Deutschland war 2012 der größte Biokraftstoffmarkt innerhalb der EU. / Bild: Fotolia

  Erneuerbare Energie

Biokraftstoffverbrauch in Europa wächst trotz Hindernissen

Der Biokraftstoffverbrauch in Europa ist 2012 weiter gestiegen. Erschwerte Weltmarktbedingungen und eine erbitterte Debatte um soziale und ökologische Nachhaltigkeit des pflanzlichen Kraftstoffs haben das Wachstum erneut gebremst. Das geht aus einer aktuellen Studie der Marktforschungsagentur EurObserv'ER hervor.
Demnach wurden in 2012 EU-weit 14,4 Millionen Tonnen Rohöleinheiten Biosprit verbraucht. Insgesamt stieg der Biokraftstoffverbrauch der 27 EU-Mitgliedsstaaten im Vergleich zum Vorjahr damit um 2,9 Prozent. Der Marktanteil am EU-Kraftstoffverbrauch lag somit bei 4,7 Prozent.  Gleichzeitig hat sich das Wachstum weiter verlangsamt. Der Verbrauch von 2011 hatte noch 5,3 Prozent über dem von 2010 gelegen. Die Biokraftstoffbranchen entfernen sich damit immer weiter von den Boom-Jahren 2005 bis 2010. Das ist ein zentrales Ergebnis des Biokraftstoff-Barometers 2012.
Der mit Abstand wichtigste Biokraftstoff bleibt Biodiesel: über 79 Prozent des 2012 in Europa verbrauchten Biokraftstoffs war Biodiesel. Bioethanol, Biogas und Pflanzenöl kamen zusammen auf 19,9 Prozent, wobei Biogas und Pflanzenöl zusammen ein Prozent Marktanteil erreichten, das sich zu gleichen Teilen auf die Energieträger verteilt. Wichtigster Biosprit-Abnehmer innerhalb der EU bleibt Deutschland. Hier stieg der Marktanteil am Gesamtverbrauch allerdings nur um 0,2 Prozent auf 5,7 Prozent an.
Märkte international hart umkämpft
Der meiste Biodiesel wurde 2012 in Frankreich getankt.  Der Biodieselverbrauch der Franzosen legte in 2012 auf Jahressicht um zwölf Prozent zu und erreichte 6,8 Prozent Anteil am Gesamtmarkt.  Wichtigster Biokraftstoff-Hersteller 2012 war wie zuvor schon Abengoa Bioenergy aus Spanien vor Tereos aus Frankreich und der CropEnergies AG aus Deutschland. Weil CropEnergies allerdings mittlerweile mit der britischen Ensus die Nummer fünf der Produzentenliste von 2012 übernommen hat (mehr dazu lesen Sie hier), ist das  Mannheimer Unternehmen inzwischen EU-weit hinter Abengoa Bioenergy der Hersteller mit den zweitgrößten Produktionskapazitäten (940 Millionen Tonnen Rohöleinheiten). Dass gerade Europas Hersteller es 2012 schwer hatten, lag auch daran, dass der europäische Markt mit billig produziertem Biokraftstoff aus Lateinamerika überschwemmt wurde. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission im Juli 2012 ein Verfahren eingeleitet, das prüft inwiefern Schutzzölle auf die Einführung von Biokraftstoff in die EU erhoben werden sollten.

Bildnachweis: Arbeiten auf einem Ethanolvermenter der Verbio AG. / Quelle: Unternehmen

Nachhaltigkeit bei der Biosprit-Produktion macht Fortschritte
Die Produktion von Biokraftstoff sorgt seit langem für erbitterte Diskussionen  mit Umweltorganisationen. Diese kritisieren, dass der Anbau die Flächen für die Nahrungsmittelproduktion einschränken und dass der gesamte Produktionsprozess extrem ressourcenintensiv ist. Deshalb bemüht sich die Branche auch auf Druck der EU um mehr ökologische Nachhaltigkeit.  Dies geschieht unter anderem über Zertifizierungen. Der Studie zufolge sind mittlereile 57 Prozent des in der EU verbrauchten Biokraftstoff als nachhaltig zertifiziert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 28 Prozent. Dennoch wird europaweit in nur fünf der 27 Staaten zu 100 Prozent als nachhaltig zertifizierter Biokraftstoff hergestellt. Das sind neben Deutschland noch Dänemark, Luxemburg, Litauen und Slowenien. 
Zusätzlich zur Zertifizierung will die EU den Verbrauch von Biokraftstoffen der ersten Generation – also solchen  die direkt aus Mais oder Raps gewonnen werden - bis 2020 stark einschränken (ECOreporter.de berichtete). Stattdessen sollen Waste-to-Energy-Methoden, wie zum Beispiel die Gewinnung von Sprit aus Speiseresten und altem Pflanzenöl vorangebracht werden. Die Studienautoren des Biokraftstoff-Barometers sehen darin bei der aktuellen Marktlage eher noch ein Hemmnis für die Marktentwicklung in Europa, weil die Biokraftstoffe der zweiten Generation noch längst nicht so etabliert sind wie ihre Vorgänger.
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