Der Ausbau der Offshore-Windkraft geht nicht so schnell voran, wie die Bundesregierung es sich wünscht. Im Bild: Die Verladung einer Offshore-Windturbine von Siemens. / Quelle: Unternehmen

  Erneuerbare Energie

Bundesamt zweifelt an Offshore-Windkraft-Ziel bis 2020

Bis 2020 sollen vor Deutschlands Küsten in der Nord- und in der Ostsee Windräder mit 10.000 Megawatt (MW) in Betrieb sein. Dieses Ziel ist eine Wegmarke der Offshore-Windkraftstrategie der Bundesregierung. Im Angesicht der zahlreichen, teils Jahre langen Verzögerungen, mit der die Offshore-Windkraftbranche bei der Errichtung der Windparks zur See zu kämpfen hat, mehren sich nun die offiziellen Stimmen, die das Offshore-Windkraftziel der Bundesregierung in Zweifel ziehen: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie geht nach den Worten des zuständigen Referatsleiters Nico Nolte aktuell davon aus, dass dieses Ziel um 20 bis 30 Prozent verfehlt werden wird.

„Wenn die zweite Welle von Offshore-Projekten 2015 in Gang kommt, sind 7000 bis 8000 MW bis zum Jahr 2020 realistisch. Das setzt die Bereitschaft der Unternehmen, Geld zu investieren und verlässliche Rahmenbedingungen zur Förderung der Offshore-Windkraft voraus“, erklärte Nolte nun gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Eine Einschätzung, die Gewicht haben dürfte, denn Nolte beaufsichtigt seit Beginn der 2000er Jahre den Ausbau der deutschen Offshore-Windkraft. Das BSH untersteht dem Bundesverkehrsministerium und  entscheidet über Baugenehmigungen für Offshore-Windparks und überwacht die Einhaltung der dabei erteilten Auflagen.

Zur Jahreshälfte 2013 verfügte Deutschland lediglich über 385 MW Offshore-Windkraft-Kapazität. Davon wurden 80 MW in 2012 ans Netz angeschlossen und Anlagen mit einer Gesamtleistung von 105 MW im ersten Halbjahr 2013. Dass  die Offshore-Windkraft so sehr hinter den Zielen der Bundesregierung hinterherhinkt, liegt zum Teil daran, dass der  für die Stromnetzanschlüsse der Offshore-Windparks betraute Netzbetreiber TenneT diese Anschlüsse vielfach nicht wie geplant bereit stellen konnte.

Als zweites großes Problem, das bisher zu Verzögerungen führte galt bislang auch die Logistik – konkret: die Verfügbarkeit von Errichterschiffen (dieser Beitrag thematisiert die Problemlage der Offshore-Windkraftbranche am Beispiel des mittlerweile in Betrieb gegangenen Hochsee-Windparks Bard Offshore 1). Auch TenneT selbst hat auf Grundlage einer Studie unlängst das 10.000-MW-Offshore-Ausbauziel angezweifelt. Gegen das Ergebnis dieser Studie klingt die Einschätzung des BSH-Referatsleiters Nolte geradezu optimistisch, denn die Studienautoren gehen von maximal 6.000 MW Offshore-Windkraft-Leistung bis 2020 aus (mehr dazu lesen Sie hier). 
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