16.05.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Buchtipp: Bitterfelder Bogen - das Wunder um Q-Cells

Q-Cells?  Natürlich  kennen  Sie  Q-Cells.  Das  deutsche Solarunternehmen, das so  erfolgreich  war,  dass es einmal  SolarWorld überholte,  das  aber irgendwie nie richtig  greifbar  scheint.  Alleine  der  Name:  Q-Cells.  Und  dann  eine  lange  Zeit  ein  ehemaliger  McKinsey-Berater an der Spitze: Anton  Milner. Der  hatte  nie  das  so  greifbare  Profil  eines  Frank Asbeck, SolarWorld-Vorstand  und -Gründer, Milner hatte nie diese bodenständige „Junge-von nebenan“-Ausstrahlung wie Phönix-Solar-Vorstand Andreas Hänel. Ein Konzern,  angesiedelt bei Bitterfeld, im Solar Valley, in einer  Kunstwelt – möchte man zumindest meinen. Eine  Solarfirma, die so rasch wuchs, dass die Anleger,  die Nachbarn, ja sogar der Markt ihr nie so nahe  waren, sich nie mit ihr so identifizierten wie mit  SolarWorld  oder  Phönix  Solar.

Wer Monika Marons Buch „Bitterfelder Bogen“ liest, der wird erkennen, dass hier ein grandioser Irrtum vorliegt.  Ihr Buch endet mit den Sätzen „Vielleicht ist der  Geist, der Q-Cells hervorgebracht hat, der Gründergeist, das Glück der gemeinsamen Arbeit am  Richtigen….vielleicht ist dieser Geist nicht vereinbar mit der Welt der großen Konzerne, der Übernahmen und Fusionen, des Zwangs zum Wachstum und zu steigenden Gewinnen.“

Monika  Maron  hat  mit  diesem  Buch  die  Geschichte  des  Solarunternehmens Q-Cells  nachgezeichnet, aber auch einen Teil der Geschichte  der Stadt Bitterfeld und einen Teil ihrer eigenen  Geschichte. Denn sie hatte den Mut, als ostdeutsche  Journalistin vor etwa  30  Jahren, noch vor dem Mauerfall, über die Umweltverschmutzung  in der Chemieregion Bitterfeld zu schreiben. Und nun hat sie diese Region noch einmal besucht, ausführlich mit den Menschen dort gesprochen und ihr Bild der Solar-Region beschrieben. Monika Maron ist keine Finanzexpertin, und vielleicht  gerade deshalb hat sie einen Blick auf das Unternehmen Q-Cells, der für alle solar-interessierten  Finanzfachleute erhellend ist.  

Sie  zeigt  die Menschen,  die  Q-Cells  gründeten.  Anders  als mancher  vermuten wird, waren  das  keine Wellenreiter, die den Boom von SolarWorld  sahen und rasch, mithilfe von Businessplan und  Fremdkapital,  im  subventionierten  Osten  eine  eigene  moderne  Solarproduktion  aufzogen.  Es  war so ganz, ganz anders. Da gab es zum Beispiel einen Ingenieur Clemens Triebel, der schon Anfang der achtziger Jahre kleine Windräder betrieb, tüftelte, verbesserte, der gegen die bleiernen Verhältnisse in der westdeutschen Energiewirtschaft mit Technik agierte. Da gab es den offenbar genial verrückten, visionären  Reiner Lemoine, Luft- und Raumfahrttechniker, Marxist und Arbeitstier. Und die Firma Wuseltronik, eine Abkürzung  für Wind- und Sonnenelektronik. So ganz nebenbei: Lemoine  und Triebel haben die Solon AG gegründet, eine auch nicht gerade unbekannte  Solarfirma  aus  Berlin.  Wie  die  beiden zu Q-Cells kamen, wie die Solarzellernproduzentin zum Weltmarktführer aufstieg, wie aus der genialen Bastlerei ein Konzern wurde, das zeigt Monika Maron mit ihrem mittlerweile entspannten Schreibstil. 

Es ist kein Ostalgie-Buch, es ist keine Wirtschafts-Fachlektüre – es  ist die  leicht  lesbare und doch  berührende  Geschichte  eines  kleinen  Wunders  mit  großen  Wirkungen.  Wer  allerdings  weder  die  deutschen  oder  gar  weltweiten  Energieverhältnisse  in  den  80er  Jahren  im  Kopf  hat,  die  Atommächte,  die  betonierten  politischen  Energiestrukturen, der wird wohl gar nicht begreifen  können, wie groß das Wunder um Q-Cells und die deutsche Solarindustrie ist, und wie  hoch man  den  Erfolg  der  deutschen  Erneuerbare-Energie- Bewegung gerade angesichts der damaligen Widerstände schätzen muss.

Bitterfelder Bogen
Autorin: Monika Maron
S. Fischer Verlag, 2009
173 Seiten; 18,95 Euro
ISBN 978-3-10-048828-2
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