24.07.09

Chinesische Solaraktien im Aufwind - wie berechtigt sind die Hoffnungen auf einen Aufblühen der Photovoltaik in China?



Für Aktionäre der Hersteller von Solarprodukten, die in China produzieren, ist der Juli 2009 ein sehr guter Monat. Die Kurs von Unternehmen wie China Sunergy, Suntech und Trina Solar kletterten um rund 30 Prozent, weitere Aktien wie LDK Solar, Renesola und Yingli Green Energy legten über 20 Prozent zu. Hintergrund sind die sich verstärkenden Anzeichen dafür, dass Peking der von der weltweiten Krise des Solarsektors gebeutelten einheimischen Photovoltaikbranche mit vielen Milliarden unter die Arme greifen will. Denn zum einen hat die Branche etliche der immer noch raren chinesischen Unternehmen hervor gebracht, die sich als ‚global player’ etabliert haben. Zum anderen leiden diese besonders stark unter der durch Finanzkrise und Konjunkturschwäche weltweit geschwächten Nachfrage für Solarprodukte.  Denn die chinesischen Photovoltaikfirmen setzen bislang 95 Prozent ihrer Produkte im Ausland ab. Ein Aufleben des Heimatmarktes würde ihnen neue Absatzmöglichkeiten eröffnen.

Vor zwei Wochen wurde ein Beschluss der staatlichen Energiebehörde bekannt, die Solarenergiekapazität Chinas innerhalb der beiden kommenden Jahre auf zwei Gigawatt zu erhöhen. Demnächst will die Regierung in Peking Einzelheiten zu der in Aussicht gestellten Förderung einheimischer Sonnenstromprojekte zu veröffentlichen. In dieser Woche informierte das Finanzministerium dazu erste Pläne. Demnach sieht dessen Programm mit dem Titel „Goldene Sonne“ vor, dass Peking beim Neubau von Solarparks die Hälfte der Kosten übernimmt. Bei Solarparks in Regionen ohne funktionierenden Netzanschluss will die Regierung sogar 70 Prozent der Projektkosten tragen. Vorausgesetzt wird dafür, dass die Anlagen eine Mindestleistung von 300 Kilowattstunden aufweisen, innerhalb eines Jahres errichtet werden und dann 20 Jahre lang betrieben werden. Mit dieser Maßnahme sollen in zwei bis drei Jahren zusätzliche 500 Megawatt an Solarkapazität entstehen. 2008 waren erst 100 Megawatt Photovoltaikleistung in China installiert.

Diese Nachricht befeuerte die Kurse chinesischer Solaraktien. Der US-Analyst Jesse Pichel von Piper Jaffray rechnet damit, dass vor allem Suntech und Yingli Green Energy von der neu verkündeten Maßnahme profitieren werden. Es handele sich nicht nur um die beiden größten Solarunternehmen aus China, sie weisen nach seinen Worten auch die niedrigsten Produktionskosten unter den einheimischen Herstellern auf und bieten zugleich die beste Qualität. Suntech ist der weltweit führende Hersteller von Solarmodulen, engagiert sich daneben verstärkt in der Projektierung von Aufdach-Solaranlagen. Dieser Sektor soll in China  besonders gefördert werden (wir Opens external link in new windowberichteten). Yingli Green Energy hat in dieser Woche eine Allianz mit dem chinesischen Energiekonzern Guandong Nuclear Power Holding zur gemeinsamen Entwicklung von Solarprojekten vereinbart und mit der staatlichen Hanain Develorpment den Aufbau eines Gemeinschaftsunternehmens verabredet, um in der Provinz Hanain Solarparks zu errichten. Ferner kündigte Yingli den Bau einer Produktionsstätte in dieser Provinz an. Die Fabrik in Haikou soll Silizium-Ingots, Wafer, Solarzellen und –module herstellen und eine Jahreskapazität von 100 Megawatt erreichen.

Auch Thimo Lang von der Züricher Sustainable Asset Management (SAM) rechnet mit einem Aufschwung des chinesischen Photovoltaikmarktes. Er lobt neben Yingli und Suntech auch andere Unternehmen aus China und dem davon abgespaltenen Taiwan wie E-Ton, Gintech und Canadian Solar (die zwar in Kanada ihren Hauptsitz hat, aber in China produziert) für ihre Kostenvorteile gegenüber westlichen Konkurrenten. Europäische Hersteller würden ihre Solarzellen und –module derzeit um 30 Prozent teurer anbieten als chinesische und litten stark unter dieser Konkurrenz. Umgekehrt sei es für Unternehmen aus dem Westen kaum möglich, im chinesischen Solarmarkt Fuß zu fassen.

Das versucht die deutsche Q-Cells SE über ein Gemeinschaftsunternehmen, das sie mit der chinesischen LDK Solar gegründet hat. Michael Tappeiner von der UniCredit geht aber davon aus, dass das joint venture erst in ein bis drei Jahren den Deutschen nennenswerte Einnahmen bescheren wird. Ben Lynch von Bryan Garnier lobt dennoch die Strategie der Deutschen. Trotz der zuletzt miserablen Geschäftszahlen des Thalheimer Solarunternehmens rät er langfristig ausgerichteten Anlegern zu Kauf der Aktie.

Jesse Pichel von Piper Jaffray geht davon aus, dass das Programm „Goldene Sonne“ sich auch auf die Photovoltaikbranche als Ganzes positiv auswirken wird. Es werde dazu beitragen, die gegenwärtigen Überkapazitäten bei Solarprodukten abzubauen und die zuletzt stark eingebrochenen Preise zu stabilisieren. Diesen Optimismus teilt Sam Dubinsky von Oppenheimer & Co. nicht. Ihm zufolge sind die Ausbauziele für die Photovoltaik in China zu gering, um das weltweite Angebot an Solarprodukte wesentlich zu absorbieren. Zum Vergleich: nach einer aktuellen Einschätzung wird in Italien in diesem Jahr die Nachfrage für Solarmodule rund 400 Megawatt betragen und damit fast so hoch ausfallen wie die Menge, die durch „Goldene Sonne“ nachgefragt werden soll. Für den weltweit größten Solarmarkt wird eine Nachfrage von über zwei Gigawatt in 2009 erwartet (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu unserem Bericht darüber).

Auch Mehdi Hosseini von FBR Capital Markets glaubt zudem nicht, dass das angekündigte Programm bereits im Geschäftsjahr 2009 nennenswerte Auswirkungen auf chinesische Solarunternehmen haben wird. Vielmehr sei auch bei chinesischen Solarproduzenten vorerst mit enttäuschenden Geschäftszahlen zu rechnen. Dies schlage sich in der Kursentwicklung der letzten Wochen aber nicht nieder. Jong-Yuk Kim ist Fondsmanager bei KDC Asset Management, die etliche Nachhaltigkeitsfonds managt. Nach seiner Einschätzung sollten nur sehr risikobereite Investoren auf Investments in den chinesischen Solarbereich setzen.



Bildhinweis: Europa-Chef Jerry Stokes präsentiert ein Solarmodul von Suntech auf der Intersolar in München. / Quelle: ECOreporter.de
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x