Der Hamburger Hersteller Nordex zählt in Frankreich zu den größten Akteuren auf dem Windmarkt. Das Unternehmen hat jüngst einen neuen Großauftrag von dort erhalten. / Quelle: Unternehmen

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Bleibt Frankreich für Windkraftanleger ein lohnendes Investmentziel?

Mit einer EU-Klage haben Windkraftgegner jüngst die Einspeisevergütung in Frankreich ins Wanken gebracht. Für einige deutsche Marktakteure und ihre Anleger kam diese Nachricht zu einer Unzeit, denn grade der französische Markt rückte mit der Renaissance der Windkraftbeteiligungen ab 2011 Jahr für Jahr stärker in den Fokus. Sind die Entwicklungen in Frankreich ein Grund zur Besorgnis oder bleibt Frankreich ein lohnendes Ziel für Windkraft-Investments?

Gemessen an der installierten Windkraftleistung ist Frankreich aktuell Europas fünftgrößte Windkraftnation hinter Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien. Das besagt eine aktuelle Studie des Europa-Branchenverbandes European Wind Energy Association. Demnach verfügte Frankreich Ende 2013 über Windräder mit insgesamt 8.254 Megawatt (MW) Stromproduktionskapazität. Bisher gilt Frankreich trotz seiner schwerfälligen Bürokratie bei Genehmigungsprozessen als interessanter Windmarkt – auch für deutsche Unternehmen und deren Anleger. Denn politisches Ziel des stark von Atomkraft geprägten Nachbarlandes ist es, die Windkraftleistung zu Lande bis 2030 auf 19.000 MW zu bringen. Ein Baustein dazu ist der im Europavergleich hohe staatlich garantierte Einspeisetarif für Windstrom von 8,2 Cent pro Kilowattstunde. Doch dieser Tarif ist nach einer EU-Klage von Windkraftgegnern bis auf Weiteres ausgesetzt (ECOreporter.de  berichtete).

Frankreich erwägt Entlastungen für die Allgemeinheit der Stromverbraucher
„Ähnlich wie hierzulande gibt es in Frankreich Bestrebungen, die Vergütungstarife zu senken, um die Allgemeinheit der französischen Stromverbraucher zu entlasten“, sagt Ralf Peters Sprecher des Hamburger Windradherstellers Nordex SE, der Frankreich zu einem der Kernmärke zählt. „Eine Situation wie diese kann dazu führen, dass es am französischen Markt zu so genannten Vorzieheffekten kommt, dass also die Nachfrage kurzfristig ansteigt, weil die Kunden sicher gehen wollen, dass sie ihre Projekte noch zu den bisherigen Konditionen betreiben können. Für Hersteller wie Nordex SE ist es zwar eine Herausforderung, auf mögliche Nachfragespitzen zu reagieren, aber absolut kein Problem“, so Peters weiter.
Bild: Ein Nordex-Windrad wird installiert. / Quelle: Unternehmen

Dass der Einspeisetarif für französischen Windstrom in absehbarer Zeit deutlich gesenkt wird, erwartet Nordex dennoch nicht. Dazu Sprecher Peters: „Die französische Regierung hat bereits ein neues Vorrats-Gesetz vorbereitet, das mit den EU-Beihilfebestimmungen konform ist und die bisherige Regelung ablösen könnte. Dieses Vorrats-Gesetz sieht keine materielle Änderung der Förderbedingungen vor.“ Zudem arbeite Nordex derzeit erfolgreich mit einer Baureihe von Windrädern, die so effizient seien, dass „sie sich selbst bei einer niedrigeren Einspeisevergütung in Frankreich auch dort rentabel betreiben lassen“, so Peters weiter. Nordex halte am Ziel fest, den Marktanteil in Frankreich auszubauen. 

Schon ab Herbst 2014 neue Rechtssicherheit?
Der börsennotierte Windkraftprojektierer PNE Wind AG aus Cuxhaven ist ebenfalls in Frankreich aktiv – speziell über die Tochtergesellschaft WKN AG aus Husum. „Unseren Informationen zufolge soll das Verfahren möglichst bis zum Herbst 2014 abgeschlossen sein“, sagt PNE-Wind-AG-Sprecher Rainer Heinsohn mit Blick auf den neu gestarteten Gesetzgebungsprozess in Frankreich. „Somit könnten wir bereits relativ zeitnah auf ein rechtmäßiges System zurückgreifen. Insofern hat die Aussetzung zunächst keinen Einfluss auf unsere Aktivitäten und auf die in der Planung befindlichen Projekte“, stellt er klar. Das gilt auch für das Neugeschäft: „Die Tarifdiskussion hat derzeit keine nennenswerten Auswirkungen auf unsere Geschäftspolitik. Frankreich ist weiterhin und unverändert im Fokus der WKN-Gruppe, das Neugeschäft wird keinesfalls ruhen“, fährt Heinsohn fort. Auch bei der Erschließung anderer Auslandsmärke stelle sich die PNE-Tochter WKN AG auf sich verändernde Tarifsysteme ein. Für Frankreich seien jedoch keine gravierenden Änderungen beim Einspeisetarif zu erwarten.

ABO Wind plant baut und betreibt ebenfalls Windräder in Frankreich.  Über die ABO Invest Bürgerwindaktie sind Anleger direkt an einem Windradportfolio beteiligt, das zum Teil in Frankreich angesiedelt ist. Alexander Koffka, Mitglied der Geschäftsführung der ABO-Wind-Gruppe erklärt, warum Frankreich derzeit eher dazu tendiert, die Windstromvergütung nicht zu beschneiden: „Die französische Regierung hat das Ziel, die Windkraft schneller auszubauen, als das in den vergangenen Jahren gelungen ist.“, sagt er Daher sei damit zu rechnen, dass die Einspeisevergütung auf dem bisherigen Niveau bleibe. „Sonst würde Frankreich seine Ausbauziele deutlich verfehlen. Das ist nicht im Interesse der amtierenden Regierung, die die starke Abhängigkeit Frankreichs von der Atomenergie reduzieren möchte“, merkt er an. Daher bleibe Frankreich ein auch für ABO Wind ein Markt in dem das Unternehmen seine Aktivitäten eher ausweiten, denn reduzieren wolle.
Bild: Alexander Koffka, Sprecher der ABO-Wind-Gruppe / Quelle; Unternehmen
Dass Windkraftgegner auch anderswo in Europa nach dem aktuellen Vorbild gegen den Ausbau der Windenergie vorgehen könnten, gilt ebenfalls als unwahrscheinlich. Koffka: „Davon ist nicht auszugehen. Die Klage gegen das französische Tarifsystem basierte auf einen formalen Fehler des Gesetzgebers: Die Regierung hatte es versäumt, der EU das Gesetz vor Inkrafttreten in einem sogenannten Beihilfeverfahren anzuzeigen. In anderen europäischen Ländern haben wir diese Situation nicht. “

Bestandsschutz auch für Windparks die noch nicht fertig sind

Auch für Anleger, die direkt in französische Windparks investiert haben, gibt es bis auf Weiteres keinen Grund zur Sorge, denn auch Windfarmen die zum Teil grade erst gebaut werden, genießen Bestandsschutz. Dazu ABO-Wind-Sprecher Koffka: Anders als in Deutschland schließen Windparkgesellschaften in Frankreich mit dem Netzbetreiber (EDF - Energie de France) einen privatrechtlichen Vertrag über die Einspeisung des Windstroms und dessen Vergütung ab. Das Tarifgesetz ist die Grundlage für diesen Vertrag. Für jene Windparks, die wir in diesem Jahr in Frankreich errichten werden, liegt uns bereits ein Vertrag mit EDF vor – auf der Grundlage des bisherigen Tarifgesetzes. Insofern gehen wir davon aus, dass das neue Gesetz für diese Projekte keine Auswirkungen hat.“
Betreiber, die für ihre Windparks bereits eine Tarifzusage erhalten haben – egal ob diese nur vorläufig oder endgültig erteilt wurde – sind ohnehin nicht betroffen. Darauf weist das Emissionshaus Leonidas Associates hin. Der Fondsinitiator aus Klachreuth hat seit 2011 fünf Beteiligungen zu französuschen Windparks auf den Markt gebracht. Nach Unternehmensangaben bleibt für diese Fonds aus eben diesem Grund alles so, wie es bisher ist.

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