Mindestens 45 vom Klimawandel bedrohte Staaten möchten ihre Energieversorgung komplett auf Erneuerbare umstellen. Das ist ein Ergebnis der Weltklimakonferenz in Marrakesch. Im Bild ein Braunkohlekraftwerk. / Foto: Otte/Fotalia

  Erneuerbare Energie

Bilanz des Klimagipfels in Marrakesch: Viele Fragen offen

Die Weltklimakonferenz in der marokkanischen Stadt Marrakesch ist vorbei. Ein Ergebnis des Gipfeltreffens ist, dass mindestens 45 Staaten ihre Energieversorgung komplett auf Erneuerbare Energien umstellen möchten. Dabei handelt es sich um ärmere Länder aus Afrika, Asien, der Karibik und der Südsee, die sich im "Climate Vulnarable Forum" (CVF) zusammengeschlossen haben. Bis spätestens 2020 wollen diese stark vom Klimawandel bedrohten Staaten ihre nationalen Klimaziele auf das Ziel hin umschreiben. Aber was tun die reichen Industrieländer gegen den Klimawandel? Wie konkret sind die Versprechen wirklich? 


Beschlossen wurde in Marrakesch ein Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris bis 2018. Darin verpflichten sich die UN-Teilnehmerstaaten, ihre Fortschritte beim Klimaschutz bereits 2017 zu "überprüfen". Somit hätten alle Vertragspartner des Pariser Abkommens erklärt, in den nächsten zwei Jahren die Regeln zur Umsetzung des Vertrages festlegen zu wollen, so Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Offen geblieben sei jedoch, was die Regierungen bis 2020 tun, um die CO2-Emissionen tatsächlich zu reduzieren. Kein Land habe angekündigt, das eigene Klimaschutzprogramm so nachzubessern, dass es mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang stehe.

Ein großes Manko sei zudem, dass es nach wie vor zu wenige Staaten gebe, die jene Länder finanziell unterstützen, die unter den Folgen des Klimawandels bereits jetzt zu leiden hätten. Insbesondere die G20-Staaten müssten ärmeren Ländern mehr Unterstützung zusagen, forderte Weiger vom BUND.


Auch Deutschland als Gastgeber der nächsten Klimakonferenz in Bonn müsse garantieren, seine CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, sind sich die Umweltverbände einig. Wie eine aktuelle Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy zeigt, könnte Deutschland die CO2-Emissionen im Stromsektor auf einen Schlag um ein Viertel reduzieren. Hierzu müsste der bestehende fossile Kraftwerkspark anders eingesetzt werden: Um die Stromnachfrage zu decken, sollten Kraftwerke mit niedrigem CO2-Ausstoß den Vorzug erhalten vor Kraftwerken mit hohen CO2-Emissionen.



Erzeugten die Kraftwerke nach ihrer Treibhauswirkung sortiert Strom, könnte sich der CO2-Ausstoß in Deutschland schon heute um rund 79 Millionen Tonnen pro Jahr verringern. Dies hätte zwar etwas höhere Kosten für die Brennstoffe zur Folge, die aber deutlich unter den durchschnittlichen Klimakosten liegen. „"Während sich die Bundesregierung nur mit Ach und Krach auf den Klimaschutzplan einigen konnte, lässt sie ein riesiges Einsparpotenzial ungenutzt: den bereits vorhandenen Kraftwerkspark“", sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy.

Würde sich die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke nicht an den Kosten orientieren, sondern am jeweiligen CO2-Ausstoß, ergänzten vor allem Gaskraftwerke die erneuerbaren Energien, Kohlekraftwerke liefen hingegen deutlich weniger. Der große Vorteil: Gaskraftwerke sind nicht nur flexibler als Kohlekraftwerke, sondern stoßen auch wesentlich weniger CO2 aus. „Das Potenzial einer veränderten Einsatzreihenfolge darf nicht ungenutzt bleiben. "In einem ersten Schritt sollten deshalb fossile Kraftwerke, die überwiegend für den Export produzieren, sofort vom Netz genommen werden"“, fordert Sönke Tangermann von Greenpeace Energy.

Für die Umweltschützer steht jedenfalls fest: "Marrakesch weist den Weg: Investitionen in fossile Energieträger haben keine Zukunft. Das ist ein klares Signal an rückwärtsgewandte Manager und Politiker, sich endlich von klimaschädlichen und riskanten Technologien zu verabschieden. Neben der klimaschädlichen Kohle gehören dazu auch die CO2-Verpressung in tiefe Erdschichten und die unbeherrschbare Atomkraft", so das Fazit des BUND-Vorsitzenden Weiger.
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