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Deja-vu zwei Jahre nach der Ölkatastrophe von BP - Aktie von Total große Position in Nachhaltigkeitsfonds

Nach dem Unfall auf der Gasförderplattform „Elgin“ in der Nordsee befürchten Umweltschützer eine ähnliche Umweltkatastrophe wie dem Golf von Mexiko vor zwei Jahren. Damals war der Konzern dafür BP verantwortlich, nun steht die französische Total S.A. in der Kritik. Und wie damals BP ist auch Total eine Aktie, die in etlichen Nachhaltigkeitsfonds zu den größten Positionen zählt (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu unserem Bericht aus 2010 über die Aktie von BP in nachhaltigen Fonds).

Die Umweltbelastung durch den schwersten Gasunfall in der Nordsee seit Jahrzehnten ist enorm. Laut Total treten am Standort vor der Küste Schottlands täglich rund 200000 Kubikmeter Gas und Schlamm aus. Wegen Explosionsgefahr wurden alle 238 Mitarbeiter von der Plattform in Sicherheit gebracht. Noch immer ist offen, was sich vor Ort wirklich ereignet und wann das Leck geschlossen werden kann. Schon jetzt eine verheerende Bilanz für ein Unternehmen, dem nach eigener Darstellung durch das Leck an der Plattform Tageseinnahmen von 1,5 Millionen Dollar entgehen und dessen Aktie in etlichen Nachhaltigkeitsfonds enthalten ist.

Ein in die Aktie von Total SA investierter Nachhaltigkeitsfonds ist der DNB Global SRI von DNB Asset Management. Die richtet nach eigener Darstellung ein besonderes Augenmerk unter anderem auf Umweltschäden. Umweltfaktoren gehören aber nicht zu den Ausschlusskriterien der nachhaltigen DNB-Fonds, wie etwa Geschäfte mit Anti-Personenminen, Atomwaffen oder mit Tabakprodukten. Mit 1,57 Prozent des Anlagevolumens zählt die Aktie von Total zu den zehn größten Positionen des DNB Global SRI.


Mike Judith, Vice President, erläutert: „Unsere Nachhaltigkeitsanalysten trafen im Februar 2011 mit Total zur Erörterung von SRI-Themen (Social Responsibel Investment) zusammen. Dabei erklärte Total, man habe drei Sondereinheiten speziell für die Fragen im Bereich des Risiko- und Sicherheitsmanagements eingerichtet.“ Laut Judith hat Total damals angegeben, wesentlich besser aufgestellt zu sein als BP bei der Katastrophe im Golf von Mexiko.

Bildnachweis: Mike Judith, Vice President von DNB Asset Management / Quelle: Unternehmen

Auch der Aktienfonds Euroland Equity SRI Fonds von Allianz Global Investors hat dieie Total-Aktie im Portfolio. Dort ist der Anteilsschein mit 4,96 Prozent des Anlagevermögens vertreten (Stand: 4. April 2012). Kurz nach der Evakuierung der Arbeiter von der havarierenden Plattform „Elgin“ hat das Fondsmanagement die Beteiligung Ende März zurückgefahren, bis dahin lag sie bei sogar rund zwölf Prozent. Allianz Global Investors sieht laut Unternehmenssprecher Klaus Papenbrock aber bislang keinen Grund, die Total-Aktie komplett aus dem Portfolio zu entfernen. Die Gefahr einer Umweltverschmutzung sei auf „Elgin“ gering, da das Kondensat des austretenden leichten Rohöls wahrscheinlich verdampfen werde.

Außerdem nehme Total das Thema Sicherheit und Umweltschutz sehr ernst. Das HSE (Health Safety Environment) von Total gehöre zu den fortschrittlichsten der Branche, so Papenbrock. Ferner beteilige sich der Ölkonzern an Initiativen wie der Global Industry Response Group (Girg) und International Petroleum Industry Environmental Conservation Association (IPECA), die auf bessere Umweltstandards in der Branche hinwirken. Das werde von Allianz GI positiv bewertet. Der Unternehmenssprecher betont: „Wir glauben, dass Total alle notwendigen Maßnahmen ergreifen und auf die Situation angemessen reagieren wird um die Auswirkungen des Vorfalls zu minimieren. Daher bleibt die Aktie von Total in unserem SRI-Universum“.


Andere Fondsbetreiber haben die Total-Aktie aus ihrem Nachhaltigkeitsportfolio entfernt. Dies trifft etwa für den nachhaltigen Aktienfonds Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest zu.

„Aufgrund unserer Nachhaltigkeitsanalyse ist das Unternehmen Total schon seit längerer Zeit nicht mehr im Fonds zugelassen“, sagt Christian Umbach für die Volksbank Gütersloh. Er räumt ein, dass der von ihr vertriebene Volksbank Gütersloh NachhaltigkeitsInvest geraume Zeit in die Total-Aktie investiert gewesen war.  „Zunächst war das Unternehmen im Rahmen des Best-in-Class-Ansatzes als zulässig eingestuft worden“, erklärt Umbach. Bei diesem Ansatz gelten die nachhaltigkeitsbesten Unternehmen einer Branche als investierbar, auch wenn sie sich lediglich dadurch auszeichnen, dass sie weniger schlechte Nachhaltigkeitsleistungen zeigen als andere Akteure ihres Sektors.

Bildnachweis: Christian Umbach von Volksbank Gütersloh eG / Quelle: Unternehmen

„Die Nachhaltigkeitsbewertung von Total hat sich über die Zeit verschlechtert, begleitet durch negative Berichterstattungen im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung, so dass der Wert sich nicht mehr für nachhaltige Fonds qualifizierte“, führt Umbach weiter aus. Er bemängelt zudem die fehlende Transparenz sowie die Versuche der Konzernführung, den Vorfall auf der Total-Plattform kleinzureden.


Einen generellen Ausschluss von allen Öl- und Gasunternehmen alleine wegen des umweltverschmutzenden Charakters der Branche erscheint Umbach jedoch nicht sinnvoll: „Aus Gründen der Diversifikation und somit im Sinne der Anlegerinteressen schließen wir den Öl- und Gassektor per se nicht aus. Vielmehr schließen wir Unternehmen aus, die die nachhaltigen Mindestkriterien des Fonds verletzen, und bevorzugen solche, die in ihrem Sektor ‚Klassenbester‘ sind. Wichtige Kriterien in diesem Sektor: Arbeitsstandards nach ILO (International Labour Organisation) auch bei Zulieferern, Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter, Einhaltung von Menschenrechten, Umweltmanagementsystem etc.“

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