Westliche Hersteller die Silizium nach China exportieren, müssen künftig Zölle zahlen. Die deutsche Wacker Chemie AG bleibt vorerst verschont. / Quelle: Unternehmen

  Erneuerbare Energie

Das Imperium schlägt zurück: China erhebt Siliziumzölle

Der Photovoltaik-Handelsstreit zwischen China und Teilen der westlichen Branche gewinnt an Schärfe. Die chinesische Regierung antwortet auf die Strafzölle auf chinesische Solartechnik in den USA und der EU (ECOreporter.de berichtete) mit Importzöllen auf den wichtigen Photovoltaik-Rohstoff Silizium: Ab dem kommenden Mittwoch, 24. Juli 2013 soll die Einführ von Silizium aus den USA und Südkorea mit einem Zoll belegt werden. Europäische Siliziumproduzenten wie die Wacker Chemie AG aus München werden vorerst ausgespart.

Die Zölle sollen auf hoch reines Silizium erhoben werden, so wie es direkt bei der Produktion von kristalliner Solartechnik weiterverarbeitet wird. Weniger reines Silizium, wie es die Halbleiterindustrie nutzt, bleibt vorerst verschont. Betroffen sind Unternehmen, die entweder in den USA oder Südkorea produzieren. Für die in Korea produzierenden Konzerne werden bis zu 48 Prozent Zoll fällig, Silizium made in the USA soll ab kommender Woche mit bis zu 57 Prozent Importzoll belegt werden.

Am härtesten trifft es die Solarkonzerne AE Polysilicon aus Morrisville in Pensylvania, Hemlock Semiconducter aus Michigan und SunEdisun aus St. Peters in Missouri. Auf ihre Ware soll beim Export nach China künftig zwieschen 57 und 53,3 Prozent erhoben werden. Ebenfalls für den Höchstsatz 57 Prozent vorgesehen ist der norwegische Solarkonzern Renewable Energy Corp. ASA aus Sandvika. Denn auch dieses Unternehmen stellt sein Silizium in den USA her. REC kämpft derzeit ums wirtschaftliche Überleben und plant deshalb, die Siliziumsparte als eigenständiges Börsenunternehmen abzutrennen (ECOreporter.de berichtete) Der koreanische Hersteller OCI, ebenfalls ein wichtiger Akteur am Solarsilizium-Weltmarkt soll hingegen nur mit 2,4 Prozent Zoll belegt werden.

Das die Siliziumhersteller aus Europa (noch) nicht mit gleicher Härte in das Zollsystem integriert sind, liegt zum einen daran, dass die Strafzölle in der EU erst seit gut anderthalb Monaten gelten und vorläufiger Natur sind. Zum anderen haben sowohl Politiker aus der EU – darunter auch die deutsche Führung – sich bislang gegen endgültige Strafzölle ausgesprochen und Verhandlungsbereitschaft mit China signalisiert. Aktuell finden Gespräche zwischen der EU und China  statt. In den USA wird für chinesische Solartechnik bis zu 250 Prozent Anti-Dumping-Zoll erhoben. In der EU sind es vorerst pauschal 12,5 Prozent.

Auch die westliche Solarbranche ist beim Thema Importzölle weiterhin tief gespalten. Vor allem Hersteller, darunter allen voran SolarWorld aus Bonn sind wehemente Verfechter der Strafzölle. Ihnen gegenüber stehen vor allem Rohstofflieferanten wie eben Wacker Chemie oder Solarausrüster, die in China wichtige Großkunden haben.  Auf beiden Seiten gibt es Interessensverbände, die beide argumentieren, dass die westliche Solarbranche und damit zahlreiche wichtige Arbeitsplätze bedroht sind.
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