Im Alter will man möglichst nicht mehr über Geld nachdenken, sondern entspannt leben. / Foto: jd-photodesign, Fotolia

19.07.17 Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge ist sicher und sinnvoll

Möglichst viel Rente erhalten, aber so wenig Nettoeinkommen einsetzen wie es geht: Betriebliche Altersvorsorge soll das ermöglichen.

Deutschland wird alt. 2050 dürfte die Hälfte der Deutschen über 53 Jahre sein. Zugleich werden wir immer weniger. Spätestens ab 2023 wird die Bevölkerungszahl merklich bergab gehen. Übrigens unabhängig davon, ob künftig viele oder wenige Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um zu bleiben – die Zuwanderer werden keinesfalls so zahlreich kommen, dass sie den Bevölkerungsverlust durch die niedrige Geburtenrate ausgleichen werden. Das alles schätzt das Statistische Bundesamt. Also werden pro Rentner immer weniger Arbeitende in die Rentenkasse einzahlen.

Die nächste Generation gilt als unterversorgt. Ihr droht vielfach Altersarmut, wenn sie nicht selbst vorsorgt. Die betriebliche Altersvorsorge kann für Arbeitnehmer ein Weg sein, das Problem zu lösen. Das Prinzip der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ist einfach. Zunächst einmal gibt es drei Beteiligte: den oder die Versicherte/n, den Arbeitgeber und den Anbieter der Altersvorsorge – das kann ein Pensionsfonds sein, eine Pensionskasse oder eine Versicherung.

Die Rollenverteilung funktioniert so: Der Versicherte zahlt jeden Monat einen Beitragsteil, der Arbeitgeber auch. Nur in Ausnahmefällen zahlen der Versicherte oder der Arbeitgeber den Beitrag komplett. Der Anbieter der Altersvorsorge legt das Geld schließlich möglichst gut und sicher an, um eine Rendite zu erzielen. Er erhebt aber auch Abschluss-, Verwaltungs- und Transaktionsgebühren, so genannte Vertragskosten.

Zu Rentenbeginn kann der Arbeitnehmer wählen, wie das Sparkapital dann später einmal ausgezahlt wird – etwa als monatliche Rente oder als einmalige Summe. Wie flexibel die  Sparbeiträge und die Auszahlung verändert werden können, hängt vom jeweiligen Angebot ab.

Bruttogehalt in Vorsorge verwandeln

Gängig ist die bAV in Form der so genannten Gehaltsumwandlung. Dabei wird in der Regel ein Teil des Bruttogehalts zum Ansparen abgezwackt. Wie viel das sein soll, entscheidet der Arbeitnehmer. Der konkrete Betrag hängt vom Gehalt, dem Alter und der Lebenssituation des Arbeitnehmers ab und muss individuell berechnet und mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden.

Ein Beispiel: Wer als Arbeitnehmer mittleren Einkommens auf 45 bis 50 Euro seines Nettolohns verzichtet, erreicht über die Mechanismen der betrieblichen Altersversorgung, dass insgesamt zusätzliche 100 Euro monatlich in seine Altersvorsorge einfließen. Auch für junge Menschen bedeutet das wenig Konsumverzicht und viel Alterssicherheit. Und selbst für Geringverdiener mit Steuerklasse 5 wie 450-Euro-Minijobber können sich noch lohnende Hebeleffekte ergeben.

Geht der Sparbeitrag vom Bruttogehalt ab, sind die Beiträge bis zu einer gesetzlich festgelegten Grenze von Steuern und Sozialversicherungsabgaben befreit (4 Prozent vom Bruttojahresgehalt). Zusätzlich können weitere 1.800 Euro pro Jahr steuerfrei für die Rente gespart werden. bAV per Gehaltsumwandlung geht auch über Riester-Produkte. Dann wird der Sparbetrag nicht vom Brutto-, sondern vom Nettogehalt abgeführt. Dafür gewährt der Staat dann Zulagen.

Die fünf Wege zur bAV

Es gibt fünf unterschiedliche Wege, die bAV zu gestalten. Für eine muss man sich entscheiden:

1. Direktversicherung

Dabei schließt der Arbeitgeber eine Lebens- oder Rentenversicherung bei einem Versicherer für den Mitarbeiter ab. Die Beiträge werden entweder durch Entgeltumwandlung vom Arbeitnehmer aufgebracht oder als Zusatzleistung vom Arbeitgeber gezahlt. Nachhaltige Direktversicherungen und klassische Riester-Verträge mit Nachhaltigkeitsansatz bieten unter anderem die Stuttgarter Versicherung an (Produkt: GrüneRente), die Concordia oeco Lebensversicherungs-AG aus Hannover (oeco Direkt-Rente futur) oder der Volkswohl Bund aus Dortmund (transparente).

2. Pensionskasse

Das sind Versorgungsunternehmen, die beispielsweise von Genossenschaften, Versicherungen oder direkt von Unternehmen getragen werden. Konzerne wie Bayer oder BASF unterhalten eigene Pensionskassen. Geführt werden diese Kassen entweder als Aktiengesellschaften (AG) oder Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG). Ein Beispiel für eine Pensionskasse, die sich per Satzung der Nachhaltigkeit verschrieben hat, sind die Hannoverschen Kassen. Deren Zielgruppe sind Einrichtungen und Unternehmen, die sich sozial oder ökologisch besonders engagieren. Mit dem Waldorf-Versorgungswerk wenden sich die Hannoverschen Kassen außerdem direkt an Lehrer und Erzieher.

3. Pensionsfonds

Rechtlich eigenständige Versorgungsunternehmen. Sie unterscheiden sich von Pensionskassen vor allem dadurch, dass sie stärker auf Aktien setzen. Von den etwa 140 Pensionsfonds in Deutschland berücksichtigen einige auch Nachhaltigkeitskriterien.

4. Unterstützungskasse

Diese Kassen gelten als die älteste Form der Versorgungseinrichtungen in Deutschland. Sie organisieren die bAV für ein oder gleich mehrere Unternehmen. Unterstützungskassen können auch als Stiftung oder GmbH organisiert sein. Angeboten werden meist so genannte rückgedeckte Unterstützungskassen. Nachhaltige Varianten davon bieten unter anderen die Stuttgarter Versicherung oder die Concordia oeco Lebensversicherungs-AG an.

5. Direktzusage des Arbeitgebers

Er sagt dem Arbeitnehmer einen bestimmten Betrag als monatliche Rente zu und bildet für diese Betriebsrente in der Bilanz eine Rückstellung. Für Versicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen gelten strengere Regeln als für Unterstützungskassen, weil sie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung beaufsichtigt werden.
Der Arbeitgeber hat übrigens bei der Auswahl aus diesen fünf Möglichkeiten das Wahlrecht. Er entscheidet, welcher Anbieter zum Zug kommt. Hat ein Unternehmen eine eigene Pensionskasse oder einen eigenen Pensionsfonds, kann nur dort gespart werden.

Arbeitnehmer haben ein Anrecht auf eine bAV

Wer eine bAV abschließen will, wendet sich direkt an den Arbeitgeber. Bei größeren Unternehmen sind die Personalabteilung oder der Betriebsrat erster Ansprechpartner. Bei mittelständischen und kleinen Arbeitgebern sind es die Chefin oder der Chef.

bAV: die Produktkategorien

Bei der bAV gibt es die oben genannten fünf Wege und dazu zwei Produktkategorien: Die klassische Direktversicherung als Investment in einen Deckungsstock, die fondsgebundene Versicherung und als zweite die Hybridprodukte. Welche Produkte wie erhältlich sind, hängt vom Anbieter ab.

1. Deckungsstock-Investment

Die Direktversicherung als Investment in einen Deckungsstock ist eine besondere Form der Lebensversicherung, ein Sparprodukt mit einer Mindestverzinsung. Bei Pensionskassen, die unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht stehen, kann der Garantiezins auch höher liegen. Gängig ist die klassische Direktversicherung nach Paragraph 3 Nummer 63 Einkommensteuergesetz (EStG). Darin ist geregelt, welche Versicherungsleistungen steuerfrei sind. Der Deckungsstock besteht aus
den Vermögensreserven einer Versicherung, mit denen sie unmittelbar arbeitet.

Für den Aufbau des Deckungsstocks gelten strenge Anlagevorschriften. Anbieter wie Concordia oeco setzen dazu auf einen "grünen" Deckungsstock. Das Unternehmen verwaltet das Kundengeld der Produktlinie "Leben oeco" unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien, das ist in der Satzung festgelegt. Bei der Auswahl der Anlagen kommen sowohl Ausschluss- als auch Positivkriterien zur Anwendung. Ausgeschlossen sind unter anderem Investitionen in Rüstungs-, Atom- oder Automobilindustrie. Ferner werden Aktivitäten wie grüne Gentechnik, Suchtmittel, artwidrige Tierhaltung oder Verstöße gegen Umwelt- und Naturschutzrechte negativ beurteilt. Bei Investitionen in Staatsanleihen sind beispielsweise Länder wie die USA und China ausgeschlossen, weil es dort noch die Todesstrafe gibt.

2. Fondsgebundene Produkte/Hybridprodukte

Hier fließen die Sparbeiträge in ausgewählte Investmentfonds. Eine fondsgebundene bAV eignet sich eher für jüngere Arbeitnehmer, da ihre Wertentwicklung schwanken kann und diese Schwankungen sich unter Umständen erst bei langer Laufzeit ausgleichen. Bei der bAV-Variante garantiert der Versicherer dafür, dass mindestens die eingezahlten Beiträge auch wieder ausgezahlt werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. In Deutschland wird diese Form der bAV wegen dieser Garantie als "Hybridprodukt" bezeichnet.

Bei Hybridprodukten in der bAV wird der Sparanteil der Beiträge meist auf mehrere Töpfe aufgeteilt. Oft sind das drei: Ein Teil fließt in einem so genannten Wertsicherungsfonds. Bei solchen Fonds begrenzt die Fondsgesellschaft die Verluste auf ein bestimmtes Maß. Der zweite Teil wird in freie Investmentfonds investiert und der dritte Teil in den klassischen Deckungsstock des Versicherers.
Seit Januar 2015 bietet unter anderem die Stuttgarter Lebensversicherung das Hybridprodukt performance-safe als GrüneRente an. Der Wertsicherungsfonds ist in diesem Fall der Nachhaltigkeitsfonds C-Quadrat Nachhaltigkeit Garant 80. Für die Anlage in den freien Fonds können Kunden aus über zehn Nachhaltigkeitsfonds auswählen.

Neben der Stuttgarter Lebensversicherung bietet auch die Condor Versicherung bAV-Hybridprodukte an. Arbeitgeber sparen durch die bAV bei den Lohnnebenkosten, zum Beispiel beim Arbeitgeberanteil zum Sozialversicherungsbeitrag. Tipp: Man kann auch statt über eine Gehaltserhöhung über eine bAV verhandeln.

Die Nachteile der bAV

Die bAV wird in der Regel nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt. Verträge, die nach 2012 abgeschlossen wurden, werden nicht vor dem 62. Lebensjahr ausgezahlt. Sobald die bAV-Zahlungen beginnen, fallen Steuern an. Entweder auf die einmalige Kapitalauszahlung oder auf die monatliche Rentenzahlung. Die bAV zählt rechtlich zum beitragspflichtigen Einkommen. Deshalb müssen gesetzlich Krankenversicherte ab dem Rentenbeginn die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Das zusammengenommen kann einen Teil der Ersparnis bei Steuern und Sozialabgaben während der Ansparphase auffressen.

Beim Arbeitgeberwechsel ist zu beachten: Das Recht auf Mitnahme der Betriebsrente gilt nur einschränkt. Arbeitnehmer haben lediglich den gesetzlichen Anspruch auf den Übertragungswert ihrer Betriebsrente. Dieser Wert kann kleiner ausfallen als der tatsächlich eingezahlte Betrag. Zum Beispiel, wenn Arbeitnehmer bei der Altersvorsorge auch etwas für den Hinterbliebenenschutz im Todesfall sparen und nicht nur für die eigene Rente.

Bei fondsgebundenen Altersvorsorgemodellen können sich die Konditionen für Arbeitnehmer unter Umständen mit einem Jobwechsel verschlechtern. Das hängt davon ab, wie der neue Arbeitgeber die bAV regelt und wie die Verträge dazu im Einzelnen aussehen. Gebühren, die die Anbieter für Vertragsabschluss, Transaktionen, Verwaltung oder Ähnliches nehmen, unterscheiden sich stark. Verträge mit hohen Gebühren können die Erträge der Arbeitnehmer deutlich schmälern. Das gilt besonders in Zeiten niedriger Zinsen.

So kommt die Nachhaltigkeit in die bAV

Nachhaltigkeitsrating-Agenturen helfen etlichen bAV-Anbietern, Staaten und Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeitsleistung hin zu analysieren und zu bewerten, um die richtigen nachhaltigen Investments auswählen zu können. Die Hannoverschen Kassen haben sich dazu entschieden, die Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien nicht nur externen Dienstleistern zu übertragen. Sie werden vom hauseigenen Nachhaltigkeitsrat beraten und begleitet und arbeiten zusätzlich mit der Nachhaltigkeitsrating-Agentur imug Beratungsgesellschaft mbH aus Hannover zusammen.

Ähnlich arbeitet die Concordia oeco Lebensversicherungs-AG. Neben einem dreiköpfigen externen Nachhaltigkeitsbeirat setzt die Concordia oeco unter anderem auf Analysen von Sustainalytics aus Frankfurt. Hinter dem Nachhaltigkeitsansatz der transparente des Volkswohl Bundes steht der Verein für alternative Versorgungskonzepte (VAV), bei der GrüneRente der Stuttgarter Versicherung prüft das Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen e.V. (INAF) die Nachhaltigkeit.

Fazit

Betriebliche Altersvorsorge kann sich lohnen, sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer. Und nicht nur für Besserverdiener. Auch nachhaltig orientierte Anleger werden fündig. Aber: Genaues Rechnen und eine unabhängige Beratung sind erforderlich, um die passende bAV zu finden.

Welche Vorteile bietet die bAV?

Der Arbeitgeber ist laut Betriebsrentengesetz (BetrAVG) verpflichtet, dem Arbeitnehmer mindestens eine bAV-Möglichkeit anzubieten. Und er muss sich um alle vertraglichen Dinge kümmern. Das gilt unabhängig davon, wie groß oder klein ein Unternehmen ist.

Im Falle eines Arbeitgeberwechsels geht die betriebliche Altersvorsorge mit. Auch dieses Prinzip ist im BetrAVG festgeschrieben.

Der Arbeitgeber steht dafür gerade, dass dem Arbeitnehmer bis zur Rente keine Verluste entstehen. Gelingt das nicht, muss der Arbeitgeber die Verluste ausgleichen.

Die bAV wird staatlich gefördert: Arbeitnehmer sparen bei Steuern und gegebenenfalls bei Sozialversicherungsbeiträgen. Das angesparte Guthaben ist Hartz-IV-sicher: Auch bei längerer Arbeitslosigkeit haben Sozialämter darauf keinen Zugriff.

Arbeitgeber können die Beiträge zur bAV beim Finanzamt als Betriebsausgaben geltend machen.

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