01.07.08

Das ABN Amro Wind TR Index Zertifikat - hält die Auswahl an Windaktien, was sie verspricht?

Der weltweite Windkraftboom hält an. Wie der internationale Branchendachverband GWEC (Global Wind Energy Council) ermittelte, ist 2007 die neu installierte Windkraftkapazität um 30 Prozent auf 20 Gigawatt (GW) gestiegen. Damit wuchs der Windmarkt noch schneller als im Vorjahr (25 Prozent). Vieles spricht dafür, dass dieses dynamische Wachstum sich fortsetzt. Laut einer aktuellen Marktstudie des auf klimaschonende Technologien spezialisierten US-Beratungsunternehmens Emerging Energy Research (EER) wird sich das Volumen des Windmarktes bis 2020 verfünffachen. Es geht davon aus, dass der jährliche Ausbau der Windkraftkapazitäten von 20.000 Megawatt (MW) in 2007 bis 2020 auf 50.000 MW steigen wird.

Der Ansatz
Das Wind Open End Zertifikat der niederländischen Bank ABN Amro auf den WindTR Index ermöglicht Anlegern das Investment in diesen boomenden Markt. Es notiert in Euro und wurde im April 2006 emittiert. Wer das in Frankfurt börsengehandelte Wertpapier erwirbt, setzt auf einen Aktienkorb von zehn Unternehmen aus der Windkraftbranche. An der Wertentwicklung dieser Auswahl werden Zeichner des Zertifikats im Bezugsverhältnis 1 zu 1 beteiligt. In dem zu Grunde liegenden WindTR Index sind je fünf Hersteller von Windkraftanlagen und fünf Projektierer von Windparks enthalten.

Es sind dies:
•    Gamesa Corp. (Gewichtung: 19,73 Prozent)
•    Vestas Wind Systems (19,12 Prozent)
•    EDF Energies Nouvelles (17,15 Prozent)
•    REpower Systems (12,24 Prozent)
•    Nordex AG (11,83 Prozent)
•    Theolia (5,59 Prozent)
•    Babcock & Brown (5,22 Prozent)
•    Clipper Windpower (4,16 Prozent)
•    Greentech Energy (3,17 Prozent)
•    Japan Wind Development (1,80 Prozent)

Das regionale Schwergewicht liegt bei dieser Auswahl eindeutig auf Europa. Das ist wenig überraschend. Aufgrund der Vorgabe der EU, bis 2020 den Energiebedarf der Staatengemeinschaft zu 20 Prozent durch Erneuerbare Energie zu decken, wird hier auf breiter Front in Windkraft investiert. Auch haben weiterhin die meisten führenden Unternehmen der Windkraftbranche ihren Sitz in Europa. Mit Clipper aus Kalifornien, Babcock aus Australien und Japan Wind sind aber auch drei weitere Kontinente in dem Index enthalten.
Auswahlkriterien
Wie Funda Tarhan von der Frankfurter Niederlassung der Bank ABN Amro gegenüber ECOreporter.de erläutert, basiert die Titelauswahl des Zertifikats auf einem Index von Standard & Poor’s. Für den WindTR Index kämen ausschließlich Unternehmen in Frage, die mindestens die Hälfte ihrer Erträge aus dem Geschäft mit Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema "Windkraft“ generieren. Ferner sei es zwingend, dass die Firmen im Index eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 500 Millionen Dollar aufweisen. Um die Liquidität der Aktien zu gewährleisten, müssen sie zudem im Börsenhandel einen Mindestumsatz pro Aktie und pro Tag von mindestens einer Million Euro erreichen. Ein Nachhaltigkeitsresearch findet laut Tarhan nicht statt. Der Index werde zweimal im Jahr auf seine Zusammensetzung hin überprüft.

Kosten
Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,0 Prozent. Das Kapital wird zu 100 Prozent in die Aktien im Index investiert.

Transparenz
Im Internet informiert ABN Amro frei verfügbar über die wesentlichen Aspekte das ABN Amro Wind TR Index Zertifikats.
Innovation
Bei diesem Produkt handelt es sich um ein standardisiertes Performance-Index-Zertifikat. Es ist nach dem selben Strickmuster wie andere Zertifkate von ABN Amro aus dem Bereich Nachhaltigkeit/Erneuerbare Energien entworfen. Mit geringem Aufwand wird hier eine Aktienauswahl von Unternehmen aus der Windkraftbranche erstellt.

Ökologische Wirkung
Die zunehmende Verteuerung fossiler Energieträger und vor allem der fortschreitende Klimawandel machen eine Umkehr bei der Energieversorgung unumgänglich. Kurz- und mittelfristig kann unter den Erneuerbaren Energien wohl nur die Windkraft einen großen Anteil an der weltweiten Energieversorgung übernehmen. Hier ist die Technologie binnen 20 Jahren weit fortgeschritten. Die im Wind TR Index enthaltenen Anlagenbauer produzieren dafür die Anlagen und entwickeln als weltweit führende Unternehmen immer leistungsfähigere Windräder.  Die in der Auswahl aufgeführten Projektierer verfügen über das Know how und beschaffen das Kapital, um Windkraftprojekte umzusetzen.
Generell ist die ökologische Wirkung von Zertifikaten gering. Zertifikate, die auf Windaktien setzen und so die Nachfrage dafür erhöhen, können immerhin Kurszuwächse anstoßen. Je attraktiver eine Windaktie notiert, desto leichter fällt es dem jeweiligen Unternehmen, Kapital für weiteres Wachstum und die Weiterentwicklung der Windkrafttechnologie einzuwerben. Zudem kann es seine Aktie leichter als Mittel einzusetzen, um andere Unternehmen zu erwerben, so etwa seine Zulieferkette zu verbessern und effizienter zu wirtschaften.


Chancen/Risiken
Mit einem Geldkurs von aktuell 141,43 Euro und einem Briefkurs von Euro notiert das ABN Amro Wind TR Index Zertifikat 143,55 Euro zwei Jahre nach der Emission deutlich über dem Startkurs von 130 Euro. Der Spread beträgt 1,48 Prozent. Allerdings zeigte sich das Wertpapier sehr schwankungsfreudig, es pendelte bislang zwischen einem Allzeit-Tief von 108,19 Euro (17.8.2007) und einem Allzeit-Hoch von 158,225 Euro (3.6.2008). Langfristig sind die Marktchancen für Windkraftunternehmen und damit die Aussichten für die Performance des TR Index rosig. Denn weltweit herrscht ein großer Bedarf für Erneuerbare Energie, die Fördersysteme für Windkrafft werden in vielen Ländern verbessert oder installiert. Insbesondere in den Märkten von China, Indien und den Vereinigten Staaten ist das Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Aber es gibt auch Risiken. So trägt das Förderprogramm „federal production tax credit“ (PTC) den Aufschwung der Windenergie in den Vereinigten Staaten. Es hat dazu geführt, dass nirgendwo auf der Welt die Windkraftkapazitäten so sehr erweitert werden wie in den USA und dort Windkraftunternehmen sehr gute Geschäfte machen. Dieses Förderprogramm läuft aber nur noch bis Ende 2008. Ob und in welcher Form die Förderung fortgesetzt wird, ist noch unsicher. Als es vor Jahren schon einmal gestoppt wurde, brach der US-Windmarkt massiv ein. Ferner gelten Indien und vor allem China als die Windmärkte mit der größten Zukunft. Jedoch gibt es dort enorme bürokratische Hemmnisse und sonstige Einschränkungen für ausländische Unternehmen. Zum Beispiel ist China kein Rechtsstaat, daher stehen Kooperationen mit Partnern vor Ort rechtlich auf wackligen Füßen. Inwiefern sich die Investitionen von Windkraftanlagenherstellern in dem Land auf lange Sicht wirklich rechnen, ist noch offen.
Fazit
Das ABN Amro Wind TR Index Zertifikat baut auf eine überzeugende Auswahl von Windaktien. Es handelt sich um führende Windkraftunternehmen, die sich in aussichtsreichen Märkten viel versprechend aufgestellt haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Performance des Wertpapiers auch weiter insgesamt positiv ausfallen wird. Allerdings konzentriert sich der Aktienkorb auf eine Auswahl aus einem kleinen Marktsegment. Die Windkraft ist zudem eine vergleichsweise junge Technologie, Rückschläge sind  möglich.
Auch aus Nachhaltigkeitssicht kann die Titelauswahl überzeugen, obwohl der ökologische Nutzen bei der Zeichnung eines Zertifikats eher gering ist.
ABN Amro Wind TR Index Zertifikat
WKN: AA0WND
ISIN: NL0000856722
Laufzeit: unbegrenzt
Börsennotiz: Frankfurt

Sicherheitshinweis für das Investment in Zertifikate
Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der Bank, die das Wertpapier emittiert. Das bedeutet, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert, sollte die Emittentin in Konkurs gehen. Das unterscheidet Zertifikate etwa von Fonds. Diese sind Sondervermögen der Banken und werden nur von ihnen verwaltet. Auch bei einer Insolvenz bleiben die Fondsanteile Eigentum der Anleger.
Daher ist die Bonität der Emittentin ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Zertifikats. So sollten Anleger solche Wertpapiere nicht nur von einer einzigen Bank erwerben, sondern das Risiko streuen. Wie schnell aus dem potentiellen ein reales Risiko werden kann, zeigte im Frühjahr 2008 der Fall der US-amerikanischen Großbank Bear Stearns. Das traditionsreiche Unternehmen geriet im Zuge der Finanzkrise in den USA binnen kurzer Zeit in wirtschaftliche Not und setzte den Handel seiner Zertifikate vorübergehend aus. Nur mit Not konnte die Bank die Pleite abwenden.
Ein weiterer Schwachpunkt von Zertifikaten ist die Preisbildung. Der Preis orientiert sich hier nicht unbedingt am Basiswert, zum Beispiel dem zu Grunde liegenden Index. Vielmehr ist die Bonität der Emittentin für die Wertbestimmung der Papiere im Markt mitentscheidend. Wenn die emittierende Bank ins Trudeln gerät, stellt sie keine Preise mehr. Die Anleger können dann ihre Zertifikate nicht verkaufen, selbst dann nicht, wenn die Papiere über Börsen handelbar sind.

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x