Erntearbeiten der KTG Agrar SE, die in großem Stil Biolebensmittel erzeugt. / Quelle: Unternhemen

09.06.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Biolebensmittel-Aktien mit Potential? – Analysten beleuchten die Aussichten für United Natural Foods und KTG Agrar SE

Biolebensmittel liegen im Trend – auch in den USA. Davon profitiert etwa die börsennotierte United Natural Foods, ein Biolebensmittelgroßhändler mit Hauptsitz in Providence im Bundesstaat Rhode Island. In Deutschland ist die KTG Agrar AG unter anderem in der Produktion von Bio-Lebensmitteln aktiv. Wir berichten darüber wie Analysten die Kursaussichten dieser beiden Aktien bewerten.

Nach einem starken Geschäftsjahr 2013/2014 und einer langen Reihe von Monaten mit Kurszuwächsen hatte sich im März 2015 der lange Aufwärtstrend für die Aktie von United Natural Foods gedreht. Innerhalb von drei Monaten verbilligte sich der Anteilsschein an der Nasdaq seither um über 20 Prozent auf knapp 64 US-Dollar bzw. 57 Euro. Sie notiert jetzt über sieben Prozent unter dem Vorjahreskurs. Auslöser des Kursverfalls war das Kappen der Jahresprognose nach der Zwischenbilanz für das Ende Februar abgeschlossene erste Halbjahr gewesen. Währungseffekte, Kosten durch die Übernahme von Tony's Fine Foods und eine Nachzahlung aus Vertragsverpflichtungen gegenüber einem Kunden hatten  die Bilanz belastet.Der Halbjahresgewinn des Biolebensmittelgroßhändlers stieg mit 60,9 Millionen Dollar oder 1,21 Dollar je Aktie im Jahresvergleich nur um 9,3 Prozent. Demgegenüber stand ein Umsatzplus von 23,4 Prozent auf 4,01 Milliarden Dollar. Daraufhin hatte Steven Spinner, Präsident und Chief Executive Officer (CEO), die bisherige Gewinnprognose für das am 1. August endende Geschäftsjahr auf bis zu 3,01 Dollar je Aktie gekürzt. Spinner stellte nur noch einem Nettogewinn von 2,90 bis 2,99 Dollar je Aktie in Aussicht.

Nun hat der Firmenchef die Jahresprognose abermals gekürzt. Anlass war die Zwischenbilanz für das dritte Quartal. Der CEO kürzte die Gewinnprognose auf 2,90 bis 2,99 Dollar je Aktie, bei bis zu 8,19 Milliarden Dollar Umsatz. Wie er erläuterte, hatten sich die für das erste Halbjahr genannten Belastungen auch im dritten Quartal ausgewirkt. Dennoch steigerte das Unternehmen in diesem Vierteljahr den Umsatz gegenüber dme vorjahreszzeitraum um fast 19 Prozent auf 2,11 Milliarden Dollar und den Gewinn je Aktie um fast 14 Prozent auf 0,83 Dollar bzw auf 41,8 Millionen Dollar.

Auch auf Sicht von neun Monaten fielen die Zahlen positiv aus. Hier kletterte der Umsatz um rund 22 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,4 Prozent auf 2,04 Dollar. Angesichts dieses dennoch starken Wachstums nahmen die Börsianer es recht gelassen hin, dass die Jahresprognose abermals gesenkt wurde. Offenbar war mit diesem Schritt gerechnet worden. Die Aktie hielt sich nach Bekanntgabe der neuen Prognose stabil.

Sean Naughton beobachtet United Natural Foods als Analyst für Piper Jaffray. Er sieht nun eine günstige Gelegenheit zum Investment in die Aktie des Biolebensmittelgroßhändlers und rät, die Beteiligung überzugewichten. Als Kursziel nennt er 81 Dollar. Das sind umgerechnet 72,3 Euro. Naughton geht davon aus, dass das Unternehmen weiter von der steigenden Nachfrage für Bio-Lebensmittel profitieren wird. Zudem könne das Unternehmen weiteres Potential zur Kostenseknung nutzen und werde sich die Übernahme von Übernahme von Tony's Fine Foods schon in absehbarer Zeit positiv auf die Einnahmen auswirken. Die Aktie von United Natural Foods sei gegenwärtig günstig bewertet.

Starke Zahlen haben die Aktie der KTG Agrar SE nicht beflügelt

Vor vier Monaten hatten wir über eine Kaufempfehlung von Oliver Schwarz, Analyst von Warburg Research, für die Aktie der KTG Agrar SE informiert. Als dieser  Aktientipp  erschien, notierte der Anteilsschein bei 14,3 Euro. Danach legte er bis Mitte Mai auf über 15 Euro zu, fiel dann aber fast auf das Ausgangsniveau zurück und ging gestern mit 14,7 Euro aus dem Handel. Dabei hat der Hamburger Agrarkonzern im Mai gemeldet, dass er den Konzernumsatz im Geschäftsjahr wie von Schwarz prognostiziert gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf 234,1 Millionen Euro verbessert hat. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sprang rund 55 Prozent auf 37,1 Mio. Euro und damit noch über den von Schwarz erwarteten 34,55 Millionen Euro. Dennoch sackte nach Bekanntgabe dieser starken Bilanz die Aktie von KTG Agrar deutlich ab. Sie liegt jetzt mit 14,7 Euro nur noch neun Prozent über dem Vorjahresniveau. Schwarz rechnet weiter mit deutlichen Kurszuwächsen. Er empfiehlt den Kauf der Aktie und nennt als Kursziel für die nächsten zwölf Monate 18,9 Euro. Allerdings liegt dieses Kursziel unter der von ihm im Frebruar 2015 genannten Marke von 20,20 Euro Dies begründet er unter anderem mit niedrigeren Preisen für Feldfrüchte und der Annahme, dass der Erwerb weiterer Biogasanlagen durch die Konzerntochter KTG Energie die Schuldenlast erhöht hat.

Der Experte von Warburg Research lobt, dass KTG Agrar durch die jüngste Kapitalerhöhung die Eigenkapitalquote verbessert hat. Diese habe 7,25 Millionen Euro in ihre Kassen gespült. Die bislang recht schwache Ausstattung mit Eigenkapital (Eigenkapitalquote zuvor nur rund 15 Prozent) habe das Vertrauen der Börsianer in die Aktie bislang belastet. Hintergrund sei, dass das Unternehmen die starke Expansion der letzten Jahre vor allem fremdfinanziert gestemmt habe, weshalb ein großer Teil der Gewinne für den Schuldendienst aufgewendet werden müsse. Das Unternehmen verfügt über 45.000 Hektar Ackerland für den ökologischen und konventionellen Anbau von Marktfrüchten in Ostdeutschland, Litauen sowie Rumänien. Ferner hat die eigenständig börsennotierte Tochtergesellschaft KTG Energie AG einen Bestand von Biogasanlagen im Umfang von fast 60 Megawatt (MW) aufgebaut, die sie betreibt und bei denen sie Rohstoffe der Muttergesellschaft als Substrate einsetzt. Die nun neu zugekauften Anlagen würde die Profitabilität weiter verbessern, meint Schwarz.

Bildhinweis: Deutsche Biogasanlagen / Quelle: Fotolia

Der Analyst rechnet für die kommenden Jahre mit einem weiter starken Wachstum der KTG Agrar. Der Konzernüberschuss wird sich nach den Berechnungen von Schwarz von 5,17 Millionen Euro in 2014 bis 2016 auf 14,79 Millionen Euro fast verdreifachen. Entsprechend soll der Gewinn je Aktie von 0,83 Euro auf 2,19 Euro springen, bei einem Umsatzzuwachs von zuletzt 234,1 Millionen auf 275,4 Millionen Euro im laufenden Jahr und auf über 302 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016. Darüber hinaus bergen die offiziellen Bilanzen des Agrarkonzerns laut dem Analysten noch zusätzliches Wertpotential. Dieses sieht er in den Agrarflächen: „Aufgrund der Inflation der Verkaufspreise landwirtschaftlich genutzter Flächen liegen die Buchwerte inzwischen deutlich unter den Verkehrswerten“, stellt Schwarz fest.

KTG Agrar SE: ISIN DE000A0DN1J4 / WKN A0DN1J
United Natural Foods Inc.: WKN 903615 / ISIN US9111631035
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