Über die Rolle der Offshore-Windkraft bei der Energiewende in Deutschland wird weiter gestritten. Siemens ist einer der Konzerne, die als Technologie- und Service-Lieferanten sehr aktiv ist. / Quelle: Unternehmen

  Erneuerbare Energie

Branchenverbände fordern neues Offshore-Windkraft-Gesetz

Die Offshore-Windkraft kann trotz der Schwierigkeiten und Verzögerungen - speziell in der Nordsee – eine Schlüsselrolle bei der Energiewende Deutschlands spielen. Diesen Standpunkt vertreten der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft und der Windkraftverband VDMA Power Systems. Allerdings sei dies nur möglich, wenn für die Offshore-Windkraft bald ein eigenes Gesetz geschaffen werde, losgelöst vom Erneuerbare-Energien-Gesetz. Das erklärte Thorsten Herdan, Geschäftsführer und energiepolitischer Sprecher des VDMA auf dem achten Deutschen Energiekongress in München.

Die Bundesregierung knüpft große Energiewende-Ziele an die Offshore-Windkraft. Bis 2020 sollen sich Windräder mit 10.000 Megawatt (MW) in der deutschen Nord- und Ostsee drehen. Wegen Schwierigkeiten mit den Netzanschlüssen und der Logistik ist Deutschland jedoch noch sehr weit davon entfernt, dieses Ziel zu erreichen. Selbst der Netzbetreiber TenneT, der für die Stromnetzanschlüsse der Nordsee-Windkraft verantwortlich ist, hegt große Zweifel an der Erreichbarkeit dieser Zielmarke (ECOreporter.de berichtete).

VDMA und BDEW bekräftigten nun gemeinsam ihre Forderung nach einer einschneidenden Reform für das Strommarktdesign in Deutschland, die auch die Offshore-Windkraft auf einen besseren Zukunftskurs bringen soll: „Offshore-Wind ist eine eigene Industrie: Nach der Wahl muss es deshalb ein Vorschaltgesetz für Offshore-Windenergie geben - abgekoppelt von der EEG-Novelle“, fordert  VDMA-Geschäftsführer Herdan von der kommenden Bundesregierung nach dem 22. September 2013. „Ansonsten sind jenseits der laufenden ersten Ausbaustufe von zusammen knapp drei Gigawatt keine weiteren Investitionen möglich und die Offshore-Windindustrie fällt in ein tiefes Auftragsloch am wichtigen Heimatmarkt“, warnt er. Ziel dieses eigenständigen Gesetzes sei zum ein sichereres Marktimfeld für potenzielle Investoren zu schaffen und die Kosten der Offshore-Windkraft zu senken. Ein EEG-Vorschaltgestz, wie Herdan es nennt, könne das Potenzial entfalten, die  Kosten des Ausbaus der Offshore-Windkraft um ein Drittel zu senken.

Hildegard Müller, die Geschäftsführerin des BDEW geht in Ihrer Bewertung der Rolle der Offshore-Windkraft für Deutschland noch einen Schritt weiter: „Der BDEW ist der festen Überzeugung, dass eine effiziente Erreichung eines Anteils von 60, 70 oder 80 Prozent Erneuerbarer Energien am Brutto-Stromverbrauch nur mit Offshore-Windenergie möglich sein wird“, sagt sie. Offshore-Windkraft trage wegen der Grundlastfähigkeit dieses Grünstroms zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit in Deutschland bei und verringere den Bedarf an teurer Speichertechnologie, argumentiert sie.

Kritiker des schnellen Ausbaus der Offshore-Windkraft zu einer tragenden Säule der Energiewende bis 2020 führen dagegen die Kosten ins Feld, die der Ausbau der Stromnetze in Deutschland mit sich bringt, um den Offshore-Windstrom in Großen Mengen an Land zu bringen. Ihr Argument lautet: der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren Energien an Land könne den Ausbau der Stromnetze wesentlich günstiger ausfallen lassen.

VDMA und BDEW fordern überdies gemeinsam, dass „jede neue Bundesregierung - egal welcher Couleur - nach dem 22. September das Gelingen des Projektes Energiewende in den Mittelpunkt ihrer Energiepolitik“ stellen sollte. Das EEG müsse deshalb so reformiert werden, dass der Ausbau der Stromnetze mit dem Ausbau der Grünstromkapazitäten synchronisiert werde.
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