Kohlebagger im Tagebau. / Quelle: Fotolia

  Erneuerbare Energie, Fonds / ETF

Ausstieg von AXA und norwegischem Staatsfonds aus Kohle-Investitionen

Die Energieproduktion aus der Verbrennung von Kohle ist einer der größten Klimakiller. Daher sind Kohleinvestments für viele nachhaltige Investoren und Fonds tabu – doch längst nicht für alle. Dabei bewirkt bereits der Abbau von Kohle verheerende Umweltschäden, wie man in Deutschland etwa in der Lausitz und im Rheinland besichtigen kann, wo weiträumige Regionen in Mondlandschaften verwandelt wurden, um Kohle zu fördern. Mit zwei Grundsatzentscheidungen gegen die Kohlebranche haben zwei Großinvestoren jetzt den Druck nicht nur auf nachhaltige Investoren deutlich erhöht, finanzielle Verbindungen zu Firmen zu kappen, die ihr Geld mit Kohle verdienen.

Henri de Castries ist Chef des französischen Versicherungsgiganten AXA. Auf einer Konferenz zum Thema Klima und Wirtschaft in Paris hat er jetzt angekündigt, dass AXA seine Beteiligungen an Kohleunternehmen mit einem Volumen von 500 Millionen Euro verkaufen wird. Stattdessen werde sein Konzern massiv in regenerative Energie investieren. Bis zu drei Milliarden bis 2020 stellte de Castries dafür in Aussicht. "Wenn wir denken, wir könnten in einer Welt leben, in der die Erdtemperatur um mehr als zwei Grad gestiegen ist, dann halten wir uns selbst zum Narren", erklärte der Konzernchef, um die Dringlichkeit einer weltweiten Energiewende zu betonen.

Parlamentarier einig über neue Richtlinie für norwegischen Staatsfonds

Konsequenzen daraus, dass es ohne einschneidende Maßnahmen kaum rechtzeitig gelingen wird, den Anstieg der Treibhausgasemissionenfrüh genug zu bremsen, damit die globale Durchschnittstemperatur nicht die Marke von 2 Grad übersteigt, zieht jetzt auch der norwegische Staatsfonds. Jenseits dieser Marke erwarten Klimaforscher gravierende Folgen für Mensch und Natur. Der ‚Norwegian Government Pension Fund Global‘ ist nicht nur der weltweit größte Staatsfonds; er ist auch einer der zehn größten Investoren in der globalen Kohleindustrie. Nun hat der Finanzausschuss des norwegischen Parlaments eine einstimmige Empfehlung an den Staatsfonds des Landes abgegeben, im großen Stil seine Anteile aus der Kohleindustrie zu veräußern. Es gilt als sicher, dass das Parlament nun dem Plan zustimmen wird, dass der Staatsfonds künftig Unternehmen vom Investment auszuschließt, die mehr als 30 Prozent ihrer Einkünfte oder ihrer Stromproduktion mit Kohle generieren.

Der Staatsfonds besitzt derzeit unter anderem Anlagen in Unternehmen wie RWE aus Deutschland, Shenhua aus China, Duke Energy aus den Vereinigten Staaten, AGL Energy aus Australien und Reliance Power aus Indien, dem neben China größten Kohleverbraucher der Welt. Die Umsetzung der neuen Kriterien soll ab Januar 2016 zu beginnen. „Wir gehen davon aus, dass der Kohleindustrie Milliarden-Euro-Beträge entzogen werden“, erläuterte Truls Gulowsen von Greenpeace. Der sozialdemokratische Abgeordnete Torstein Tvedt Solberg, der dazu beigetragen hat, dass das Abkommen zu Stande kommt, sagte: „Ich freue mich, dass alle Parteien vereinbart haben, den Pensionsfonds aus dem Bereich Kohle zurückzuziehen. Dies ist ein großer Sieg für unser Klima.“ Heffa Schücking von der deutschen Nicht-Regierungsorganisation (NGO) urgewald stellte fest: „Durch diese Entscheidung wird Norwegen zu einem Anführer in Sachen Divestment.“
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