Die kräftigsten Treiber des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren Energien werden auf globaler Ebene die Schwellenländer sein, glauben Marktkenner. Ausgerechnet in Deutschland sind die Investitionen in saubere Technologien und Anlagen 2017 eingebrochen. / Foto: Thaut Images, Fotolia

  Erneuerbare Energie

BNEF-Studie: Schwellenländer stützen die Erneuerbaren

Investitionen in Erneuerbare Energien sind 2017 in Deutschland ins Stocken geraten. Die weltweiten Investitionen stiegen dagegen leicht auf 333,5 Milliarden US-Dollar - sie wurden vor allem von China getrieben.

Ein schwaches Bild lieferte Deutschland: Nach Auswertung der Analysten Bloomberg New Energy Finance (BNEF) sind 2017 hierzulande die Investitionen in Solar, Windkraft und andere Erneuerbare um 26 Prozent gesunken - auf umgerechnet 14,6 Milliarden US-Dollar. Für Europa hat BNEF ebenfalls ein Minus von 26 Prozent auf 57,4 Milliarden US-Dollar bei den Investitionen verzeichnet.

Eine Rekordhöhe erreichte der Zubau im Bereich Solar in China - dort wurden 53 Gigawatt Leistung neu installiert. Die Investitionen stiegen um 132,6 Milliarden US-Dollar oder 24 Prozent gegenüber 2016. Auf Platz zwei liegen die USA mit 56,9 Milliarden US-Dollar (plus 1 Prozent).

Erneuerbare Energien werden immer wirtschaftlicher

Finanzexperten zufolge sind die Erneuerbaren weltweit auf dem Vormarsch - trotz sinkender Subventionen und stockender Klimaverhandlungen. Gründe seien die wachsende Wirtschaftlichkeit dieser Energiequellen, Effizienzsteigerungen und die Aufholjagd der Schwellenländer, sagt Paul Flood, Multi-Asset Income Portfoliomanager bei BNY Mellon Investment Management.

Fast zwei Drittel der Netto-Stromerzeugungskapazitäten, die 2016 weltweit neu geschaffen wurden, nutzen Erneuerbare Energiequellen. Dass es sich dabei nicht um einen Einmal-Effekt handeln dürfte, zeigen die BNEF-Schätzungen.

Demnach werden bis 2040 voraussichtlich mehr als 10 Billionen US-Dollar in die Entwicklung neuer Stromerzeugungstechnik investiert werden - und davon sollen bis zu drei Viertel auf Erneuerbare Energieträger entfallen.

Staatliche Förderungen sinken - die Preise auch

"Diese Wachstumszahlen verblüffen in einer Zeit, in der in vielen Ländern die Förderung für Erneuerbare Energien zurückgefahren wird", so Flood. In manchen Ländern gingen sinkende Subventionen sogar mit einer generellen Abwendung vom Konzept des Klimaschutzes einher, etwa in den USA.

Doch diese Entwicklungen dürften wenig Einfluss nehmen, meint der Experte: "Die Massenproduktion von Anlagen hat Erneuerbare Energien radikal verbilligt. Die Preise für Photovoltaik-Module sind seit 1990 um 90 Prozent gefallen."

Schwellenländer haben wachsenden Energiebedarf

Die kräftigsten Treiber des weiteren Ausbaus der Kapazitäten werden auf globaler Ebene die Schwellenländer sein, allein schon wegen ihres immensen Bedarfs, mutmaßt Paul Flood: "China ist bereits heute der weltweit größte Investor in Erneuerbare Energien und hat sich das Ziel gesetzt, eine führende Rolle in der Technologie einzunehmen. Indien hat zugesagt, bis 2018 der gesamten Bevölkerung Zugang zu elektrischer Energie zu verschaffen."

Derzeit seien zwar nur 30 Prozent aller indischen Haushalte an das Stromnetz angeschlossen, so dass die Einhaltung des Zieljahres 2018 unwahrscheinlich erscheine - doch in jedem Fall würden Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, bei der Aufholjagd eine entscheidende Rolle spielen.

Günstige Bewertung der Investments

"Investments in Erneuerbare Energien sind attraktiv wegen ihres stabilen Cashflows, ihrer geringen Konjunktursensitivität und ihrer Inflationsbindung", sagt Thilo Wolf, der das Deutschlandgeschäft von BNY Mellon IM leitet.

Insbesondere langfristig orientierte Investoren schätzten diese Eigenschaften, die freilich verloren gehen könnten, wenn Erneuerbare Energien in Zukunft aufgrund sinkender Subventionen mehr und mehr der Volatilität des Strommarkts ausgesetzt seien.

Allerdings erwartet Wolf für die Strompreise auch in Zukunft weniger Volatilität als in anderen Anlageklassen, so dass Investitionen in Erneuerbare nach wie vor einen stabilen Eindruck machen.

"Wir beobachten eine wachsende Zahl sogenannter 'Abnehmer-Verträge', in denen große Unternehmen langfristige Bindungen mit Versorgern eingehen, um so ihre Verpflichtungen zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu erfüllen. Der vereinbarte Strompreis ist damit auf lange Zeit garantiert, so dass Investments in Erneuerbare Energien aktuell günstig bewertet erscheinen."
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