18.07.05 Anleihen / AIF

Bank Sarasin erwartet "Dynamisierung im Pfandbriefmarkt" - Studie zur Nachhaltigkeit der Emittenten

Die Schweizer Privatbank Bank Sarasin, Basel, sieht Nachhaltige Pfandbriefe als attraktive Geldanlage. In einer neuen Studie kommt das börsennotierte Bankhaus zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Pfandbriefe für nachhaltige Portfolios geeignet ist. Am 19. Juli trete in Deutschland das neue Pfandbriefgesetz in Kraft, so Sarasin. Gleichzeitig liefen die Staatsgarantien für die deutschen Landesbanken aus. Künftig stehe die Emission von Pfandbriefen prinzipiell allen Kreditinstituten offen. Mit dem zu erwartenden intensiveren Wettbewerb steige die Bedeutung dieser festverzinslichen Wertpapiere. Auch für Anleger, die soziale und ökologische Aspekte bei ihren Investments berücksichtigten, werde diese traditionsreiche Anlagekategorie zunehmend attraktiver. Mit rund 1000 Milliarden Euro bilden Pfandbriefe laut der Bank neben Staatsanleihen das größte Segment im deutschen Anleihenmarkt. Im Europäischen Pfandbriefmarkt hätten deutsche Emittenten einen Anteil von 62 Prozent.

Mit dem am 19. Juli in Kraft tretenden Gesetz werde es zu einer Dynamisierung im Pfandbriefmarkt kommen, prognostizieren die Schweizer Banker. Deutsche Emittenten müssten ab diesem Zeitpunkt, weitreichende Informationen über die Zusammensetzung des Deckungsstocks veröffentlichen. Die höhere Transparenz komme auch Anlegern zugute, die auf die nachhaltigen, also sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Investments achteten.

29 Banken aus neun europäischen Ländern und deren Pfandbriefe hat die Bank Sarasin eigenen Angaben zufolge in ihrer aktuellen Studie "Nachhaltigkeit von Pfandbriefen" auf die Einhaltung nachhaltiger Kriterien untersucht. Geprüft wurden sowohl öffentliche Pfandbriefe, die der Refinanzierung von Staatskrediten dienen, als auch Hypothekenpfandbriefe, die zur Refinanzierung von Baukrediten eingesetzt werden.
Nur wenige der 29 untersuchten Institute hätten sich ausdrücklich zu Nachhaltigkeit bekannt und verfügen beispielsweise über ein ausgereiftes Umweltmanagement, berichtete die Bank. Eine Ausnahme bilde beispielsweise die Kommunalkredit Austria. überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsstrategien wiesen zudem die britische Bank HBOS, die spanische Sparkasse la Caixa und die Landesbank Baden-Württemberg auf. Angesichts massiver Restrukturierungen und Konsolidierung bei den deutschen Landes- und Hypothekenbanken hätten bei der Emittentenbewertung auch Arbeitsplatzsicherheit und sozialverträglicher Personalabbau eine große Rolle als Nachhaltigkeitsfaktoren gespielt.

"Pfandbriefe weisen einige Besonderheiten auf, die bei der Nachhaltigkeitsbewertung berücksichtigt werden müssen", erklärt Klaus Kämpf, Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin und Autor der Studie. "Eine ausschließliche Bewertung der Emittenten würde zu kurz greifen, da sich ökologische und soziale Aspekte hauptsächlich aus den Krediten ableiten, die mit den enormen Volumina der Pfandbriefe finanziert werden." Um die Finanzierungszwecke der Pfandbriefe besser beurteilen zu können, so Sarasin, habe man die bisherige Bewertungsmethode erweitert: Bei der Gesamtbewertung seien neben der Analyse der Banken auch die emittierten Pfandbriefe analysiert worden. Sofern Emittenten hauptsächlich Vehikel zur Refinanzierung der Muttergesellschaften seien, setze das Rating des Emittenten in der Studie zudem bei der Nachhaltigkeitsbewertung der Muttergesellschaften an.

Wie Sarasin weiter berichtete, wird in der Studie auch die Nachhaltigkeit der Staaten berücksichtigt, in die die Erlöse der öffentlichen Pfandbriefe fließen. Auf Basis der Sarasin-Länderbewertung gelten Investitionen in Länder als sinnvoll, die vergleichsweise sozialverträglich und umweltfreundlich handeln. Zu den nachhaltigen Kriterien zählten unter anderem die Nutzung innovativer und ökologisch verträglicher Technologien, die soziale Stabilität oder ein effektives Bildungs- und Gesundheitssystem.
Auch die Nachhaltigkeit der Immobilienfinanzierung durch Hypothekenpfandbriefe wurde der Bank zufolge berücksichtigt. Dazu gehörten die Förderung energiesparender Bauweisen und des Zugangs zu preiswertem Wohnraum.

Im Ergebnis der Studie stufte die Bank Sarasin zwölf der betrachteten Emittenten öffentlicher Pfandbriefe als investierbar für ihre nachhaltigen Portfolios ein. Besonders gut hätten bei der Staatsfinanzierung deutsche Kreditinstitute abgeschnitten, unter ihnen die Münchener Hypothekenbank, die Landesbank Baden-Württemberg und die Württemberger Hypothekenbank. Bei sechs Emittenten sei dagegen der Anteil von nicht investierbaren Ländern im Deckungsstock von so hoch gewesen, dass Investoren, die bei der Auswahl auf Aspekte der Nachhaltigkeit achteten, in diese Pfandbriefe nicht investieren sollten.

Laut Sarasin gehört dazu beispielsweise die Depfa. Die Bank schließe drei Emittenten aufgrund einer unzulänglichen Sozial- und Umweltperformance sogar ganz aus ihrem Anlageuniversum aus. Bei den 21 untersuchten Hypothekenpfandbriefemittenten stufte die Bank Sarasin 17 als nachhaltig ein. überdurchschnittliche Bewertungen erhielten hierbei Northern Rock und HBOS. Durchschnittlich bewertet wurden zum Beispiel die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank, die Landesbank Hessen-Thüringen (He-laba) und die spanische Bank BBVA.

"Soziales Ungleichgewicht kann, wie das Beispiel Argentinien zeigt, auf Dauer zu gravierenden Wirtschaftsproblemen führen. Eine massive Umweltverschmutzung stellt langfristig ein Entwicklungshemmnis dar. Dennoch fließen derartige Kriterien in die Bonitätsbewertungen der Ratingagenturen bislang nur unzureichend ein", so Kämpf. Eine stärkere Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Kriterien beim Erwerb von Pfandbriefen helfe, Risiken zu minimieren und sei daher für Anleger auch ökonomisch sinnvoll.

Die Studie "Nachhaltigkeit von Pfandbriefen" ist erhältlich bei:
Bank Sarasin & Cie AG, Gabriela Pace, Elisabethenstr. 62, CH-4002 Basel, E-Mail: gabriela.pace@sarasin.ch

Bild: Sitz der Bank Sarasin in Basel / Quelle: Unternehmen
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