22.12.06 ECOanlagecheck

Biogasfonds Coesfeld will 9,7 Prozent Rendite erwirtschaften - Wie sicher ist das Investment?

Biogas geht - auch bei der Geldanlage: Biogasfonds sind einer der wenigen Renner auf dem Markt der geschlossenen Fonds. ECOreporter.de hat wiederum ein Anlage-Angebot gecheckt: Den Biogasfonds Coesfeld. Wer satte 9,7 Prozent Rendite einstreichen will und mindestens 10.000 Euro investieren kann, darf mitmachen. Aber sollte er auch? Wie sicher ist das Investment? Der ECOreporter.de-Anlagecheck gibt ausführliche Antworten.

Es geht um ein Biogaskraftwerk mit 2,4 Megawatt Leistung. Anbieter ist die ConInvest Gesellschaft für unternehmerische Beteiligungen mbH, Berlin/Schönefeld. Das Kraftwerk bei Coesfeld im westlichen Münsterland soll im vierten Quartal 2007 ans Netz gehen. Anleger können sich an der Projektgesellschaft BioCon Invest GmbH & Co. Sechste KG für Biomasse-Kraftwerke Coesfeld (Biogasfonds Coesfeld) beteiligen. Rendite nach interner Zinsfussrechnung (Internal Rate of Return; IRR): 9,68 Prozent.


Kommune unterstützt das Projekt - noch keine Genehmigung nach Immissionsschutzgesetz

Das Kraftwerk soll auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei außerhalb des Stadtgebiets von Coesfeld entstehen. Für das Gelände hat die Stadt laut dem Emissionsprospekt eigens einen "vorhabenbezogenen Bebauungsplan" erstellt. Der weist die Fläche als "Sondergebiet mit der Zweckbestimmung Biomassekraftwerk" aus. Ende 2005 hat die Gemeinde zudem einen Antrag auf Genehmigung der Anlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BimSchG) beim Staatlichen Umweltamt Münster gestellt. Die Stadt Coesfeld stellt sich deutlich hinter das Projekt, Bürgermeister Heinz Öhmann (CDU) ist mit einem einseitigen Grußwort im Prospekt für den Fonds vertreten. Noch nicht abgeschlossen ist das Verfahren um die Betriebsgenehmigung nach BlmSchG für das Biogaskraftwerk. Die Initiatorin hofft, dass sie innerhalb der nächsten acht bis zehn Wochen eintrifft. Es sei "extrem unwahrscheinlich", dass dem Antrag nicht statt gegeben werde, so ConInvest. Durch den städtischen Bebauungsplan bestehe bereits eine Genehmigung für die Nutzung des Geländes als Biomassekraftwerk mit allen rechtlichen Folgen. Es müsse deshalb "eine exorbitante Lärm-, Geruchs- oder sonstige Belastung" durch die Anlage unterstellt werden, um die Genehmigung zu verweigern. Der Bau der Anlage schreitet laut der Initiatorin "zügig voran".


Zwei Kraftwerksblöcke - 660.000 Euro Weichkosten

Zwei Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 1.021 Kilowatt elektrisch (kW el.) und 1.364 kW (el.) der Firma Pro2 Anlagentechnik GmbH sollen bis zu 2.385 kW Strom erzeugen. Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Kraftwerk beläuft sich den Angaben zufolge auf 9,32 Millionen Euro, hinzu kommt ein Agio in Höhe von 5 Prozent oder 151.000 Euro. Knapp ein Drittel der Kosten (3,02 Millionen Euro) wollen die Initiatoren über den Fonds als Eigenkapital bereit stellen. An Fremdkapital sollen 6,3 Millionen Euro aufgewendet werden.

Knapp 22 Prozent des eingesammelten Eigenkapitals, etwa 660.000 Euro, fallen für so genannte "Weichkosten" an. Dazu zählen alle Kosten außer dem Kaufpreis, den Aufwendungen für eine Zwischenfinanzierung, der Liquiditätsreserve, Steuern, Notargebühren und der Bauaufsicht. Den größten Anteil an den Weichkosten haben meist die Aufwendungen für die Projektentwicklung und die Provisionen für den Vertrieb der Fondsanteile. Bezogen auf das Gesamtinvestitionsvolumen liegen die Weichkosten des Biogasfonds Coesfeld bei knapp 7 Prozent.

Die Ausschüttungen sollen sich über die Laufzeit von 21 Jahren inklusive der Rückzahlung auf 321,52 Prozent belaufen. Mit anderen Worten: Wer 10.000 Euro investiert, soll 32.152 Euro zurück bekommen.


Fehlanzeige: keine Ertragsgarantie - kein Ertragsgutachten

Eine werthaltige Ertragsgarantie seitens einer Versicherung, einer Bank oder eines Lieferanten hat ConInvest für das Projekt nicht abgeschlossen. Die Initiatoren verweisen allerdings darauf, dass sich der Betreiber und Substratlieferant der Anlage, die Coesfelder NawaRoS Engineering GmbH, bis 2013 verpflichtet habe, Rohstoffe in Höhe eines festgeschriebenen Energieäquivalents von 17.520.000 kW zum Festpreis bereit zu stellen.

Ob die beiden mit Motoren der Firma Deutz ausgestatteten Blockheizkraftwerke die prospektierte Leistung hergeben werden, wird die Praxis zeigen. Unabhängige Ertragsgutachten liegen nicht vor. Auf entsprechende Ecoreporter.de-Nachfragen verwies die Initiatorin des Fonds auf den Substratliefervertrag und das vereinbarte Energieäquivalent.

Drei Fonds mit Biogasanlagen haben die Berliner Projektierer seit 2004 aufgelegt. Bisher arbeiten laut ConInvest alle Anlagen im Plan. Eine Leistungsbilanz der Fonds werde ab dem 2. Quartal 2007 vorliegen.

Der aktuelle Zeichnungsstand des Biogasfonds Coesfeld liegt bei 48 Prozent (Stand: 12. Dezember 2006. Eine Platzierungsgarantie von einer Bank oder einer Versicherung wurde nicht vereinbart. Angebote zur Finanzierung der Anlage liegen laut ConInvest vor, bisher sei jedoch kein Kreditvertrag abgeschlossen worden.


Bis 2013 Festpreis für Substrate - EEG-Vergütung voll ausgereizt

Zwischen 9000 und 13.000 Tonnen Getreide sollen in dem Kraftwerk jährlich verarbeitet werden. Teil der Planung ist eine Lagerhalle mit einer Kapazität von zirka 10.000 t, sie soll es möglich machen, Preisschwankungen auszunutzen . Durch den oben erwähnten Liefervertrag ist das Risiko von Nachschubproblemen deutlich gemildert. Der Prognoserechnung des Fonds liegt ein durchschnittlicher Preis von 92 Euro je Tonne Substrat zugrunde. Aktuell liegen die Preise für Futtergetreide allerdings bei 120 bis 140 Euro je Tonne. 2013 haben beide Vertragsparteien das Recht, die Konditionen neu zu verhandeln.

Laut dem Emissionsprospekt soll der Fonds je produzierter Kilowattstunde Strom insgesamt 17 Cent Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz EEG erhalten. Die Vergütung setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Der Grundvergütung von ca. 13,2511 ct/kWh (el.), darin enthalten ist der NaWaRo-Bonus in Höhe von 6,00 ct/kWh (el.). Dem KWK-Bonus für den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung von 2,00 ct/kWh (th.) Und dem Technologie-Bonus von 2,00 ct/kWh (el.). Den erhalten Projekte, die per Expertengutachten als "Trockenfermentationsanlagen" eingestuft werden.

Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte ConInvest: Würde der Technologiebonus entfallen, sänke die IRR von zirka 10 Prozent auf zirka 3,5 Prozent vor Steuern. Weitere Fragen beantworteten die Fondsinitiatoren lediglich mit Ausführungen zur Aussagekraft der IRR. Diese Art der "Rendite"-Berechnung sei eine "in die Irre führende Schimäre", so ConInvest, man solle sich statt dessen an den Ausschüttungen orientieren.

Ein IDW S4-Prüfungsbericht wurde für den Fonds nicht erstellt. Laut einer Analyse der Agentur Scope ist die rechtliche Konzeption des Fonds "im Wesentlichen" einwandfrei. Auch die steuerliche Konzeption sei einwandfrei. Eine Netzeinspeisezusage des zuständigen Versorgers RWE liegt ConInvest zufolge vor.
Laut dem Emissionsprospekt wurde mit dem Anlagenbauer Pro2 Anlagentechnik GmbH ein Vollwartungsvertrag angeschlossen. Darin nicht enthalten sind - das ergaben Nachfragen von ECOreporter.de - Bauteile aus der Peripherie des Blockheizkraftwerks wie beispielsweise Pumpen, Lüftungen, Förderschnecken oder Rührwerke. Die Instandhaltung dieser Komponenten werde als laufende Ausgabe der Gesellschaft geführt, so ConInvest. Laut der Prognoserechnung sind dafür immerhin zwischen 200.000 und 250.000 Euro jährlich eingeplant.


Fazit:

Der Biogasfonds Coesfeld bietet Anlegern eine attraktive Rendite - wenn alles so klappt, wie die Initiatoren es sich vorstellen. Und was kann nicht klappen? Als wichtigste Punkte sind die beiden Bonus-Zahlungen (KWK und Technologiebonus) zu nennen. Entfallen sie, sinkt die Rentabilität sehr deutlich. Und wie groß ist das Risiko, dass sie entfallen? Brancheninsider halten es für gut möglich, dass der Bund bei der fälligen Überarbeitung des EEG im nächsten Jahr die Bedingungen für die beiden Boni verschärft. Auch die nachträgliche Aberkennung der Zuschläge sei nicht auszuschließen. Also: Eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht - und noch dazu hat die Anbieterin auf dieses Risiko keinen Einfluss. Risiken birgt ferner die Wartung und Instandhaltung der Peripherie der Anlage. Die veranschlagten Kosten könnten sich als zu niedrig erweisen. Auch steigende Rohstoffpreise können den Erfolg des Projekts gefährden. Laut der Sensitivitätsanalyse des Emissionsprospekts sinken schon bei einem Substratpreis von 105 Euro pro Tonne die prognostizierten Ausschüttungen auf 215 Prozent (und 100 Prozent davon stammen ja schon von den Anlegern selbst). ECOreporter.de-Fazit: Abwarten, ob die beiden Boni auf die Einspeisevergütung für das Projekt dauerhaft erhalten bleiben. Solange dieser Punkt nicht geklärt ist, sehen wir größere Risiken als Chancen.



Basisdaten des Angebots

Anbieter: ConInvest Gesellschaft für unternehmerische Beteiligungen mbH Elektrische Gesamtleistung: 2.385,00 kW
Gesamtinvestitionsvolumen (ohne Agio) : 9,32 Millionen Euro
Eigenkapital: 3,02 Millionen Euro
Fremdkapital: 6,3 Millionen Euro
Agio: 5,0% / 150.930 Euro
Mindestzeichnungssumme : 10.000,00 Euro
Gesamtvolumen: 9,47 Millionen Euro
Gesamtausschüttung: 321,52%
Laufzeit: 21 Jahre

Weichkostenquote bezogen auf das Gesamtvolumen (mit Agio): 6,96%
Weichkostenfaktor bezogen auf das Eigenkapital (mit Agio): 21,80%
Ertragsspezifische Investitionskosten (Euro pro KW/h):. 0,532 Euro/kWh
Leistungsspezifische Investitionskosten (Euro pro KW): 3.908,60 Euro/kW
Rechnerischer Sicherheitsabschlag: 18 Prozent auf die maximale Leistung der Anlage und 1,0 Prozent auf den vom Hersteller angegebenen Wirkungsgrad der BHKW
Durchschnittliche EEG-Vergütung brutto Euro/kWh über die Laufzeit des Fonds: zirka 0,17 Euro/kWh.


Bitte sorgfältig beachten:

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Bilder: Luftaufnahmen von zwei Biogaskraftwerken, die ähnlich aufgebaut sind, wie die Anlage in Coesfeld / Quelle: ConInvest
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