01.07.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Aufatmen über Gutachten zum PCB-Skandal der Envio AG verfrüht?

Die Bekanntgabe eines Teilergebnisses der Untersuchungen auf dem Betriebsgelände Dortmunder Recycling-Unternehmens Envio AG im Zuge des PCB-Skandals (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete) hat kurzfristig heftige Bewegung in den Aktienkurs der Envio AG gebracht: Kurz vor Ende des gestrigen Börsentages teilte die Envio AG mit, dass „für den Verkauf bestimmte Bleche der der Envio Recycling GmbH & Co. KG nicht mit PCB kontaminiert sind“. Auch weitere Proben aus einzelnen Hallen und Büros am Dortmunder Hafen wiesen demnach keine erhöhte Giftbelastung auf. Dies gehe aus dem von der Bezirksregierung Arnsberg angeordneten Gutachten hervor, hieß es. Die Aktie reagierte mit einem satten Kurssprung von 0,68 auf 0,95 Euro. Am Morgen stieg der Kurs um weitere 10,53 Prozent auf 1,05 Euro. Seit April hat die Envio-Aktie mehr als 86 Prozent an Wert verloren.


„Das Untersuchungsergebnis bestätigt, dass von systematischen PCB-Verunreinigungen bei Envio nicht die Rede sein kann“, erklärte Envio-Geschäftsführer Dr. Dirk Neupert. „Die rufschädigenden Spekulationen", als PCB-frei deklarierte Ware sei in Wirklichkeit kontaminiert gewesen, entbehren somit jeder Grundlage, hatte er gefolgert. Die Reaktion der Bezirksregierung auf die Mitteilung aus der Envio-Chefetage dürfte die zwischenzeitliche Erholung der Envio-Aktie wohl bremsen: Gegenüber dem Lokalmedium 'Der Westen' stellte ein Sprecher der Bezirksregierung klar, dass ein einzelnes Blech zwar nicht mit PCB belastet gewesen sei, die Halle in der das Blech lagerte, jedoch sehr wohl. Der Verdacht, als PCB-frei deklarierte Ware könne belastet gewesen und von Envio ausgeliefert worden sein, sei durch ein sauberes Blech nicht aus der Welt. Neupert habe aus dem Teilergebnis einen „völlig falschen Schluss“ gezogen, so die Bezirksregierung weiter. In der Halle, in der besagtes Blech gelagert worden sei, sei der PCB-Grenzwert um das 154-fache überschritten gewesen.


In ihrer Mitteilung hatte die Envio AG selbst eingeräumt, dass in drei Hallen und Teilen einer vierten erhöhte Werte in Staubproben festgestellt“ worden seien. Der höchste Wert sei allerdings in einer Halle gefunden worden, die seit langem an ein von Envio unabhängiges Unternehmen vermietet sei, so Envio weiter.


Der Vorwurf, die Envio AG habe vorsätzlich als giftfrei deklariertes Material weltweit verkauft, ist nur ein Teilaspekt des gesamten Skandals. Hinzu kamen die stark belasteten Blutuntersuchungsergebnisse zahlreicher Mitarbeiter und der Vorwurf eines ehemaligen Betriebsangehörigen, wonach das Transformatoren-Entsorgungsverfahren der Envio AG ein Schwindel gewesen sein soll. Im Opens external link in new windowECOreporter.de-Interview hatte sich der Konzernvorstand rechtliche Schritte gegen diese Behauptung vorbehalten.

Envio AG:  ISIN: DE000A0N4P19 / WKN A0N4P1

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x