Die Genossenschaftler von BürgerEnergie Berlin sind für ihr Anliegen auch auf die Straße gegangen. / Foto: Unternehmen

  Erneuerbare Energie, Anleihen / AIF

Bürgergenossenschaft bietet Millionen für Berlins Stromnetz

Die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin will das Stromnetz der Bundeshauptstadt kaufen. Um die Konzession dafür zu erhalten, hat sie dem Berliner Senat ein konkretes Angebot vorgelegt. Und weil die Zahl der Bewerber nach einigen Rückziehern auf drei zurückgegangen ist, kann sich BürgerEnergie Berlin durchaus Hoffnungen machen, den Zuschlag zu erhalten. Neben der BürgerEnergie Berlin bieten nur noch der alte Netzbetreiber Vattenfall und der Landesbetrieb Berlin Energie um das Stromnetz. Geplant sei eine Beteiligung der Genossenschaft als Kooperationspartner des Landes. Dazu hätten mehr als 2.000 Bürger bislang rund 10 Millionen Euro bereitgestellt, so die Genossenschaft.  BürgerEnergie Berlin habe auch bereits ein Team zusammengestellt, das den technischen Betrieb des Stromnetzes von Vattenfall übernehmen soll.

Beim Gasnetz will die Bürgergenossenschaft eng mit dem Landesbetrieb Berlin Energie kooperieren. Hier werde allerdings noch verhandelt. „Wir sehen gute Chancen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit und echte Bürgerpartizipation“,  sagt Hartmut Gaßner, Aufsichtsratsvorsitzender der BürgerEnergie Berlin.


Das Beteiligungsmodell Energiegenossenschaft boomt

Energiegenossenschaften sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Deshalb hat  der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DRGV) gemeinsam mit den genossenschaftlichen Regionalverbänden Ende 2013 ebenfalls in Berlin eine  Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften aus der Taufe gehoben. Aufgabe dieser neu geschaffenen Institution werde die Interessenvertretung von gut 700 Energiegenossenschaften mit rund 150.000 Mitgliedern sein, hatte der DRGV zum Start erklärt. Dem Verband zufolge sind 90 Prozent aller derzeit aktiven Energiegenossenschaften in den vergangenen fünf Jahren gegründet worden.

Beflügelt wurde dieser Boom unter anderem durch zwei Dinge: Zum einen hat die Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) 2013 die Regeln für geschlossene Fonds so verändert, dass es zu einer Marktverlagerung kam. Zum anderen haben Energiegenossenschaften im Vergleich anderen Direktbeteiligungen zu Erneuerbaren Energien  vergleichsweise niedrige Einstiegsschwellen: Bei mehr als zwei Dritteln der Energiegenossenschaften ist die Beteiligung laut DGRV bereits unter 500 Euro möglich. Ein Viertel der Genossenschaften verlangen zwischen zehn und 100 Euro als Mindesthürde zum Einstieg. Die durchschnittliche Mindestbeteiligung aller Energiegenossenschaften liegt dem Verband zufolge bei rund 625 Euro.
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