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Bosch-Konzern schluckt ersol Solar Energy – Analystenmeinung zum Solar-Coup – die Hintergründe der Bosch-Strategie

Der Coup des Juni: Der Bosch-Konzern übernimmt den Solarhersteller ersol Solar Energy. Bisher hatte die Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Ventizz ein Aktienpaket von 50,45 Prozent des Grundkapitals der Erfurter ersol. Diese Aktien hat die Robert Bosch GmbH (Bosch) gekauft. Und zwar für 101 Euro pro ersol-Aktie. Das sind über 63,3 Prozent über dem ersol-Schlusskurs von Freitag (30. Mai), der bei 61,85 Euro lag. Es sind außerdem 68 Prozent über durchschnittlichen Kurs der ersol-Aktie während der letzten drei Monate. Der Kaufpreis für die Aktien soll in bar bezahlt werden. Es geht um über eine halbe Milliarde Euro – genauer: 546,4 Millionen Euro. Die Verträge laufen zwischen Bosch und der Ventizz Capital Fund II LP, Wilmington/Delaware, USA, und ihrer Tochtergesellschaft Ventizz II Jersey Holding LP, Jersey, Channel Islands.
Ventizz sei seit 2004 Aktionär bei ersol, seit 2005 Mehrheitseigentümer.
Dr. Helmut Vorndran, Aufsichtsratsvorsitzender der ersol AG und Sprecher des Vorstands der Ventizz Capital Advisory AG, sagte, die Veräußerung an einen langfristig orientierten industriellen Gesellschafter stelle die beste Option für ersol sowie für die Fondsinvestoren dar.

Seit Ende 2007 hatte ECOreporter.de mehrfach auf die besondere Struktur bei ersol hingewiesen und erläutert, dass von den besten Solargesellschaften am ehesten ersol für eine Übernahme in Frage käme. Lesen Sie dazu unter anderem das ECOreporter.de-Interview mit Claus Beneking vom Februar 2007 und das ECOreporter.de-Interview mit Dr. Helmut Vorndran, Vorstandssprecher der Düsseldorfer Ventizz Capital Partners Advisory AG, vom Oktober 2007

Der Vorstand der ersol AG erklärte, Bosch sei ein exzellenter Partner für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Thüringer Photovoltaik-Unternehmens. Dr. Claus Beneking, Vorstandsvorsitzender der ersol Solar Energy AG, kündigte an, dass er im Laufe der nächsten Monate „aus persönlichen Gründen“ aus dem Vorstand der ersol AG ausscheiden werde. Er werde dem Unternehmen jedoch eng verbunden bleiben und ihm noch für einige Jahre als Berater zur Verfügung stehen.

ersol entwickelt, fertigt und vertreibt waferbasierte Siliziumsolarzellen und Dünnschicht-Module. Die ersol-Gruppe hatte 160 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2007, mehr als 300 Millionen Euro Umsatz erwartet sie für 2008 erwartet. Derzeit beschäftigt sie rund 1 000 Mitarbeiter an drei Standorten.
Burkhard Weiss, Analyst bei der Düssledorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, erklärt im Gespräch mit ECOreporter.de: „Ersol passt sehr gut ins Portfolio von Bosch.“ Bosch habe in der Vergangenheit bereits den Heizungsbauer Buderus gekauft, um seine Angebotspalette zu erweitern. Das Unternehmen können seine bestehenden Vertriebkanäle nutzen, um die Produkte von ersol zu verkaufen. „Bosch kann als Energiedienstleister alles aus einer Hand anbieten“, so Weiss, der Vertriebsschwerpunkt werde im Bereich der privaten Haushalte liegen.

Der Experte erwartet, dass Solarstrom bereits 2015 die sogenannte „Grid-Parität“ erreichen wird. „Dann ist er billiger als Strom aus der Steckdose.“

Laut Weiss handelt es sich um eine strategische Übernahme. Die ersol sei eines der wenigen Solarunternehmen gewesen, bei dem mehr als 50 Prozent der Aktien in einer Hand lagen. Seinen Berechnungen zufolge entspricht der Kaufpreis dem dreifachen des ersol-Umsatzes, und dem zehn fachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA). „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2009 beträgt auf diesem Niveau 22“, so Weiss gegenüber ECOreporter.de: „Die Q-Cells AG ist zwar derzeit noch teuerer, SolarWorld aber billiger. Bisher wurde ersol mit Discount auf die Branche gehandelt. Die Übernahme ist extrem positiv für den Sektor. Zudem hat die Politik beim EEG Ende letzter Woche mit Augenmass korrigiert. Das sind sehr gute Signale. Bosch wird versuchen, ersol auf Dauer ganz zu übernehmen.

Bosch hat ein Übernahmeangebot an alle ersol-Aktionäre abgegeben, Aktien zum Stückpreis von 101 Euro pro Aktie in bar zu übernehmen.
Zusätzlich zu Ventizz haben sich laut Bosch bereits weitere ersol-Aktionäre, die insgesamt 3,3 Prozent der Anteile halten, verpflichtet, das Angebot anzunehmen.

Mit dem Erwerb will Bosch das Geschäft im Bereich regenerativer Energien stärken. "Bosch will mit Lösungen zur Umwelt- und Ressourcenschonung beitragen. Dieses Geschäft wollen wir in Richtung Photovoltaik gemeinsam mit ersol ausbauen. Wir setzen dabei in starkem Maße auf das Know-how und die Erfahrung der Führungskräfte und Mitarbeiter von ersol", sagte Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung.

Bereits heute ist Bosch mit Systemen zur Nutzung regenerativer Energien auf dem Markt und will mit den bestehenden Aktivitäten 2008 einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro erzielen. Bosch Rexroth liefert beispielsweise Getriebe- und Antriebstechnik für Windenergieanlagen, entwickelt Antriebskonzepte für die noch junge Meeresenergiegewinnung und bietet mit hydraulischen Verstellsystemen Lösungen für solarthermische Kraftwerke. Bosch Thermotechnik ist darüber hinaus zum Marktführer in dem dynamisch wachsenden Markt für Elektrowärmepumpen aufgestiegen und ein führender Hersteller von Solarkollektoren für die Warmwasseraufbereitung. Im Juni 2007 ist Bosch eine Kooperation mit der BASF SE, Ludwigshafen, und der Heliatek GmbH, Dresden, auf dem Zukunftsgebiet der Organischen Photovoltaik eingegangen. Ziel dieser Kooperation ist, Solarzellen deutlich kostengünstiger herzustellen und gleichzeitig die Zahl der Anwendungsgebiete zu steigern.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Mit Kraftfahrzeug- und Industrietechnik sowie Gebrauchsgütern und Gebäudetechnik erwirtschafteten rund 271 000 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2007 einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre mehr als 300 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 50 Ländern. Dieser weltweite Entwicklungs-, Fertigungs- und Vertriebsverbund ist die Voraussetzung für weiteres Wachstum. Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861-1942) in Stuttgart gegründet.

Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen, langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 % bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte sind mehrheitlich bei der Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Die ersol-Aktie legte nach Bekanntgabe der Übernahme in der ersten Börsenstunde spektakulär zu. Bis 9:25 Uhr verteuerte sie sich in Frankfurt um 62,5 Prozent auf 38,81 Euro.


ersol Solar Energy AG: ISIN DE0006627532 / WKN 662753
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