Die Nachfrage nach Solarmodulen und anderen Produkten ist in China ungebrochen. / Foto: Pixabay

20.10.17 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Chinas Solar-Boom: 250 Gigawatt bis 2020 installiert?

Es gibt neue Zahlen zum chinesischen Solarmarkt: Bis Ende September sind in China bereits Solaranlagen mit 42 Gigawatt Leistung neu installiert worden. Die Volksrepublik will im Gesamtjahr 2017 einen Zubau von 50 Gigawatt erreichen. Damit müssten im letzten Quartal monatlich nur durchschnittlich 2,7 Gigawatt zugebaut werden.

Nach dem aktuellen Bericht des unabhängigen Beratungsunternehmens Asia Europe Clean Energy Advisory (AECEA) sind von Januar bis Ende September neue Photovoltaik-Anlagen mit rund 42 Gigawatt installiert worden. Allein im Juni und Juli waren es 25 GW an neuer Photovoltaik-Leistung  - ein Grund dafür dürfte sein, dass die Solarförderung zur Jahresmitte erheblich gekürzt wurde. 

China: 250 Gigawatt Solar-Leistung bis zum Jahr 2020 möglich

Wegen einiger Feiertage werde der Zubau neuer Anlagen in China im Oktober etwas rückläufig sein, teilte AECEA mit. Erfahrungsgemäß ziehe die Nachfrage im November und Dezember aber wieder an. Die 50 Gigawatt seien in unmittelbarer Reichweite, hieß es.

Zum Vergleich: In Deutschland peilt die Bundesregierung für 2017 einen Solar-Zubau von 2,5 GW an. Dieses Ziel wurde in den Vorjahren deutlich verfehlt. Zur Jahresmitte waren hierzulande insgesamt rund 42 GW an Solarstromkapazität installiert.

Probleme bei den Einspeisevergütungen

Für die Jahre 2018 bis 2020 erwarten die AECEA-Analysten einen Solar-Zubau von jeweils 35 bis 40 GW in China. Damit könnte die gesamte (kumulierte) Photovoltaik-Leistung bis 2020 in dem Land etwa 250 GW erreichen. Das ist deutlich mehr, als die chinesische Regierung ursprünglich geplant hatte. Sie wollte eigentlich bis 2020 Solaranlagen mit einer Leistung von 105 Gigawatt installieren. Im August hob die Nationalen Energiebehörde NEA dann das Ziel auf 200 GW an.

Problematisch ist dabei der Anstieg der Einspeisevergütungen für Solarstrom in China. Der anfallende Betrag könnte ab kommendem Jahr etwa 15 bis 18 Milliarden US-Dollar jährlich betragen, berichtet AECEA. Die Auszahlungen an die Solaranlagenbetreiber verzögern sich immer häufiger und länger – was zu einem Problem für Konzerne werden kann, die in China nicht nur Solartechnik herstellen, sondern auch Solarparks betreiben.

Das erklärte Ziel der Nationalen Energiebehörde ist deshalb, die Einspeisevergütung bis 2020 um 50 Prozent gegenüber dem Niveau von 2015 zu senken. Zudem könnte das bestehende Modell mit Einspeisetarifen durch einen Zertifikatehandel abgelöst werden.

Außerdem bleibt der Ausbau des chinesischen Stromnetzes schon jetzt deutlich hinter dem Solarzubau zurück. China hat in den vergangenen Jahren den Ausbau der Erneuerbaren Energien so massiv gefördert, dass nun die Netze überlastet sind. Vielerorts sind die Stromnetze angesichts des großen Stromangebots zu alt.

Solar-Kapazitäten stoßen an ihre Grenzen

Derweil vergrößern die Photovoltaik-Hersteller ihre Kapazitäten immmer weiter. AECEA berichtet unter Berufung auf den Industrieverband CPIA, dass während der ersten drei Quartale die inländische Polysilizium-Produktion um 17 Prozent auf 170.000 Tonnen kletterte. Die Solarwafer-Kapazitäten stiegen um 44 Prozent auf 62 GW, die von Solarzellen um 50 Prozent auf 51 GW und die für Solarmodule um 43 Prozent auf 53 GW.

Nach Schätzungen seien rund 80 Prozent der in China produzierten Solarmodule im Inland geblieben. Die größten Exportziele chinesischer Modul-Hersteller waren Indien und Südkorea.

Marktforscher von IHS Markit rechneten für 2017 damit, dass die Solarhersteller an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Lieferengpässe könnten demnach bald zu Verzögerungen bei der Umsetzung von Solarparks führen (wir berichteten). Hinzu kommt: Nur bei einem Solarboom wie derzeit sind solche spektakulären Produktionskapazitäten ausgelastet.
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