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Bilanzsume der GLS Bank übersteigt Milliardenmarke - Vorstandssprecher kommentiert Finanzkrise

Die GLS Bank aus Bochum hat im Geschäftsjahr 2008 bei der Bilanzsume die Milliardenmarke geknackt. Wie Vorstandssprecher Thomas Jorberg heute auf der Jahrespressekonferenz mitteilte, erhöhte sich die Bilanzsumme von 796 Mio. Euro in 2007 auf nunmehr 1,013 Milliarden Euro. Das entspreche einem Zuwachs von 27,4 Prozent. Gemeinsam mit der Stiftung GLS Treuhand e.V., der GLS Beteiligungs AG und inklusive aller Fonds wuchs das Geschäftsvolumen auf 1,232 Milliarden Euro an. Die Zahl der GLS Bank-Kunden sei 2008 von 55.000 auf 62.000 gewachsen. Wie Jorberg weiter erläuterte, stiegen die Kundenkredite um 26,6 Prozent auf 613,3 Mio. Euro gestiegen. Der Einlagenbereich habe einen Zuwachs von 26,1 Prozent bzw. 174,1 Mio. Euro erzielt und belaufe sich auf nunmehr 840,5 Millionen Euro. Das Eigenkapital habe um fast 20 Prozent auf 54,5 Millionen Euro zugelegt. Betriebswirtschaftlich schreibt die GLS Bank laut Jorberg seit Bestehen „solide schwarze Zahlen“. Er betonte, die Bank habe keine Verluste aus der Finanzmarktkrise zu verzeichnen.

Der Vorstandssprecher rechnet für 2009 mit einem anhaltend starken Wachstum der Bank. Die Bilanzsumme soll von 1,013 Milliarden auf 1,216 Milliarden Euro steigen. Das entspräche einem Zuwachs von 20 Prozent. Zum Vergleich: 2006 hatte die Bilanzsumme noch 659 Mio. Euro betragen. Seither ist sie jedes Jahr um mindestens 20 Prozent gewachsen. Wie Jorberg ausführte, verzeichnet die GLS Bank vor allem seit der Pleite von Lehman Brothers einen regen Zulauf von neuen Kunden. Zudem verlagerten ältere Kunden der Bank Kapital fort von anderen Finanzinstituten hin zur GLS Bank. Deren starken Zuwächse im 4. Quartal 2008 setzten sich Jorberg zufolge in den ersten Wochen des laufenden Jahres fort. Allein im Januar haben die Bochumer ein weiteres Wachstum von 3,5 Prozent verzeichnet, wie der Vorstandssprecher auf Nachfrage mitteilte. Er interpretiert diesen Zustrom an neuen Kunden und an Kapital als Hinweis darauf, dass „das sozial-ökologische und beispielhaft transparente Konzept der GLS Bank“ Vertrauen schafft. Die gegenwärtige Bankenkrise  sei ja nicht zuletzt eine Vertrauenskrise. Daneben sei es immer mehr Menschen wichtig, bei allen Anlageentscheidungen neben monetären, auch ökologische und soziale Beurteilungskriterien zu berücksichtigen. Ebendies ermögliche die GLS Bank ihren Kundinnen und Kunden als einzige Vollbank in Deutschland.

Jorberg kündigte gegenüber ECOreporter.de an, dass sich die GLS Bank in diesem Jahr verstärkt im Bereich der Erneuerbaren Energien engagieren wird. Den Schwerpunkt wolle sie dabei neben der Windkraft vor allem auf die Photovoltaik legen. Er verwies darauf, dass diese Bereiche derzeit von der anhaltenden Kreditklemme beeinträchtigt werden. Hier wolle seine Bank einen Kontrapunkt setzen und vermehrt Kapital bereitstellen.

Der Vorstandssprecher erklärte, dass die einzige Existenzberechtigung der Finanzwirtschaft doch darin bestehe, die Realwirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Wer diesem Zweck nicht diene, weder mittelbar noch unmittelbar, habe eben keine Existenzberechtigung. Nach diesem Grundsatz müsse nun auch die internationale Finanzbranche neu geordnet werden. Er bemängelte, dass man sich gegenwärtig bei der Bekämpfung der Finanzkrise nur darauf beschränke, die „Problemverusacher zu stabilisieren“. Stark kritisierte er in diesem Zusammenhang, dass die Bundesregierung die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank unterstützt. „Bereits eine der beiden Großbanken kann bei einem Zusammenbruch systemgefährdende Auswirkungen haben. Fusioniert man nun beide Banken, vergrößert man möglicherweise das Problem“, so Jorberg. Nach seiner Einschätzung dürfen Finanzinstitute oder spezielle Produkte „in ihrer absoluten Größe oder Struktur weder global noch national systemgefährdend sein“. Begrenzende Kennziffern seien gefragt. Weiter verwies der Vorstandssprecher darauf, dass es in anderen Branchen zumindest innerhalb der EU derartige Beschränkungen bereits gibt, etwa in der Automobilbranche. Wie dort müsse man in Zukunft ausschließen, dass das Verhältnis der Größe eines Unternehmens zur Größe des Marktes marktgefährdende Dimensionen erreicht.

Weiter beklagte Jorberg, dass gegenwärtig einige Banken höhere Einlagen- als Kreditzinsen am Markt anbieten würden, als marktkonform sei. Dahinter verbergen sich nach seiner Einschätzung zwei mögliche Erklärungen: „Erstens: die Konditionen dienen als Lockangebot, d.h. sie gelten nur für Neukunden und neu angelegtes Geld sowie einen begrenzten Zeitraum. Anschließend werden die Kunden aggressiv beworben, um mit Folgegeschäften Gewinne zu erzielen. Zweites Szenario: Die Zinsen spiegeln den Risikoaufschlag des Interbankenmarkts wider. Da sich die betreffenden Banken aufgrund des Vertrauensverlusts nicht bzw. nur zu einem hohen Zins refinanzieren können, sind sie auf Kundeneinlagen angewiesen, um die Liquidität sicher zu stellen.“ Eine derartige Praxis verzerre den Wettbewerb und signalisiere, dass viele Akteure der Finanzbranche von einem Umdenken noch weit entfernt seien. Ein solches Umdenken und die Rückbesinnung der Finanzwirtschaft auf ihr Kerngeschäft, die Finanzierung der Realwirtschaft, sei letztlich aber unvermeidlich. „Entweder aus Einsicht oder aus Not“ werde es dazu kommen“, gab sich der Chef der GLS Bank davon überzeugt.



Bildhinweis: Hauptsitz der GLS Bank; Vorstandssprecher Thomas Jorberg. / Quelle: Unternehmen
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