterte die Windkraftkapazität binnen eines Jahres um 80 Prozent. Weitere 4 GW sind bereits in Planung.

Trotz zum teil hochfliegender Pläne liegen andere amerikanische Staaten weit hinter denen im Norden. So wollte Brasilien bereits 2005 eine Windkraftleistung von 3,3 GW erreicht haben, kam aber bislang nur auf ein Drittel dieses Wertes. 2009 wurden rund 250 Megawatt (MW) neu installiert, in Mexiko 121 MW und in Chile 94 MW.

Auf dem indischen Subkontinent ist das Wachstumstempo der Windkraft im vergangenen Jahr sogar gesunken. Die neue Kapazität viel mit 1172 MW um 647 MW geringer aus als im Vorjahr. Insgesamt kam Indien bis Ende 2009 auf 10.827 MW bzw. 10,8 GW. Ein neues Einspeisevergütungssystem soll den Markt neu beleben und den jährlichen Zubau auf 3 bis 4 GW steigern helfen.

Die indische Gesamtleistung von rund 10,8 GW ist laut dem Report 2009 in Europa allein in 2009 neu aufgestellt worden. Damit fiel der europäische Zubau um 17 Prozent höher aus als 2008. Viele EU-Staaten zeigten laut BTM Consult eine starke Entwicklung. An der Spitze standen Spanien mit 2,33 GW neuer Kapazität und Deutschland mit 1,92 GW. Frankreich, Italien und Großbritannien bauten die Windkraftleistung um jeweils über 1 GW aus, Portugal mit 645 MW und Schweden mit 512 MW legten ebenfalls kräftig zu. Signifikant war das Wachstum auch in der Türkei mit 472 MW.

Was die Winderzeugung auf See – offshore - angeht, so erfolgte sie auch 2009 fast ausschließlich in europäischen Gewässern. Die Offshore-Windkraftleistung wuchs insgesamt in 2009 um 689 MW bzw. um rund 100 Prozent. Zwei Drittel entfielen davon auf Großbritannien und Dänemark, 63 MW wurden vor der chinesischen Küste errichtet. BTM Consult geht davon aus, dass der Offshore-Windmarkt in den kommenden Jahren spektakulär wachsen und schon 2014 über 15 GW erreichen wird.

Vor dem Hintergrund der Verbreiterung des weltweiten Windkraftwachstums verlieren auch die führenden Hersteller von Windkraftanlagen an Dominanz. Der Studie zufolge deckten die zehn weltweit führenden Anbieter 2006 noch 95 Prozent des Marktes ab und sank dieser Anteil bis 2009 auf 81 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür sei die Entwicklung in China. Mittlerweile sind drei Windturbinenbauer des Landes zu den Top 10 weltweit aufgestiegen. Doch sie erzielen ihre Umsätze fast ausschließlich im Heimatmarkt. Sinovel verkauft Windräder mit einer Gesamtleistung von 3,51 GW, erhöhte ihren weltweiten Marktanteil damit von 5,0 auf 9,2 Prozent und kletterte damit auf Rang 3 der größten Hersteller. Vor ihr rangieren nur noch die dänische Vestas und die US-amerikanische GE Wind mit jeweils rund 12,5 Prozent Marktanteil. Die chinesische Goldwind erreicht 2,73 GW und einen Marktanteil von 7,2 Prozent, Dongfang kam auf 2,5 GW und 6,5 Prozent.

Die weltweit am häufigsten verkauften Windräder haben eine Kapazität von 1,5 MW, stellt die Unternehmensberatung weiter fest. Vor allem in Europa und in den USA gebe es aber einen Trend zu größeren Anlagen; dort kommen demnach bereits acht von zehn Anlagen auf eine Leistung von über 1,5 GW. Den Durchschnittspreis für eine schlüsselfertige Windkraftanlage beziffert BTM Consult mit 1,5 Millionen Dollar. Bei Offshore-Anlagen betrage er vier Millionen Dollar. Für die kommenden Jahre sei mit einem leichten Preisrückgang zu rechnen.

Bildhinweis: US-Windpark mit Anlagen von GE Wind. / Quelle: Unternehmen
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