Trotz des beachtlichen Fortschritts gibt es laut Weltenergierat noch weltweit zu wenig saubere Energien, um die Emissionsziele zu erreichen. / Foto: 4941/Pixabay/CC0-Lizenz

  Erneuerbare Energie

Bericht des Weltenergierates: Wachstum erneuerbarer Energien verändert Energieversorgung massiv

Die Energielandschaft hat sich weltweit stark verändert: Die meisten Länder konnten ihren Energiemix diversifizieren. Kommunale Eigentümergemeinschaften haben zugenommen. Sogenannte Mikrogrids, also kleine und zumeist örtlich begrenzte Elektrizitätsnetze, haben sich etabliert. Das zeigt ein neuer Bericht des Weltenergierates ("World Energy Council"), der auf dem 23. World Energy Congress in Istanbul vorgestellt wurde. Das unerwartet hohe Wachstum im Erneuerbare-Energien-Markt hinsichtlich Investitionen, neuer Kapazitäten und hoher Wachstumsraten in Entwicklungsländern sei maßgeblich für diese bemerkenswerte Veränderung, hieß es im Bericht. Eine Folge waren sinkende Preise und die zunehmende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen.


In einem Jahrzehnt hat sich die Kapazität der Erneuerbaren weltweit verdoppelt

Die gesamte globale Stromkapazität aus erneuerbaren Energien hat sich laut Bericht in den vergangenen zehn Jahren von 1.037 Gigawatt im Jahr 2006 auf 1.985 Gigawatt Ende 2015 verdoppelt. Insbesondere Wind- und Solarstrom haben zu diesen Rekordzahlen beigetragen.

Wasserkraft  war mit 71 Prozent im Jahr 2015 der Tabellenführer der globalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die globale Energieleistung Wasserkraft wuchs seit 2006 um 35 Prozent, von 893 Gigawatt auf 1.209 Gigawatt im Jahr 2015, wovon 154 Gigawatt auf Pumpspeicher zurückzuführen sind.

- Strom aus  Windkraft  betrug 15 Prozent an der weltweiten Stromerzeugung. Die Windenergieleistung stieg global von 74 Gigawatt im Jahr 2006 auf 432 Gigawatt im Jahr 2015 (420 Gigawatt Onshore und 12 Gigawatt Offshore).

Solarenergie  kletterte innerhalb des gleichen Zeitraums von 6 Gigawatt auf 227 Gigawatt. Solarstrom macht einen Anteil von 5 Prozent des weltweit erzeugten Stroms aus.

- 9 Prozent des erzeugten Stroms stammten aus  BiomasseErdwärme  und anderen erneuerbaren Ressourcen.

- Die  gesamte Stromerzeugung  aus erneuerbaren Energien lag bei 5.559 Terrawattstunden (TWh) im Jahr 2015, das sind 23 Prozent der weltweiten Stromerzeugung (24.098 TWh).

- Stand Dezember 2015 waren 65  Kernreaktoren  mit einer Gesamtleistung von 64 Gigawatt im Bau. Zwei Drittel (40) der Reaktoren befinden sich in vier Ländern: China, Indien, Russland und Korea. Aktuell sind mehr als 45 modulare Reaktormodelle in der Entwicklung und vier weitere im Bau.

- Die globale  Uran-Produktion  stieg zwischen 2004 und 2013 um 40 Prozent. Grund dafür ist die zunehmende Produktion des weltweit führenden Produzenten Kasachstan.

"Wir haben im vergangenen Jahrzehnt einen drastischen Anstieg an unkonventionellen Ressourcen sowie an technologischem Fortschritt erlebt", sagte Christoph Frei, Generalsekretär des Weltenergierates. Zwar werde Öl weiterhin für den Transport erforderlich sein und 60 Prozent der Energienachfrage abdecken, doch die allgemeine Nachfrage nach Öl werde abflachen. "Das goldene Zeitalter von Gas wird andauern und bis 2060 ist ein Produktionszuwachs zwischen 25 Prozent und 70 Prozent zu erwarten", so Frei.

Erneuerbare Energien, wie Solar-, Wind- und Wasserkraft, machen aktuell um die 30 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität und 23 Prozent der gesamten Stromerzeugung weltweit aus: "Und sie werden weiter wachsen. Dennoch sind weitere Anstrengungen nötig, um Maßnahmen in Bezug auf Energieeffizienz, Energiespeicherung und Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (CCS) zu verstärken," sagte der Generalsekretär.

Aufgrund des stagnierenden Wachstumspotenzials im Ölsektor und des aller Voraussicht nach eintretenden Abstiegs der Kohle in die Bedeutungslosigkeit bis 2060 werde sich die Diskussion verändern: Weg von verlorenen Investitionen (stranded assets), die vorwiegend Unternehmen betreffen, hin zu verlorenen Öl- und Kohleressourcen (stranded ressources), die vorwiegend den Staat betreffen. Diese Verschiebung habe das Potential, das globale Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Weltpolitik ins Wanken zu bringen. "Sie muss deshalb im Dialog zu Kohlenstoff-und Klima zur Sprache kommen", ergänzt Frei.

Fazit des Berichts:

"Obwohl es im Energiesektor zu einer bemerkenswerten Wende kam, stehen einige Energieressourcen beträchtlichen Herausforderungen gegenüber. Trotz des beachtlichen Fortschritts ist die Verbesserungsrate hin zu sauberen Energien viel zu gering, um die Emissionsziele zu erreichen", so der Weltenergierat.


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