Betreiber von landwirtschaftlich genutzten Dachsolaranlagen wie dieser hier in Sachsen wären wohl von der neuen Abgabe betroffen. / Quelle: Murphy & Spitz Green Capital AG.

  Erneuerbare Energie

BSW Solar entsetzt: Müssen Selbstversorger bald kräftig zahlen?

Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Kosten der Energiewende auf mehr Schultern verteilen. Deshalb sollen Solarstrom-Selbstversorger zur Kasse gebeten werden. Der Bundesverband der Solarindustrie ist entsetzt und warnt vor Investitionsausfällen und damit letztlich millionenschweren  Mehrkosten für die Allgemeinheit der Stromverbraucher.

Bisher sorgten die Reformpläne von Gabriel zum Erneuerbare-Energie-Gesetz vor allem in der Windkraftbranche für Aufruhr (ECOreporter.deberichtete) Nun kritisiert der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW Solar) einen Umsteuerungsvorschlag von Gabriel schwer:  Der Minister will, dass die Selbstversorger unter den Solaranlagenbetreibern mit Kraftwerken über 10 kW Leistungskapazität künftig 4,4 Cent pro Kilowattstunde beisteuern.
Das träfe vor allem Unternehmen, die ihren täglichen Strombedarf selbst decken, beispielsweise ein Kühlhaus über eine Dachsolaranlage mit Strom versorgen.  Für den BSW Solar ist Gabriels Plan deshalb unhaltbar: Der Verband geht davon aus, dass die neue Abgabe „den überwiegenden Teil gewerblicher und industrieller Neuinvestitionen in Solaranlagen unrentabel“ machen wird. Das Problem: Die Zeit, bis eine solche Solaranlage ihre Kosten wieder eingespielt hat, würde sich um sieben Jahre verlängern. Für eine gewerbliche Dach-Photovoltaikanlage mit 60 KW Kapazität würde der durchschnittliche Armotisationszeitraum von maximal zehn auf 17 Jahre steigen. Bei einer industriellen Anlage mit 250 KW dürfte sich dieser Zeitraum von durchschnittlich maximal zwölf auf bis zu 19 Jahre ausdehnen.  


Bis zu 300 Millionen Euro Mehrkosten?

„Die Öko-Abgabe würde die umweltfreundliche solare Eigenstromerzeugung insbesondere im Mittelstand, in der Landwirtschaft und im Gewerbe weitgehend unattraktiv machen. Die Rentabilität vieler neuer Solarstromanlagen würde zerstört, Investoren abgeschreckt. Der im letzten Jahr um fast 60 Prozent eingebrochene Solarmarkt droht damit unter die gewollte Mindestmarke von jährlich 2.500 Megawatt zu rutschen“, erklärt der BSW Solar. Die befürchtete Konsequenz: Ein Großteil dieser betroffenen Gewerbebetriebe mit Solaranlagen kehrt zurück zur festen staatlichen Einspeisevergütung.  Dies zusammengenommen mit der EEG-Umlage für Selbstversorger werde nicht zu einer Ersparnis bei der EEG-Umlage führenn sondern bis 2018 zu bis zu 300 Millionen Euro Mehrkosten führen, so der Branchenverband.

„Ungerecht und klimapoklitisch k
ontraproduktiv“
„Die Energiewende-Kosten sollten zunächst die Verursacher der Umwelt- und Klimaschäden tragen. Es ist unbegreiflich, dass der Betriebsstrom von Kohlekraftwerken und der Kohlebergbau weitgehend von der EEG-Umlage befreit bleiben, während Nutzer selbst erzeugten Solarstroms zur Kasse gebeten werden sollen“,  zürnt BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig:  „Wer selbst erzeugten Solarstrom auch selbst verbraucht, entlastet nicht nur das Klima, sondern auch das Energiewendekonto, weil er auf die EEG-Vergütung verzichtet. Er macht den Netzausbau günstiger, weil weniger Strom transportiert werden muss und schont das Klima“, erklärt Körnig. „Wenn ein Investor seinen Strombezug statt mit eine Solaranlage mit dem Kauf stromsparender Geräte und Maschinen senken würde, käme doch auch niemand auf die Idee, diese vergleichbare Einsparung zu besteuern“, sagt Körnig. Die geplante Abgabe auf solare Selbstversorger sei deshalb ungerecht, klimapolitisch kontraproduktiv und bringe nicht die erhofften Einsparungen, sagt der Hauptgeschäftsführer.

Bildnachweis: Findet deutliche Worte zur geplanten Abgabe für Solarstrom-Selbstversorger: BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. / Quelle: Unternehmen
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x