17.07.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Fonds / ETF

Das gewisse Etwas - der Trend zur nachhaltigen Geldanlage

Was haben der Schokoladenunternehmer Alfred T. Ritter, die ebay-Deutschland-Gründer Alexander, Marc und Oliver Samwer, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin und Susanne Klatten aus der Quandt-Familie gemeinsam? Natürlich: Sie haben viel Geld, hunderte Millionen bis mehrere Milliarden. Doch noch etwas anderes verbindet sie: Sie investieren gar nicht kleine Teile ihres Vermögens nachhaltig.

Die Samwers und die Google-Gründer beispielsweise stecken beträchtliche Summen in Erneuerbare Energie. Ebenso wie Susanne Klatten, der wesentliche Teile des deutschen Windkraftproduzenten Nordex gehören. Immer mehr große Geldgeber pumpen immer größere Beträge in nachhaltige Projekte oder Unternehmen. Natürlich wollen sie Renditen. Aber nicht nur für das Portemonnaie – auch für die Umwelt. Und das nicht als Alibi-Veranstaltung, sondern aus Überzeugung.

So wurde Alfred T. Ritter bereits 1997 „Öko-Manager des Jahres“. Der Anstoß für Ritters Interesse an Erneuerbarer Energie war der Atomunfall von Tschernobyl in den 80er Jahren, als die ausgestoßene radioaktive Wolke auch die Geschäfte des Schokoladenunternehmens beeinträchtigte: Die Türkei, obwohl weit vom Ort des Atomunfalls entfernt, konnte nur noch hochgradig mit Cäsium verseuchte Haselnüsse liefern. Das veranlasste Ritter zum Nachdenken über alternative Energieformen und letztlich zu Investitionen in die Solarenergie. Heute sollen die Erneuerbare-Energie-Unternehmen der Familie Ritter bereits bequem an die Umsätze der Schokoladenfabrikation heranreichen.

Ein wachsender Milliardenmarkt

Noch Anfang des letzten Jahrzehnts galten nachhaltige Geldanlagen als Domäne der Privatanleger. Die bezahlten Bürgerwindparks, manche interessierten sich für die wenigen Umwelttechnikfonds, die der Markt damals zu bieten hatte. Später kamen die ersten reinen Umweltaktien an die Börsen. Nachhaltigkeit wurde zum Milliardenmarkt; alleine in offenen Fonds steckten Anfang 2009 18,5 Milliarden Euro. Viele Anleger wollen mit nachhaltigem Investment ihre privaten Einstellungen und die Geldanlage unter einen Hut bringen. Die Zielgruppe für nachhaltige Geldanlagen wächst stetig. Laut einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt von TNS Infratest 2008 unter Wertpapierbesitzern, kommen beispielsweise bereits für ein Drittel der Befragten Geldanlagen nach ökologischen Kriterien in Betracht. Lediglich 17 % könnten sich gar nicht vorstellen, in Umweltanlagen zu investieren. Auffällig: Für rund die Hälfte der Beamten stellen Öko-Investments eine überlegenswerte Alternative dar.

Nachhaltig krisenfest

Unter Anlegern, die Öko-Investments favorisieren, gibt es laut der Untersuchung eine klare Tendenz zu einem Engagement in Erneuerbare Energien. An zweiter Stelle kämen Investments in Technologien, die helfen, die Umwelt zu schonen. Hier würden 40 Prozent der an Umweltanlagen Interessierten investieren, so die Umfrage. Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Unternehmen in der Finanzkrise besser abschnitten als ihre konventionellen Wettbewerber. In 16 von 18 untersuchten Branchen entwickelte sich demnach der Börsenwert der nachhaltigen Unternehmen zwischen Mai und November 2008 durchschnittlich um 15 Prozent besser als bei den Konkurrenten.

Natürlich schwanken auch nachhaltige Geldanlagen. Doch insgesamt, so die Meinung nahezu aller Experten für nachhaltiges Investment, stimme der Trend. Man muss nur langfristig dabei bleiben. Die Solarenergie etwa ist keine Branche, die sich in Monaten gegen konventionelle Energien durchsetzen kann. Betrachtet man aber ihre Fortschritte, dann wird klar, warum auch konventionelle Energieunternehmen immer schneller auf nachhaltige Produktion umstellen. Die Langfristigkeit ist also ein wesentliches Element für den Erfolg bei der nachhaltigen Geldanlage.



Bildhinweis: Windkraftprojekt in Nordfriesland. / Quelle: BVT
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