Aktientipps, Erneuerbare Energie

Bekommt der französische Photovoltik-Markt kurzfristig einen Deckel?

Wie nach übereinstimmenden Medienberichten durchsickerte, hat sich das Kabinett in Paris offenbar über die Neuregelung der Solarstromförderung in Frankreich verständigt. Demnach soll der Einspeisetarif für Sonnenstrom aus Photovoltaik-Kraftwerken mit Leistungskapazitäten von mehr als 3 Kilowatt peak kWp um 20 Prozent gesenkt werden. Damit würde der Strom aus größeren neu installierten Photovoltaikanlagen auf französischem Boden noch mit zwischen 22 und 41 Eurocent je Kilowattstunde vergütet.


Weitere Einschnitte in das Tarifsystem will die französische Regierung - ähnlich wie jüngst auch in Deutschland beschlossen - von der Marktentwicklung abhängig gestalten. Im Unterschied zur deutschen Neuregelung ist für Frankreich jedoch eine automatische Anpassung in jedem Quartal vorgesehen. Voraussetzung für die Umsetzung neuer Photovoltaikprojekte sollen unter anderem Bankbürgschaften werden. Geplant ist ferner, bei den Genehmigungsverfahren künftig mehr auf Umweltaspekte zu achten. Auch das von Industrieminister Eric Besson Ende Januar angekündigte Tenderverfahren bei Ausschreibungen für Großprojekten (ECOreporeter.de Opens external link in new windowberichtete) soll Bestandteil der Neuregelung sein.


Offiziell läuft noch bis zum 8. März ein drei monatiges Moratorium zur Novellierung der Solarförderung. Der Premierminister Francois Fillon  sei der Meinung, Frankreich habe die selbstgesteckten Ausbauziele bis 2012 bereits übererfüllt, hieß es nun aus dessen Büro. Fillon gehe davon aus, dass sich der Photovoltaikzubau 2011 und 2012 jeweils zwischen 1000 und 1500 MW jährlich bewegen werde. Ende 2009 waren insgesamt erst Photovoltaikanlagen mit 200 MW Leistung in Frankreich installiert gewesen. Auch dank der attraktiven Einspeisevergütung setzte im Folgejahr ein Boom ein, der Frankreich nach offiziellen Schätzungen Neuinstallationen mit 660 MW bis zum Jahresende 2010 bescherte. Für das laufende Jahr hatte die französische Regulierungsbehörde bislang einen Anstieg um weitere 1290 MW auf 2150 MW prognostiziert.


Als das Moratorium Anfang Dezember 2010 startete und mit ihm alle ausstehenden Genehmigungen auf Eis gelegt wurden, ging die französische Regierung von Photovoltaik-Vorhaben mit einer Gesamtleistung von 3400 MW in verschiedenen Projektphasen aus. Ihre Planungen sahen vor, dass in den 18 Monaten seit Beginn des Moratoriums Sonnenstromanlagen mit mindestens 2000 MW ans Stromnetz des Landes gebracht werden. Sollte sich abzeichnen, dass deutlich weniger Anlagen errichtet werden, gibt es die Option, den Deckel auf 800 MW jährlich anzuheben.


Aus Analystensicht fallen die Kürzungspläne für die Solarstromförderung in Frankreich moderater aus, als erwartet. Ben Lynch, Experte der Commerzbank, hat nach eigener Darstellung mit stärkeren Einschnitten gerechnet. Verglichen mit den in Deutschland ab Sommer 2011 gültigen Einspeisetarifen zwischen 21 und 28 Eurocent je Kilowattstunde bleibe der französische Markt mit diesem Einschnitt-Szenario attraktiv. Deshalb werde der Zubau mit der Kürzung zunächst nicht nennenswert gebremst werden, glaubt er. Negative Auswirkungen erwartet der Analyst für Hersteller Solarmodule von Solarmodulen und Projektentwicklern, die wie etwa Phoenix Solar im französischen Markt aktiv sind. Allerdings kämen die Einschnitte für die Marktteilnehmer nicht überraschend.


Lynch bekräftigt denn auch seine Kaufempfehlung für die Aktie von Phoenix Solar und nennt als Kursziel 38 Euro.  Heute um 13.25 notierte die Aktie des Photovoltaiksysteme-Anbieters bei 24,10 Euro. Erstmals seit einer Woche hat das Beteiligungspapier der Phoenix Solar AG damit wieder gewonnen. Nach knapp 10 Prozent Verlust innerhalb der vergangenen sieben Tage kletterte sie erstmals wieder um 2,58 Prozent oder 60 Eurocent. Auf Jahressicht hat die Aktie allerdings 17,75 Prozent an Wert verloren.

Bildnachweis: Installation einer Photovoltaik-Anlage der Phoenix Solar AG. / Quelle: Unternehmen

Der Experte der Commerzbank geht davon aus, dass in Frankreich bis zum Jahresende 2010 neue Anlagen mit einer Leistungskapazität von 1.000 MW installiert wurden. Das offizielle französische Ausbauziel bis zum Jahr 2020 liegt bei 5400 MW. Um die Ausbauziele  zu erfüllen, braucht es Lynch zufolge jährlich Neuinstallationen von 440 MW.

Phoenix Solar AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9

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