01.08.07

Das Open End Indexzertifikat auf den HVB-Nachhaltigkeits-Index

Einen buchstäblich viel versprechenden Ansatz verfolgt das Open End Indexzertifikat auf den HVB Nachhaltigkeitsindex der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG, kurz HVB. Sie ist die nach Bilanzsumme drittgrößte und nach Mitarbeiterzahl zweitgrößte Bank in Deutschland. Ihr Nachhaltigkeitszertifikat basiert auf einer Auswahl europäischer Unternehmen, die zum einen im Hinblick auf ethische, soziale und ökologische Aspekte überzeugen sollen. Das erläuterte Sabine Pex, Nachhaltigkeitsmanagerin der HVB, gegenüber ECOreporter.de. Zum anderen sollen die ausgewählten Papiere besonders liquide sein und eine überzeugende Dividendenrendite aufweisen. Doch wie kommt die HVB zu einer Auswahl von Titeln, die solchen Ansprüchen genügen soll?

Am Anfang steht die Auswahl eines Universums von Aktienunternehmen, die laut der HVB zu den Nachhaltigkeitsbesten ihrer Branche gehören. Als nachhaltige Unternehmen gelten ihr jene, die „einen weitsichtigen Umgang mit den Chancen und Risiken ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen“ zeigen. Die HVB hat die unabhängige Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom research damit beauftragt, die Titel auszuwählen, die für ein nachhaltiges Investment in Frage kommen. Sie ist wie das zur UniCreditgruppe gehörende Finanzinstitut in München ansässig. „Wir arbeiten im Bereich des Nachhaltigen Investments bei allen HVB-Produkten mit oekom zusammen“, so Sabine Pex. Grundlage der Auswahl der Nachhaltigkeitswerte durch die Agentur ist der Europaindex Dow Jones Stoxx 600. Bei der Selektion der Titel wurden laut der HVB „strenge Nachhaltigkeits-Kriterien“ angewendet. Unter anderem sind Unternehmen von dem HVB Nachhaltigkeitsindex ausgeschlossen, die etwa mit Alkohol, Rüstung, Kinderarbeit, Atomkraft, Tierversuchen oder Verstößen gegen Arbeits- und Menschenrechten Gewinne machen.

Um aus diesem nachhaltigen Anlageuniversum die 16 Titel auszuwählen, die am Ende den HVB Nachhaltigkeitsindex bilden, wendet die Bank finanzielle Kriterien an. So müssen die ausgewählten Aktiengesellschaften eine Marktkapitalisierung aufweisen, die mindestens 15 Milliarden Euro beträgt. Kleine und mittelständische Firmen sind damit ausgeschlossen, im Gegenzug aber eine ausreichende Handelbarkeit der Aktien sichergestellt. Ein weiteres Auswahlkriterium ist die „höchste erwartete Dividendenrendite“. Die HVB verweist darauf, dass die Dividende ein Hinweis für die Substanz und die Geschäftsentwicklung eines Unternehmens ist. Durch die Auswahl von Unternehmen mit hoher Dividendenrendite könne man häufig ein stabileres und besseres Ergebnis erreichen als der Gesamtmarkt.

Der HVB Nachhaltigkeitsindex ist erst im Juli aktualisiert worden. In ihm sind Banken und Versicherer enthalten wie ABN Amro, Allianz, HSBC, Barclays und ING Group; Telefongesellschaften wie France Telekom und Telefonica; ferner sind Industriewerte wie der Stahlkonzern Arcelor und der schwedische Autobauer Volvo darin gelistet. Die Gewichtung der Titel ist ausgewogen, sie reicht von über fünf bis unter neun Prozent. Höchstens 25 Prozent der Werte dürfen aus einem Land oder einer Branche stammen. Jeweils im Januar und Juli wird die Zusammensetzung des Index überprüft. Eine Rückrechnung zeigt, dass der HVB Nachhaltigkeitsindex im Zeitraum vom Oktober 1998 bis zum Juli 2007 den DJ Euro Stoxx deutlich geschlagen hätte.

Seit Anfang Februar wird das Open End Indexzertifikat auf den HVB Nachhaltigkeitsindex an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelt. Das Bezugsverhältnis ist 10:1. Seine Wertentwicklung pendelte bisherig zwischen 12,44 Euro und im Juni erreichten 14 Euro. Aktuell liegt der Geldkurs für das Wertpapier bei 13,28 Euro, der Briefkurs bei 13,27 Euro. Der Spread liegt bei 0,09 Euro. Schon mit dem Erwerb eines Zertifikats kann der Anleger in das Papier einsteigen und dann vierteljährlich das Zertifikat einlösen: im März; Juni, September, Dezember jeweils am letzten Bankarbeitstag. Das Angebot hat keine begrenzte Laufzeit, so dass Phasen mit schwacher Performance zur Not ausgesessen werden können. Allerdings gibt es für den Anleger keine Kapitalgarantie, mögliche Verluste werden nicht begrenzt. Durch die Beschränkung von Titeln aus dem Euro-Raum gibt es jedoch kein Währungsrisiko.

Fazit:
Beim Open End Indexzertifikat auf den HVB Nachhaltigkeitsindex handelt es sich um eine Anlage mit begrenztem Risiko. Dies wird insbesondere durch die hohen Ansprüche an Marktkapitalisierung und Dividendenrendite gewährleistet. Eben dadurch kommen viele „typische“ Nachhaltigkeitswerte wie etwa Akteure aus dem Bereich der Erneuerbaren Energie für den Index nicht in Frage. Die Auswahl folgt dem Best-in-class-Ansatz (lesen Sie dazu den ECOreporter.de-Beitrag aus 2006: Eliteförderung - Löst das Best-in-class-Prinzip einen Wettbewerb um Nachhaltigkeit aus?). Sie beschränkt sich auf die „Dickschiffe“ unter den europäischen Aktien, die sich nur langsam auf den Trend zu mehr Nachhaltigkeit einstellen, der durch andere, weniger liquide Unternehmen vorangetrieben wird. Wer als Anleger auf Nachhaltigkeits-Pioniere setzen will, wird von der Titelauswahl enttäuscht sein. Doch im Gegensatz zu etlichen anderen Zertifikaten, die als Nachhaltiges Investment firmieren, sind im HVB-Index auch keine „Skandal“-Unternehmen enthalten. Spieler wie ABN Amro, die sich selbst stark mit Nachhaltigkeitsprodukten aufgestellt hat, und die in hohem Maß in Erneuerbare Energien investierte Allianz, können sogar als vorbildlich gelten.
Einer der Vorzüge das Angebots ist der geringe Einstiegspreis. Insgesamt ist das Open End Indexzertifikat auf den HVB Nachhaltigkeitsindex ein Investment mit interessanter Renditeaussicht bei begrenztem Risiko und zumindest als Beimischung zu empfehlen.

WKN: HV2AWN
ISIN: DE000HV2AWN8



Bildhinweis: Konzernzentrale der HSBC-Bank, einer Position im HVB Nachhaltigkeitsindex. / Quelle: Unternehmen
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