24.06.11 Fonds / ETF

„Das Geldanlagethema Wassereffizienz hat großes Potenzial“- Interview mit Dr. Gerhard Wagner, Swisscanto Asset Management



ECOreporter.de: Herr Dr. Wagner, auf den ersten Blick scheint der Rohstoff Wasser relativ unspektakulär. Warum ist das für Sie ein interessantes Investmentthema?

Gerhard Wagner: Es stimmt, dass andere Rohstoffe die Schlagzeilen bestimmen - etwa Gold, Silber oder Rohöl. Doch Wasser steht unberechtigt in deren Schatten, denn es ist nicht minder wichtig. Im Gegenteil: Wasser ist die Grundlage allen Lebens und damit existenziell. Und die steigende Nachfrage bei begrenztem Angebot macht diesen Rohstoff auch als Investmentthema sehr attraktiv. Ob Trinkwasserversorgung oder Abwasserreinigung - es werden Weiterentwicklungen und enorme Investitionen in den kommenden Jahrzehnten erfolgen, um auch nur einigermaßen mit der steigenden Nachfrage nach Trinkwasser Schritt halten zu können. Für Anleger bedeutet das: sie können von attraktiven Wachstumsraten von Unternehmen im Wassersektor profitieren.


ECOreporter.de:Welchen Teilbereich im Wassersektor zählen Sie zu Ihren Favoriten?

Wagner:
Ein Favorit im gesamten Investmentbereich „Wasser“ ist das Thema Wassereffizienz. Es ist hinlänglich bekannt, dass in der Produktion von Waren und Lebensmitteln enorme Wassermengen eingesetzt werden und ein nicht unerheblicher Teil durch falsche Bewässerung dabei verschwendet wird. Technologien zur Reduzierung des Wasserverbrauchs, etwa die Tröpfchen-Bewässerung in der Landwirtschaft, sind im Kommen und erfreuen sich einer stark wachsenden Nachfrage. Neben der Reduzierung des Wasserverbrauchs bewirkt die Tröpfchen-Bewässerung bei vielen Pflanzen ein verbessertes Wachstum. Dies ist ein wichtiger Beweggrund, dass immer mehr Landwirtschaftsbetriebe Tröpfchen-Bewässerungssysteme einsetzen. Davon profitieren Unternehmen, die diese Technologie anbieten und weiterentwickeln.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie weitere Chancen?

Wagner:
Unternehmen, die die Wasserverluste in der zum Teil überalterten Wasserinfrastruktur verringern, werden in den nächsten Jahren ebenfalls auf attraktive Wachstumsmöglichkeiten stoßen. Dabei geht es einerseits um die teilweise komplizierte Lokalisierung der Wasserverluste in den riesigen Wasserversorgungssystemen der Metropolen. Andererseits geht es um die Erneuerung der Wasserrohrleitungssysteme. Und das kann sich als sehr anspruchsvoll und teuer erweisen.


ECOreporter.de: Welche Rolle spielt die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung?

Wagner: Die Bevölkerungszunahme und der gestiegene Lebensstandard, insbesondere in den Schwellenländern, ist einer der wichtigsten Gründe, warum dem Thema Wasser eine immer größere Bedeutung zukommt - und damit auch in den Fokus der Anleger rückt. Die Wasserversorgung möglichst vieler Menschen steht daher häufig im Mittelpunkt staatlicher Bemühungen. In den Emerging Markets erfolgen derzeit und künftig Milliardeninvestitionen, von denen Unternehmen profitieren, die etwa die Ausweitung und die Erstellung einer Wasserinfrastruktur bewerkstelligen.


ECOreporter.de: Warum sollten Anleger Wasserinvestments im Depot berücksichtigen?

Wagner: Ein solides Marktwachstum inklusive hohem Investitionsbedarf und das begrenzte Wasserangebot bei steigender Nachfrage sprechen für sich. Darüber hinaus muss man sich klar machen, dass es für Wasser keinen Ersatz gibt wie für andere Rohstoffe. Erdöl lasst sich bei den Anwendungen prinzipiell durch einen anderen Stoff ersetzen, Wasser hingegen nicht. Anleger sollten das blaue Gold in ihrem Depot berücksichtigen - sofern sie über ein bestimmtes Maß Risikobereitschaft verfügen und die marktüblichen Kursschwankungen akzeptieren. Denn das Segment Wasser lässt sich als Investor am direktesten über Aktieninvestments abbilden.

ECOreporter.de:Was empfehlen Sie den Investoren?


Wagner: Aus Diversifikationsgründen eignen sich besonders Fondslösungen. Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette rund um das Lebenselixier tätig sind, weisen häufig eine relativ geringe Marktkapitalisierung auf und sind entsprechend volatil im Kursverhalten. Der "Swisscanto (LU) Equity Fund Water Invest B" zum Beispiel beinhaltet zwischen 40 und 60 Werte und erfüllt damit das Kriterium einer recht breiten Streuung. Anleger können über diesen Wasserfonds, der bei der Titelselektion nachhaltige Kriterien berücksichtigt, effizient an den künftigen Entwicklungen partizipieren.


ECOreporter.de: Wie entwickelte sich der Swisscanto (LU) Equity Fund Water Invest B seit der Erstauflage?

Wagner: Der Fonds startete im September 2007 und musste daher zuerst durch das schwere Fahrwasser der Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier waren Verluste - wie bei fast allen Aktienfonds - leider unausweichlich. Auf 3-Jahres-Sicht erzielte der Fonds einen Wertzuwachs von 6,3 Prozent, während die Benchmark (MSCI World) lediglich 4,5 Prozent zulegte. In den vergangenen zwölf Monaten betrug die Rendite 15,7 Prozent (Benchmark 10,2 Prozent - alle Daten sind Stand Ende Mai 2011).

ECOreporter.de: Herr Dr. Wagner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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