05.06.07 ECOanlagecheck

Der Fonds & Vermögen Solarfonds 2 will Anlegergelder in Aktien investieren. Ein lohnendes Geschäft für Investoren?

Solarfonds bieten meist einen Vorteil: Eine feste Vergütung für den eingespeisten Solarstrom. Der Fonds & Vermögen Solarfonds 2 („F&V Solarfonds 2“) verfolgt ein anderes Ziel: Er investiert in eine Solar-Aktiengesellschaft. Ein Fonds, der Aktien kauft: Hat die Münchener Fonds & Vermögen Solar Verwaltungs und Beteiligungs GmbH damit eine attraktive Beteiligung für die Anleger im Angebot? ECOreporter.de hat das Angebot geprüft.

Der "F & V Solarfonds 2" soll laut der Anbieterin "Venture Capital und Solarenergie" verbinden. Das Modell: Über eine zwischengeschaltete GmbH & Co. KG kauft der Fonds bis zu 20 Prozent der Aktien der Münchner Solar Tec AG, die nicht an der Börse notiert ist.
Das Geld der Anleger fließt also, zumindest zu einem großen Teil, in eine Aktiengesellschaft. Diese AG ist die Solar Tec AG. Ihre Kompetenz liegt den Angaben zufolge in der Entwicklung und Produktion von Systemen, mit denen Sonnenlicht sehr stark konzentriert werde – es geht um die so genannte "Konzentratortechnik". Damit sollen sich Solaranlagen kleiner und kostengünstiger erstellen lassen.

Das Unternehmen soll laut einem Nachtrag zum Emissionsprospekt nun auch eine zweite Geschäftstätigkeit haben: Es fertige mittlerweile klassische monokristalline Siliziummodule; das sei seit November 2006 erfolgreich eingeführt. Darüber hinaus baue es Solarparks – der erste mit 3,6 Megawatt peak (MWp) in Laudenbach bei Würzburg sei letzte Woche begonnen worden, heißt es aus dem Unternehmen. Das Umsatzvolumen liege bei zirka 15 Millionen Euro.
Anleger können sich ab 5000 Euro plus 5 Prozent Agio als „Direktkommanditist“ oder mittelbar als Treugeber über eine Treuhandkommanditistin an dem Fonds beteiligen. Wie Klaus Haferkorn, Geschäftsführer der Fonds & Vermögen, auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärt, gibt es im übrigen auch einen F&V Fonds I und II. Beide seien als „Private Placements“ platziert worden.

Wer sich an einer AG beteiligen will, kauft normalerweise Aktien – und nicht einen Fonds, der Aktien kauft. Warum ist das hier anders, fragte ECOreporter.de? Haferkorns Antwort: "Weil dieser Weg einer Wachstumsfinanzierung unsere Idee ist." Zudem lehne Erich Merkle, der Vorstand der Solar Tec AG, Angebote von Private Equity-Firmen ab. Die Anleger sollen so zum vorbörslichen Kurs einsteigen können.

Die Fondsgesellschaft hat eine Kommanditbeteiligung an der Solar Tec Beteiligungs GmbH & Co. KG in Höhe von 13,15 Millionen Euro übernommen, die sich ihrerseits an der SolarTec AG beteiligt. Sie bekommt für diese Summe dann 20 Prozent der Aktien. Das gesamte Investitionsvolumen der Fondsgesellschaft wird mit 16,8 Millionen Euro prognostiziert – 16 Millionen plus 0,8 Millionen Agio (5 Prozent). Immerhin 3,176 Millionen Euro würden bei Erreichen der 16 Millionen Eigenkapital allerdings nicht in der Aktiengesellschaft landen, sondern für „Kapitalbeschaffungskosten“, Konzeptionskosten, Geschäftsführungskosten sowie „sonstige fondsabhängige Kosten“ verwendet werden – ein dicker Brocken des Anlegergeldes. Kommentar aus der Solar Tec dazu: Das sei nicht außergewöhnlich. Der Vorteil: Es belaste nicht die Bilanz der SolarTec AG.

20 Prozent der Aktien also für einen Durchschnittspreis, so wird es an einer Stelle angegeben, von 15 Millionen Euro. Gesamtwert der Solar Tec demnach: 75 Millionen Euro. Was macht diese Solar-Gesellschaft so wertvoll? Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklungsarbeiten bei der Kleinserienproduktion zur industriellen Serienproduktion von Sol*Con™ Modulen, fragte ECOreporter.de? Wir wurden verwiesen auf einen Nachtrag zum Prospekt für die Tranche 2007. Dort lesen wir: „Der Aufbau der Serienproduktion der Konzentratormodule ist weit vorangeschritten, konnte aber im Jahr 2006 noch nicht vollständig abgeschlossen werden. Die Serienproduktion soll nun im Jahr 2007 erfolgen.“ 2007 ist nun schon vorangeschritten.
Kommentar aus der Solar Tec dazu: Es gebe drei Säulen der Geschäftsentwicklung. Mit den ersten Geldern seien 86 Prozent der ENE S.A. in Brüssel übernommen worden. Dieses Unternehmen sei einer von nur fünf Produzenten weltweit für III-V (Weltraum)-Solarzellen und mit über 30 Jahren und einigen 100 installierten Anlagen das älteste Photovoltaik-Unternehmen Europas. Die EE fertige vom Germanium-Ingot über den (epi-ready) Wafer bis zu den Solarzellen alles. Und als einziges Unternehmen der Konzentratorbranche habe die Solar*Tec AG eine eigene Rohstoffbasis. Zudem habe die Projektabteilung inzwischen Kraftwerksprojekte im Umfang von 60 MW in der Vorbereitung.

ECOreporter.de fragte weiter, ob das "serienreife Sol*Con™ Konzentratormodul im 4. Quartal am Markt eingeführt" wurde – 2006, wohlgemerkt. Als Antwort wieder ein Verweis. Wir lesen: „Ein erstes Pilotsystem belegt dabei mittlerweile die Funktionstüchtigkeit des Konzentratorsystems der Solar*Tec AG. Auf dem Dach des Photonic-Zentrums in Berlin-Adlershof wurde im Auftrag der Solar*Tec AG eine voll funktionsfähige 1-KW-Anlage installiert.“ 1 Kilowatt – das ist nicht gerade eine Großanlage.

Noch einmal: 75 Millionen Gesamtwert für die Solar Tec Aktiengesellschaft - aber die hat derzeit nach Auskunft des Anbieters nur 35 Mitarbeiter. ECOreporter.de fragte, wie denn der Wert der Solar Tec AG ermittelt wurde – wieso 75 Millionen Euro? Antwort: „Dipl.-Kfm Curtis Schneekloth“ hat das ermittelt. Und weiter heißt es: „Inzwischen wurde aufgrund der Aktivitäten der SolarTec AG ein Unternehmenswert von ca. 155 Millionen Euro ermittelt. Bewertungsmethode: Ertragswert-Methode. Der Unternehmenswert wird bestimmt durch die Addition der abgezinsten zukünftigen Erträge des Unternehmens.“
Die Solar Tec ergänzte: „Wir verhandeln inzwischen auf der Basis einer Bewertung von 135 Millionen Euro mit einem strategischen Investor, die Endverhandlungen sollen noch im Juni stattfinden. Legt man diese Bewertung zu Grunde, so haben die Investoren bereits eine beträchtliche Wertsteigerung ihrer eingezahlten Summe erfahren.“
Wer hat das zweite Gutachten über 155 Millionen Euro erstellt? Antwort des Anbieters: „Ebenfalls C. Schneekloth, der Referenzen von diversen Banken, Deutsche Börse oder Infineon“ hat.

Aus Unternehmenskreise ist zu erfahren, dass inzwischen ein zweiter Gutachter beauftragt wurde. Bisher bleibt also als Grundlage das erste Gutachten von Schneekloth. Daher fragen wir, welchen Umsatz die Solar Tec AG 2006 erzielt hat und welchen im ersten Quartal 2007? Antwort: „Die SolarTec AG ist seit Ende 2006 im operativen Geschäft angekommen. Der Umsatz Betrug zirka eine Million Euro, der Gewinn 224.000 Euro. Für 2007 wird mit einem Umsatz zwischen 50 und 100 Millionen Euro gerechnet, der hauptsächlich aus dem Solarkraftwerkbau stammen wird. Die Verträge für den ersten Solarpark bei Würzburg wurden kürzlich unterzeichnet. Weitere werden derzeit sehr aussichtsreich verhandelt. Darüber hinaus fließen Umsätze aus dem Handel mit Spezialglas (100-prozentige Tochterfirma) sowie die Gewinnabführung aus dem in 2006 übernommenen Solarzellenhersteller ENE in Brüssel zu positiven Ergebnissen. Auch soll es erste Abschlüsse geben.“

Nur: Ansonsten sind „aussichtsreiche Verhandlungen“ noch keine Abschlüsse. Wie kann der Anleger an den enormen Gewinnen teilhaben – er wird ja nicht Aktionär? Die Antwort: „Während der Laufzeit des Fonds sind vorsichtshalber keine Ausschüttungen prospektiert, weil nicht eingeschätzt werden kann, ab wann und in welcher Höhe die SolarTec AG Dividenden zahlt.“ Das ist formell korrekt. Nur einmal angenommen, der Fonds läuft doch nicht so gut – gibt es eine Platzierungsgarantie? Nein, heißt es. Und statt einer Antwort eine Rückfrage: „Warum soll der Fonds rückabgewickelt werden? Wir rechnen mit Vollplatzierung bis Sommer 2007“, so der Anbieter.
Die Gründungsaktionäre der Solar Tec AG sind übrigens die New Umwelt AG, die Bayerische Solarentwicklungs GmbH und Dr. Erich Merkle, den man aus der New Umwelt AG kennt.

Und können Anleger des Fonds vor Ablauf der Laufzeit ihren Anteil veräußern? Antwort: „Ja, im Rahmen des Zweitmarktes. Über den Preis müssen Verkäufer und Käufer übereinkommen. Ein Gutachten könnte erstellt werden, das der Verkäufer bezahlen müsste.“
Die Solar Tec erklärt dazu: „Es ist klares Ziel, relativ zeitnah – spätestens innerhalb von 24 Monaten einen IPO (Börsengang, die Red.) zu starten.“
Nur zur Information: Wer direkt an der Börse eine Solaraktie kauft, kann sie an jedem Börsenhandelstag wieder verkaufen, wenn der Markt dafür gegeben ist. Ohne Gutachten und Zweitmarkt.


ECOreporter.de-Fazit:

Es mag sein, dass die Solar-Aktiengesellschaft, in die der Fonds investiert, sich gut entwickeln wird. Dann könnten sehr risikofreudige Anleger mit diesem Fonds einen Gewinn erzielen. Wir raten jedoch Anlegern, die nicht allzu viel Risiken eingehen wollen, von einem Investment in den Fonds ab. Im Gegensatz zu anderen Solarfonds bekommt der Anleger hier keine Einspeisevergütungen. Er beteiligt sich an einem Risikokapital-Modell. Bei Vollplatzierung des Fonds gehen Millionen für Kosten weg, die nicht in die AG fließen. Der Anleger hat auch nicht die Rechte eines Aktionärs, es gibt keine Börse, die die Aktie überwacht. Das Risiko, mit einem geschlossenen Fonds in eine nicht börsennotierte AG zu investieren, gleicht nach unserer Ansicht nicht die Chance aus, frühzeitig Aktien eines Unternehmens erwerben zu können. Ratschlag: Zumindest abwarten, bis die Aktien an der Börse handelbar sind.


Basisdaten:

Anbieter: Fonds & Vermögen Solar Verwaltungs und Beteiligungs GmbH
Veröffentlichungsdatum: 7.7.2006
Prospektdatum: 5.5.2006
Einkunftsart: Vermögensverwaltend
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Agio: 5,00%
Laufzeitende der Prognoserechnung: 31.12.2012
Gesamtinvestitionsvolumen ohne Agio : 16,00 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen ohne Agio: 16,00 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme : 5.000,00 Euro


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Bild: Cover des Prospekts für den Fonds & Vermögen Solarfonds 2
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