Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert "eine konsequente Auffarbeitung des Falles Prokon" im Namen des Anlegerschutzes. / Quelle: Bundesministerium der Finanzen (Ilja C. Hendel)

31.01.14 Anleihen / AIF

Bundesfinanzminister Schäuble: „Fall Prokon aufarbeiten“

Braucht der sogenannte graue Kapitalmarkt - also der Handel mit Direktbeteiligungen wie Anleihen, Genussscheinen oder geschlossenen Fonds - im Namen des Anlegerschutzes strengere Regeln? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat diese Frage vor dem Hintergrund der spektakulären Pleite von Prokon gegenüber dem 'Handelsblatt' mit einem klaren Ja beantwortet, Es gelte nun, „Grauzonen im Finanzmarkt besser zu regulieren und zu beaufsichtigen“, wird Schüble in der Online-Ausgabe vom ‚Handelsblatt‘ vom heutigen Freitag zitiert. „Hierzu gehört die konsequente Aufarbeitung des Falles Prokon“, so der Bundesfinanzminister. Deshalb habe sein Ministerium die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) um Vorschläge gebeten, wie der Anlegerschutz künftig verbessert werden könnte.


Erst Mitte Juli 2013 war der Markt für geschlossene Beteiligungen durch das neue  Kapitalanlage-Gesetzbuch (KAGB) im Namen des Anlegerschutzes neu reguliert worden. Dies ging allerdings nicht auf eine Initiative des deutschen Finanzministeriums zurück, sondern geschah als Umsetzung einer EU-Richtline zu alternativen Investments der AIFM-Richtline.

Die Insolvenz von Prokon betrifft 75.000 Anleger, die zusammen 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital investiert haben. Ob mehr oder schärfere Kapitalmarktregeln tatsächlich einen Fall wie den von Prokon vermeiden können, ist fraglich (lesen Sie dazu auch diesen  frei zugänglichen  Standpunkt von Jörg Rohwedder, ehemaliger Geschäftsführer der Bewegungsstiftung).

Gegenüber dem Handelsblatt schränkt Bundesminister Schäuble diese These selbst schon ein: „Selbst eine noch bessere Regulierung wird nur bedingt helfen, wenn die Anleger nur auf die Rendite und nicht auf die Risiken achten. Wir brauchen deshalb nicht nur mündige Bürger, sondern eine andere Anlagekultur.“

Prokon ist seit Mitte Januar 2014 insolvent. Das Unternehmen geriet in Schieflage nachdem immer mehr Anleger von den kurzfristigen Kündigungsfristen ihrer Anleihen Gebrauch gemacht hatten. ECOreporter.de hatte die Problemlage bereits im Dezember 2013 exakt vorausgesagt. Details zum Geschäftsmodell von Prokon, den Hintergründen der Misere und dazu, was Juristen den betroffenen Anlegern jetzt raten, finden Sie auf dieser ECOreporter.de-Sonderseite (Link entfernt).
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