21.07.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Bei Knock-Out Optionsscheinen können Anleger den Risikograd selbst bestimmen.“ - ECOreporter.de-Interview mit Nicolai Tietze, Deutsche Bank

Für welche Anleger sind Knock-Out-Optionsscheine auf Umweltaktien geeignet? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Worauf muss man als Anleger besonders Acht geben? Antworten auf diese und weitere Fragen gab im ECOreporter.de-Interview Nicolai Tietze von der Deutsche Bank AG:

ECOreporter.de: Herr Tietze, auf verschiedene Umweltaktien sind in den letzten Jahren Knock-Out-Optionsscheine mit unbegrenzter Laufzeit aufgelegt worden. Was macht die Aktien für Emittenten dieser Papiere interessant?
Nicolai Tietze: In den letzten Jahren konnte ein starkes Wachstum der Unternehmen beobachtet werden, die in der Umweltbranche tätig sind. Das hat natürlich auch das Interesse an Basiswerten von Umweltaktien positiv beeinflusst. Betrachtet man beispielsweise den TecDAX, kann man feststellen, dass mittlerweile ungefähr ein Drittel des Index aus Umweltaktien besteht. Folgerichtig befriedigen wir nicht nur die Bedürfnisse nach Anlageprodukten auf Umweltaktien, sondern auch nach Hebelprodukten, wie die Knock-Out - Optionsscheine.

ECOreporter.de: Welche Funktion haben Knock-Out-Optionsscheine? Dienen sie der Absicherung wie klassische Optionen?
Nicolai Tietze: Knock-Out-Optionsscheine heißen bei der Deutschen Bank Wave XXLer. WAVE XXLer werden ohne Laufzeitbegrenzung emittiert und weisen kein Aufgeld auf. Steigt oder fällt der Basiswert, werden WAVEs XXL die Bewegung 1 zu 1 nachvollziehen; jeweils bereinigt um ihr Bezugsverhältnis sowie möglicherweise um den Wechselkurs. Daher kann der Kauf eines WAVEs XXL mit einer Investition in eine Aktie verglichen werden. Die Investition ist hier teilweise kreditfinanziert und deren Risiko durch einen Stop Loss-Mechanismus gemindert ist.

Genau wie normale Optionsscheine haben auch die Wave XXLer einen Hebel, der aus dem geringeren Kapitaleinsatz gegenüber der Anlage in ein Direktinvestment resultiert. Wave XXLer werden als Calls, also als Kaufoption, und als Puts, also als Verkaufsoption, angeboten. Daher kann man nicht nur auf steigende Preise bei Aktien, Indizes und Währungen setzen, sondern mit Puts auch auf fallende Preise und somit ein Depot je nach Ausgestaltung auch diversifizieren. Gegenüber der klassischen Option gibt es dabei mehrere Vorteile. Zum einen die endlose Laufzeit, sie erspart dem Anleger ein kostspieliges „Rollen“, also Übertragen in den nächsten Verfalltermin. Zum anderen die einfache Preisberechnung, da der Anleger nicht wie bei klassischen Optionen von Preisschwankungen abhängig ist.

ECOreporter.de: Welche Faktoren sind maßgeblich bestimmend für den Kurs eines Knock-Out-Optionsscheins?
Nicolai Tietze: Der entscheidende Faktor ist die Einfachheit bei der Berechnung des Preises. Sofern die Stop-Loss Marke nicht berührt wurde, entspricht der Preis jederzeit der Differenz zwischen dem Basispreis und dem Referenzkurs - bereinigt um das Bezugsverhältnis. Der Gewinn oder Verlust des Knock-Outs hängt daher nur vom Referenzkurs des Basiswerts ab.

Am einfachsten ist dies anhand eines Beispiels zu erklären:
Nehmen wir einmal an, dass die SolarWorld-Aktie bei 27 Euro steht. Ein Anleger kauft daraufhin einen Solarworld Wave XXL mit einem Basispreis von 20 Euro und einem Stopp-Loss von 23 Euro. Der Knock out-Optionsschein kostet somit 7 Euro (27 Euro -20 Euro). Angenommen die Solarworldaktie steigt nun um 10 Prozent auf 29,70 Euro, dann liegt der Wert des Wave XXL bei 9,70 Euro (29,70 Euro -20,00 Euro). Somit würde der Anleger einen Gewinn von 38,5 Prozent erzielen und somit überdurchschnittlich am steigenden Aktienkurs partizipieren. Natürlich würde der Anleger auch gehebelt an entsprechenden Verlusten der Aktie partizipieren, gepuffert durch den Stopp-Loss-Mechanismus.

Allerdings war dies jetzt ein vereinfachtes Beispiel, denn Die Deutsche Bank  bietet Ihnen mit dem WAVE XXL Call den Vorteil, die Bewegungen des jeweiligen Basiswertes 1 zu 1 nachzuvollziehen, ohne voll in dem Basiswert investiert sein zu müssen – dadurch entstehen dem Emittenten Finanzierungskosten. Diese werden bei WAVE XXLern in Rechnung gestellt, indem der Basispreis täglich um die Finanzierungskosten erhöht wird.

ECOreporter.de: Sind Knock-Out-Optionsscheine in bestimmten Börsenphasen besonders attraktiv? Wie würden Sie die charakterisieren?
Nicolai Tietze: Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da die Knock-Out-Optionsscheine von unterschiedlichen Anlegern gekauft werden. Für die kurzfristigen „Zocker“ sind Knock-Out Zertifikate vor allem in sehr schwankungsanfälligen (volatilen) Märkten attraktiv, da in dieser Marktphase die klassischen Optionsscheine aufgrund der hohen Volatilität recht teuer sind.
Für langfristige Anleger können Knock-Out Optionsscheine  besonders interessant sein, wenn sich die Basiswerte nur in eine Richtung, also zyklisch, bewegen. Hier kann der Anleger dann gerade aufgrund der Endloslaufzeit langfristig an einem möglichen Trend partizipieren.

ECOreporter.de: Unter welchen Umständen wird ein Wave XXL ausgeknockt? Und was passiert dann?
Nicolai Tietze: Wird während der Handelszeit des Basiswertes an der festgelegten Börse bzw. Referenzstelle der Stop Loss-Level nur einmal berührt, so werden WAVEs XXL sofort fällig. In diesem Fall erhält der Anleger einen Barausgleichsbetrag ausgezahlt, welcher sich auf Basis des Erlöses aus der Auflösung der hinter dem Produkt stehenden Absicherungsposition errechnet.

ECOreporter.de: Welche Bedeutung hat die sogenannte Stopp-Loss oder Knock-Out-Schwelle und ihr Verhältnis (Abstand) zum Basispreis des Zertifikates?
Nicolai Tietze: Grundsätzlich lässt sich sagen, je höher die Volatilität des Basiswerts, desto höher die prozentuale Differenz zwischen Basispreis und Stop-Loss Marke. In der Regel liegt letztere Barriere zwischen 2 Prozent und 20 Prozent über dem Basispreis. Der Anleger sollte bei der Wahl des Basispreises und der dazugehörigen Stopp-Loss Schwelle auch auf sein Risikoprofil achten. Denn es nützt nichts, wenn er zwar die Richtung der Aktie langfristig richtig einschätzt, aber durch kurzfristige Schwankungen in dem Schein ausgeknockt wird, weil er den Basispreis und den Stopp Loss zu dicht am aktuellen Kurs gewählt hat.

ECOreporter.de: Welchen Anteil seines Vermögens sollte ein privater Anleger maximal in Knock-Out-Optionsscheine investieren?
Nicolai Tietze: Darauf lässt sich keine abschließende Antwort geben. Sicher sollte ein Anleger nicht seinen gesamten Vermögensbestand in Knock-Out Optionsscheine investieren. Die Größe der Anlagesumme in diesen Papieren hängt von den Präferenzen des Anlegers ab. Dieser kann den Risikograd über den Hebel und die eigenen Markterwartungen selber bestimmen. Allerdings möchte ich gerade Anfängern auf diesem Gebiet noch einen Rat geben: Halten Sie ihre Gier im Zaun, denn der größte Hebel nützt nichts, wenn Sie am nächsten Tag nur noch einen Restwert im Depot haben.

ECOreporter.de: Herr Tietze, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Am 17.7. veröffentlichten wir ein Interview über Knock-Out-Produkte mit Ralph W. Stemper, bei der Commerzbank Experte für Derivate. Per Mausklick gelangen Sie zu dem Beitrag.


Bildhinweise:
Nicolai Tietze / Quelle: Deutsche Bank AG;
Nassbank der Q-Cells AG, auf deren Aktie es ebenfalls eine Fülle von Optionsscheinen gibt. / Quelle: Unternehmen

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