12.10.07

Bei der Mainzer Dom-Anleihe setzen Anleger auf ein Wettrennen zwischen Indices

Anleger können jetzt in ein Kulturgut mit langer Tradition investieren: den Dom zu Mainz, die älteste romanische Domkirche am Rhein. Bis zum 30. Oktober 2007 kann die Mainzer Dom-Anleihe gezeichnet werden, zu 1.000 Euro je Stück plus Agio. Die LRP Landesbank Rheinland-Pfalz und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geben das Wertpapier heraus, bei dem es sich genau genommen nicht um eine Anleihe, also eine Schuldverschreibung handelt, sondern um ein Zertifikat. Vertriebspartner sind Deutsche Bank, Dresdner Bank, DZ Bank, Mainzer Volksbank, die Sparkasse Mainz und weitere Sparkassen, ferner Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Region des Bistums Mainz.

Das Agio in Höhe von 1 Prozent soll laut den Emittenten dem Erhalt des Mainzer Dom zufließen. Wie Detlev Klug, bei der LRP Ansprechpartner für das Projekt, gegenüber ECOreporter.de erläuterte, gehen die Mittel in voller Höhe an die 2004 ins Leben gerufene „Stiftung Hoher Dom zu Mainz“. Diese dient laut eigener Darstellung der Erhaltung und Ausstattung sowie der wissenschaftlichen Betreuung des 1000-jährigen Bauwerkes. Vorsitzende des Stiftungsrates sind Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Friedhelm Plogmann, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Rheinland-Pfalz LRP.

Der Dom war über acht Jahrhunderte hinweg die geistige und politische Mitte des größten Erzbistums des Abendlandes und des Kurstaates Mainz. Nun werden laut der Stiftung in nächsten 10 bis 15 Jahren rund. 25 Millionen Euro für Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen benötigt, um den Dom zu erhalten. Nach Angaben von Detlev Klug ist bereits Stiftungskapital vorhanden, über die Anleihe will man es nun deutlich aufstocken. Ob die beteiligten Bank sich selbst direkt an dem Erhalt des Bauwerks finanziell beteiligen, konnte er nicht sagen. Bei der Zeichnung fallen ihm zufolge neben dem Agio die individuellen Gebühren der vermittelnden Benken an.

Die Mainzer Dom-Anleihe ist eine Art Wette. Gewettet wird von den Zeichnern des Wertpapiers darauf, dass der Dividendenindex DivDAX in den kommenden fünf Jahren schneller steigt, als der DAX. Der Dividendenindex DivDax ist ein Aktienindex, der die 15
Titel des DAX mit der höchsten Dividendenrendite enthält. Aktuell sind dies folgende Unternehmen:
Allianz SE
BASF AG
Commerzbank AG
Continental AG
DaimlerChrysler AG
Deutsche Bank AG
Deutsche Börse AG
Deutsche Lufthansa AG
Deutsche Post AG
Deutsche Telekom AG
E.ON AG
Hypo Real Estate Holding AG
Münchener Rück AG
RWE AG St
ThyssenKrupp AG

Wenn der DivDax am Berechnungstag nach einem Jahr Laufzeit die Performance des DAX übertrifft oder sich genauso entwickelt hat, erhält der Anleger seine Einlage zurück und zusätzlich eine Bonuszahlung von 10 Prozent. Schlägt der DAX den Dividendenindex, läuft die Wette weiter und steigt der mögliche Gewinn des Anlegers. Denn schneidet der DAX am zweiten Berechnungstag, im November 2009, schlechter als der DivDax ab, erhält der Anleger neben seiner Einlage zusätzlich eine Bonuszahlung von 20 Prozent. Insgesamt kann diese Wette über fünf Jahre laufen, und mit jeder neuen Runde steigt die Summe der Bonuszahlung. Endfälligkeitstag ist der 26.11.20012. Sollte erst dann der DAX es nicht schaffen, den Dividendenindex zu übertreffen, beträgt die Bonuszahlung 50 Prozent. Allerdings: sollte der DAX immer den DivDax schlagen, gibt es für den Anleger keinen Gewinn. Immerhin gibt es eine Kapitalgarantie, der Anleger bekommt den Nennwert seiner Einzahlung zurück und erleidet als Verlust lediglich – neben den Bankgebühren – das Agio, das in den Domerhalt fließt. Nur wer das Wertpapier während der Laufzeit über die Börse verkaufen will oder muss, trägt ein Verlustrisiko. Nämlich dann, wenn der Kurs des Wertpapiers unter den Ausgabepreis fällt.

Aus Nachhaltigkeitssicht hat die Mainzer Dom-Anleihe jedoch ein Manko: die Auswahl der Titel. E.ON und RWE werden zwar häufig als die Nachhaltigkeitsbesten ihrer Branche angesehen, betreiben aber viele der Kohlekraftwerke in Europa mit dem größten CO2-Ausstoß. Autokonzerne wie BMW und DaimlerChrysler sind aus Klimaschutzgründen ebenso problematisch wie die Deutsche Lufthansa AG. Doch dies mag manchem aufgewogen werden durch die Sicherheit des Angebots und den kichlich-kulturellen Nutzen, den es bringen soll.

Mainzer Dom-Anleihe
Emittentin: Landesbank Baden-Württemberg
ISIN: DE000LBW3QT6
Zeichnungsphase: 10.10. bis 30.10.2007 (15 Uhr)
Begebungstag/1. Valuta: 31.10.2007 / 2.11.2007
Laufzeit: max. 5 Jahre 26 Tage
Endfälligkeitstag: 26.11.2012
Bonus: 10,00 % je Periode
Emissionskurs: 101,00 % (inkl. 1,00 % Agio**)
Nennbetrag: EUR 1.000,00 pro Anleihe
zzgl. EUR 10,00 Agio**

Bildhinweis: Kohlekraftwerk der RWE AG in Grevenbroich. / Quelle: NEG Micon
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