Nachhaltige Aktien 20.04.2015 „Es gibt für Windkraft in Deutschland noch für viele Jahre ausreichend gute Standorte.“ - Interview mit Alexander Koffka, ABO Invest AG Drucken Weiterempfehlen nicht mit Facebook verbunden Facebook "Like"-Dummy nicht mit Twitter verbunden "Tweet this"-Dummy nicht mit Google+ verbunden "Google+1"-Dummy Alexander Koffka ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Der studierte Germanist und Journalist ist Sprecher der ABO Invest AG, die Windparks betreibt./ Foto: Unternehmen

11.06.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Das nächste Windkraftprojekt der ABO Invest wird wohl in Irland, Deutschland oder Frankreich stehen“ - Alexander Koffka, ABO Invest AG

Die sogenannte Bürgerwindaktie der ABO Invest AG hat ihren Anlegern seit ihrer Erstnotiz 2011 mit kontinuierlichen Kursgewinnen Freude bereitet. Im ECOreporter.de-Interview spricht Alexander Koffka darüber, wie sich das schwache Windjahr 2014 auf die Bilanzen ausgewirkt hat, wo und wie das Unternehmen aus Wiesbaden ihr Auslandsgeschäft ausbauen will und darüber, was das kommende Ausschreibungsmodell für Windkraftvorhaben in Deutschland für das ABO-Invest-Geschäftsmodell bedeutet.

Die ABO Invest AG ist Aussteller und Sponsor der Messe Grünes Geld Stuttgart am Samstag, den 20. Juni 2015, im Haus der Wirtschaft Willi-Bleicher-Str. 19. Bei freiem Eintritt können sich die Besucher dort einen umfassenden Überblick über Trends, Entwicklungen und Angebote am nachhaltigen Finanrzmarkt machen. Von ethisch-ökologisch einwandfreien Banken über Mikrofinanzspezialisten bis hin zu Anbietern „grüner“ Aktienfonds oder Ökostrom-Direktbeteiligungen - die Messe spiegelt die gesamte Vielfalt des nachhaltigen Kapitalmarktes wider. Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein umfangreiches Vortragsprogramm rund um nachhaltige Investments und eine Podiumsdiskussion zum Thema „Niedrigzins: Experten verraten wie Sie die größten Risiken bei der Geldanlage vermeiden“. Moderiert wird die Diskussion von dem ARD-Börsenfachmann und Wirtschaftsjournalisten Stefan Wolff.  Ein Kinderprogramm macht Grünes Geld Stuttgart familienfreundlich (mehr zur Messe lesen Sie  hier).


ECOreporter.de:  Die ABO Invest AG hat im Geschäftsjahr 2014 weniger Umsatz erzielt als ursprünglich prognostiziert. Woran hat das gelegen und wie beeinflusst dies die Unternehmensstrategie?

Alexander Koffka:  In den Vorjahren entsprachen die Stromerträge immer ziemlich genau der Prognose. Mal haben wir zwei Prozent mehr produziert, mal zwei Prozent weniger. Zwischen 2010 und 2013 waren die Abweichungen nicht der Rede wert. 2014 sind wir mit 8 Prozent erstmals deutlich abgewichen von der Prognose – und zwar leider nach unten.
Erstmals ist es nicht gelungen, ein windschwaches Jahr in einzelnen Regionen durch Mehrerträge in anderen Regionen weitestgehend zu kompensieren. Von den zehn Windparks, die 2014 Strom produziert haben, waren neun schlechter und nur einer besser als geplant.
Es ist sicher unschön, 8 Prozent weniger Strom als erwartet zu produzieren. Trotzdem bestätigt auch das fast flächendeckend unterdurchschnittliche Windjahr die Unternehmensstrategie. Denn ohne die regionale Streuung mittels europaweit verteilter Windparks hätte es noch deutlich schlechter laufen können. Im Südwesten Deutschlands beispielsweise blieb der Windindex 2014 sogar um mehr als 15 Prozent hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück.
Auch das enttäuschende Jahr 2014 belegt also: Je besser die Windkraftanlagen verteilt sind, umso größer ist die Chance, die Erwartungen langfristig zu erfüllen. Daher erschließen wir weiterhin neue Regionen für uns. So betreibt ABO Invest seit Frühjahr 2015 Windparks in der französischen Auvergne und im hessischen Taunus. Dort waren wir vorher nicht aktiv. Im Bau befindet sich zudem unser erster finnischer Windpark.


ECOreporter.de: Lassen sich Windkrafterträge überhaupt zuverlässig kalkulieren?

Koffka:  Die Branche hat dazugelernt und die Qualität der Gutachten ist mittlerweile sehr hoch. Basis für die Gutachten sind die Ertragsdaten umliegender Windparks und gegebenenfalls zusätzliche Daten von am Standort selbst vorgenommenen Messungen. Allerdings beziehen sich die prognostizierten Erträge auf einen langjährigen Durchschnitt. Wenn in einzelnen Jahren weniger Strom produziert wird, stellt das weder die Zuverlässigkeit der Gutachten noch die Wirtschaftlichkeit der Windparks in Frage.

ECOreporter.de: Wie sehen die Prognosen für 2015 aus? Wie sollen sich Umsatz und Gewinn bis einschließlich Jahresende entwickeln?

Koffka:  Dank des weiteren Ausbaus des Portfolios wächst die Stromproduktion in diesem Jahr auf deutlich mehr als 300.000 Megawattstunden statt 218.000 Megawattstunden im Vorjahr. Vorausgesetzt ist allerdings, dass 2015 in Summe ein mindestens durchschnittliches Windjahr wird. Diesbezüglich sind wir ganz zuversichtlich, denn nach einem recht windigen Wonnemonat lagen wir zum 31. Mai „nur“ 2,8 Prozent hinter der Prognose zurück. Ende April waren es noch 7 Prozent. Da der Juni gut angefangen hat, könnten wir in Kürze im Soll sein. Auf unserer  Homepage  lässt sich übrigens aktuell nachvollziehen, wie gut oder schlecht die einzelnen Windparks laufen.
Beim Umsatz werden wir in diesem Jahr wohl fast an die Schwelle von 30 Millionen  Euro kommen – nach 18,4 Millionen im Vorjahr. Auch beim Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erwarten wir eine deutliche Steigerung auf knapp 23 Millionen Euro (Vorjahr: 13, Millionen Euro). Wegen der hohen Zinsbelastung in der ersten Betriebsphase von Windparks und den Abschreibungen bleibt das Konzernergebnis dagegen planmäßig auch in den nächsten Jahren negativ. Nach aktuellen Planungen erwirtschaftet das Unternehmen ab 2019 Jahresüberschüsse.

Foto: Der Windpark Weilrod nahe Wiesbaden ist eine der jüngsten Neuerwerbungen der ABO Invest AG. / Foto: Unternehmen

ECOreporter.de: ABO Invest ist im Begriff den eigenen Kraftwerkspark zu erweitern, unter anderem in Finnland. Inwiefern gibt es weitere spruchreife Projekte, die zu der Erweiterung in nächster Zeit beitragen sollen?

Koffka:  Aktuell ist am wahrscheinlichsten, dass das nächste Windkraftprojekt der ABO Invest in Irland, Deutschland oder Frankreich stehen wird. In Finnland wollen wir die ersten Ergebnisse aus Haapajärvi abwarten. Prinzipiell interessant wäre auch ein Projekt in Schottland. Im Moment halten wir uns möglichst viele Optionen offen und werden vermutlich erst im letzten Quartal 2015 über den nächsten Kauf entscheiden.

ECOreporter.de: Windparkvorhaben sollen in Deutschland ab 2017 über zentrale Ausschreibungen vergeben werden. Mittelständische Marktakteure sehen sich dabei gegenüber Großkonzernen im Nachteil. Wie wird das Geschäftsmodell der ABO Invest AG betroffen sein und wie werden Sie mit Ausschreibungen in Deutschland umgehen, verlegen Sie ihr Aktivitäten künftig noch stärker auf andere Märkte?

Koffka:  ABO Invest zählt zu den renommierten und erfahrenen Windkraftinvestoren und ist mit aktuell 62 Windenergieanlagen kein ganz kleiner Akteur. Gerade so ein professionell geführtes Bürgerbeteiligungsmodell hat auch unter den Bedingungen eines Ausschreibungsregimes seinen Platz. Insofern sehen wir keinen Anlass, unsere Augen vom deutschen Markt abzuwenden. Der Großteil der rund 4.000 Bürger, die bereits ABO Invest-Aktien im Depot haben, lebt schließlich in Deutschland und möchte dort die Energiewende mitgestalten.    

ECOreporter.de: Wie können sich Privatanleger bei der ABO Invest beteiligen?

Koffka:  Die ABO Invest-Aktie (Wertpapier-Kennnummer A1EWXA) wird im Freiverkehr der Börse Düsseldorf gehandelt und ist börsentäglich über jede Bank zu erwerben. Zur Aufbewahrung benötigen Aktionäre ein Bankdepot.

ECOreporter.de: Die ABO-Invest-Aktie  ist seit ihrem Start 2011 stetig gestiegen. Welche Faktoren haben diese positive Entwicklung aus Ihrer Sicht beeinflusst?

Koffka:  Die gleichmäßige Wertschöpfung über die Stromproduktion spiegelt sich im Aktienkurs wider. Dass der Anstieg nach einem schlechteren Windjahr wie 2014 aktuell etwas schwächer ausfällt, ist ebenfalls erklärlich.

ECOreporter.de: Wie sieht die aktuelle Aktionärsstruktur bei der Bürgerwindaktie aus, Inwiefern gibt es Großaktionäre und inwiefern Streubesitz und welche Rolle spielt die ABO Wind AG dabei?

Koffka:  Rund 75 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. Zu den Eigentümern zählen Kleinaktionäre, die rund 5.000 Euro investiert haben, ebenso wie vermögendere Anleger, die mit mehr als 100.000 Euro eingestiegen sind. Auch Stiftungen und Genossenschaften bereichern den Aktionärskreis. Gemeinsam ist unseren Aktionären, dass sie ihr Geld wirtschaftlich gut anlegen und zugleich die Energiewende voranbringen möchten. Die ABO Wind AG ist mit aktuell rund 25 Prozent der Aktien der größte Aktionär. Die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Projektentwickler erleichtert ABO Invest den Zugriff auf Windkraftprojekte in verschiedenen europäischen Ländern und hat den zügigen Aufbau eines diversifizierten Portfolios ermöglicht.

ECOreporter.de: Wir danken für das Gespräch, Herr Koffka.


Hier  finden Sie einen ECOanlagecheck zur Bürgerwindaktie ABO Invest AG. Sie trägt auch das  ECOreporter-Siegel für Nachhaltige Geldanlagen (Link entfernt). Näheres zur Zusammenarbeit zwischen der ABO Invest AG und dem Windkraftprojektierer ABO Wind AG lesen Sie in diesem  Kurzportrait (Link entfernt).

ABO Invest AG: ISIN DE000A1EWXA4 / WKN A1EWXA
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