Marc Banasiak (rechts im Bild) ist Diplom-Kaufmann, Marcus Florek ist Finanzfachwirt. Gemeinsam bilden die beiden die Geschäftsführung des Emissionshauses Luana Capital aus Hamburg. / Quelle: Unternehmen

19.12.14 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

„Das größte Marktpotenzial für Blockheizkraftwerke liegt in der Wohnungswirtschaft“ – die Geschäftsführung von Luana Capital im Interview

Das Hamburger Emissionshaus Luana Capital bietet unter anderem Direktbeteiligungen zu Blockheizkraftwerken (BHKW) an. Aktuell können Anleger in den Geschlossenen Fonds „Blockheizkraftwerke Deutschland 2“ investieren. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Marc Banasiak und Marcus Folrek darüber, wie die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz den Markt verändert hat, inwiefern das Ausbauziel der Bundesregierung für Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen noch erreichbar ist und welches BHKW-Anlagesegment in Deutschland das größte Marktpotential hat.

ECOreporter.de: Bis 2020 sollen 25 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK)-Anlagen stammen. Aktuell liegen wir bei 16,2 Prozent. Stand heute, wie realistisch ist dieses Ziel?

Marc Banasiak:  Im Moment muss man davon ausgehen, dass das Ziel mit großer Wahrscheinlichkeit verfehlt wird. Die Hauptgründe dafür sind folgende: Erstens: Das EEG 2014, mit der Maßgabe der gestaffelten EEG-Umlage auf Eigenstrom, hat den Markt der Neuinstallationen von Blockheizkraftwerken (BHKW) im Rahmen des Eigenbetriebes massiv einbrechen lassen. Zweitens: Die niedrigen Preise für den Stromverkauf an der EEX in Leipzig von derzeit 31,5 EUR/MWh gegenüber dem Höchstpreis von 2008 von 73,17 EUR/MWh lassen bei vielen BHKW den Betrieb schnell unwirtschaftlich werden, sollte nicht genügend Strom vom Endkunden/ Betreiber verbraucht werden können. Der dritte Grund für die Stagnation des Ausbaus ist die faktische Beendigung der Biomasse-KWK.

Marcus Florek:  Als weiterhin limitierender Faktor stellt sich grundsätzlich immer noch die Planung und Ausführung im Rahmen der KWK dar, da die Fachkompetenz vor allem in dem Bereich Planung und Handwerk nicht innerhalb kurzer Zeit, wie beispielsweise beim Boom in der Photovoltaik, verdoppelt oder verdreifacht werden kann. So treffen im Bereich KWK mehrere Fachgewerke in ihrer Komplexität zusammen, von Strom und Erdgas über Hydraulik bis zum Abgas und nicht zuletzt auch die Finanzierung der Anlagen.

ECOreporter.de: Was müsste passieren, damit das KWK-Ausbauziel in Deutschland noch erreicht werden kann?

Banasiak:  Die für den Sommer 2015 geplante Novelle des KWK-G müsste ein deutliches Zeichen setzen und die Rahmenbedingungen insgesamt attraktiver gestalten, um einen Ausgleich zu den Einschnitten durch das aktuelle EEG und die niedrigen Börsenstrompreise zu schaffen.

ECOreporter.de: Wie hat die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz den KWK-Markt in Deutschland verändert? Hat der Markt durch die Reform Auftrieb bekommen, oder wurde die Marktlage mit Inkrafttreten des neuen EEG schwieriger?

Florek:  Der Markt stagniert derzeit. Neubauvorhaben und Anlagemodernisierungen sind in ihrer Umsetzung deutlich schwieriger geworden. Die Gründe liegen auf der Hand. Die Hälfte aller KWK-Anlagen ist bisher im Bereich der Fernwärmeversorgung angesiedelt und speist daher ihren Strom ins Netz ein. Aufgrund der geringen Vergütung der Stromseite kann schlicht die Wirtschaftlichkeit der BHKW nicht immer entsprechend dargestellt werden. Somit kommt es sowohl bei Neuinstallationen als auch bei Anlagemodernisierungen zu Rückgängen. Durch die Kürzung der Vergütungen bei der Biomasse wurde weiteres Marktpotenzial zum Erliegen gebracht.

ECOreporter.de: Nach der EEG Reform soll nun auch das KWK-Gesetz reformiert werden. Welche Reformen sind zu erwarten und wie wirken sich diese auf Ihr Geschäftsmodell aus?

Florek:  Im Januar 2015 soll es dazu ein Eckpunktepapier geben; vorher ist im Prinzip alles spekulativ. Hört man den Marktteilnehmern aber aufmerksam zu, dann kann man feststellen, dass die Erwartungen dahin gehen, dass zumindest ein Ausgleich für die eingeführte EEG-Umlage gewährt wird und somit beispielsweise die Zuschlagssätze für eingespeisten KWK-Strom erhöht werden.

Foto: Luana Capital investiert in Blockheizkraftwerke. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: KWK-Anlagen gibt es in verschiedenen Größenordnungen, vom Kraftwerk im Keller eines Privathauses bis hin zur industriellen Großanlage. In welchem Anlagesegment liegt aktuell und künftig das größte Marktpotenzial für Direktbeteiligungsangebote in Deutschland?

Banasiak:  Das größte Potenzial liegt im Bereich Wohnungswirtschaft, da hier aktuell noch ein gewisser Nachholbedarf besteht, was die Energiepreise angeht. Hier spielt allerdings die Größenordnung der BHKW eine besondere Rolle. Privathäuser haben häufig nicht den Energiebedarf, der es ermöglicht ein BHKW wirtschaftlich zu betreiben. Die Anschaffungspreise im Verhältnis zu dem entsprechenden Output im Bereich der Mikro-BHKW sind noch nicht gegeben. Insofern sehen wir bei auf Grundlast ausgelegten BHKW den Einstieg erst ab 50 Wohneinheiten.
Industrielle Großanlagen bleiben grundsätzlich interessant für eine Direktbeteiligung, allerdings ist hier die individuelle Planungsleistung deutlich aufwendiger und der Zeitrahmen bis zur Inbetriebnahme in der Regel erheblich länger.

ECOreporter.de: Der Börsenpreis für Strom in Deutschland ist stark gefallen. Wie wirkt sich dies auf Anlagenbetreiber aus? Wie rentabel können KWK-Anlagen aktuell in Deutschland betrieben werden und was sind die wichtigsten Faktoren der dafür?
 
Florek:  Der niedrige Börsenpreis stellt sich für Anlagenbetreiber als große Herausforderung dar, da die Netzeinspeisung aktuell wenig lukrativ ist. Ein allerdings bereits unter diesen Bedingungen funktionierendes Projekt bietet natürlich ein interessantes Potenzial in den kommenden Jahren, sofern sich die Börse wieder nach oben bewegt.

Banasiak:  Bei der Auslegung eines BHKW auf die Grundlast eines Projektes ist insbesondere darauf zu achten, dass der Jahresnutzungsgrad bei mindestens 70 Prozent liegt. Anders formuliert könnte man auch sagen, dass die Dimensionierung eines BHKW auf keinen Fall zu groß sein darf, da es ansonsten möglicherweise die Stundenlaufzeiten nicht erreicht und dementsprechend die Wirtschaftlichkeit nicht darstellbar ist. Des Weiteren sind vor dem Hintergrund des geringen Börsenstrompreises der Stromverbrauch vor Ort und der KWK-Zuschlag elementar wichtig.

ECOreporter.de:  Die KWK-Branche kritisiert unter anderem die EEG-Umlagebefreiung für Industrieunternehmen als Bremse für Neuinvestitionen in diese Technologie. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Banasiak:  Die ist ein Thema, dass aus mehreren Richtungen zu analysieren ist. Zum einen darf sich Deutschland nicht selbst behindern im internationalen Wettkampf. Das steht außer jeder Frage. Nichtsdestotrotz geht die Energiewende in Deutschland uns alle an und daher müssen wir auch gemeinsam dafür einstehen. Die Energiewende findet insofern vor allem in der Mittelschicht statt.

ECOreporter.de: Wir danken Ihnen beiden für das Gespräch!

In einem   ECOanlagecheck (Link entfernt)  hat ECOreporter.de den geschlossenen Fonds „Blockheizkraftwerke Deutschland 2“ von Luana Capital unter die Lupe genommen.

Über das Marktpotential von KWK-Anlagen haben wir vor kurzem auch ein ausführliches Interview mit dem Finanzvorstand der 2G Energy AG veröffentlicht. Per  Mausklick (Link entfernt)  gelangen Sie zu dem Beitrag.
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