27.09.07 ECOanlagecheck

Der Geothermiefonds Green Energy Geotherm Opportunity Fonds: Rendite mit heißem Wasser - oder heiße Luft?

Die Green Energy AG aus Hannover bietet derzeit den geschlossenen Fonds „Green Energy Geotherm Opportunity Fonds“ an. 63 Millionen Euro sollen in die Planung und den Bau eines Geothermie-Kraftwerks fließen. Anschließend soll das Kraftwerk möglichst bald verkauft werden. „Vorsichtig gerechnet“, so Green Energy, sei ein Verkaufspreis von 90 Millionen Euro anstrebbar. Ist der Fonds ein gutes Investment für private Anleger, die sich sechs Jahre lang binden wollen? ECOreporter.de hat das Produkt untersucht.

Projektierung, Bau, Probebetrieb und Verkauf hoffen die Initiatoren innerhalb von sechs Jahren hinter sich zu bringen. Aus dem Verkaufserlös sollen die Anleger dann auf einen Schlag am Ende der Laufzeit des Fonds eine 12-prozentige Rendite erhalten.

Laut Green Energy soll das Kraftwerk im bayerischen Peiting errichtet werden. Dort würden derzeit verschiedene Voruntersuchungen im Detail fortgesetzt. Nach Angaben der Initiatorin hat sie in diesem Monat einen Vertrag mit der Ingenieurgesellschaft u&i geschlossen. Für den oberirdischen Teil der Anlage werde u&i die Genehmigungs- und Ausschreibugsunterlagen erstellen sowie die Ausschreibung der schlüsselfertigen Leistung vornehmen, heißt es. Die u&i sei ferner mit der Auswahl der Lieferanten und der Prüfung der Angebote beauftragt worden: Green Energy wolle die Empfehlungen der u&i als Grundlage für die weitere Auftragsvergabe nutzen. Weitere verbindliche Verträge über die erforderlichen Dienstleistungen und Produktlieferungen bestehen den Angaben zufolge derzeit nicht. Auch die für den Bau eines Geothermiekraftwerks nötige bergrechtliche Aufsuchungserlaubnis liegt Green Energy nicht vor. Klarheit bestehe über die Bohr- und Kraftwerkstechnik, die man einsetzen wolle, so Green Energy.

Erst durch aufwendige Bohrungen könne die Eignung eines Standorts letztendlich sicher geklärt werden, sagt Green Energy. Selbst wenn die Qualität eines Standortes durch Gutachten untermauert werde, sei nicht auszuschließen, dass sich die Gegebenheiten vor Ort anders darstellten als prognostiziert, heißt es. Wichtig für den wirtschaftlichen Betrieb des Geothermie-Kraftwerks laut Prospekt: Entsprechen Temperatur und Menge des in der Tiefe vermuteten Thermalwasser den Prognosen? Weitere Standortrisiken sind demzufolge beispielsweise unerwartete Probleme bei den Bohrarbeiten. Sie könnten zu einer verzögerten Inbetriebnahme des Kraftwerkes führen, was die Kosten in die Höhe treiben würde.

Green Energy weist darauf hin, dass sich Temperatur, Menge und Druck des Thermalwassers während des Betriebs des Kraftwerks verändern können. Dies könnte zu einer geringeren Energieausbeute der Anlage führen.

Ist ein Standort gefunden und geprüft, braucht die Fondsgesellschaft verschiedene behördliche Genehmigungen. Darauf hat sie einen Rechtsanspruch – wenn sie die erforderlichen Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt. Wenn es Green Energy nicht gelingt, dies überzeugend nachzuweisen, könnte dem Fonds die Bewilligung versagt werden. Das Kraftwerk könnte an diesem Platz nicht errichtet werden, die Suche nach einem geeigneten Standort würde von Neuem beginnen. Schwierigkeiten könnten der Gesellschaft an dieser Stelle auch durch unvorhergesehene zeitliche Verzögerungen entstehen oder aus zusätzlichen Auflagen von Seiten der Behörden.


Fazit:

Läge diesem Angebot nicht ein Fonds zugrunde, sondern eine Aktie, dann wäre der erste Gedanke: Eine Aktiengesellschaft, die jahrelang keinen Gewinn erzielt, auf nur einem Geschäftsfeld tätig ist, dort aber noch kein Projekt erfolgreich beendet hat - das ist nur etwas für sehr spekulativ denkende Anleger. Und nur dann, wenn der Aktienpreis sehr günstig ist. Aber solch´ ein Angebot als Fonds? Was ist, wenn die Gesellschaft drei Mal eine Genehmigung für ein Geothermieprojekt beantragt und keine bekommt? Bei einer Aktie könnte der Anleger dann sein Papier - wahrscheinlich mit großem Verlust - verkaufen. Aber ein Fondsanteil wird, sollte denn ein Zweitmarkthandel für diesen Fonds zustande kommen, kaum zu verkaufen sein. Denn anders als bei einem Wind- oder Solarfonds wird hier nicht in ein Projekt investiert, dessen Hauptziel es ist, Einnahmen aus der Stromerzeugung zu erzielen. Hauptziel ist vielmehr, eine Anlage möglichst bald nach dem Bau zu verkaufen. Nur wenn sich erst nach Inbetriebnahme ein Käufer findet, kommt eine kürzere oder längere Phase des Betriebs hinzu. Ergeben sich noch vor dem eigentlichen Bau Probleme, dann hat der Anleger einen Fondsanteil in der Hand, der sich auf eine weitere Planung bezieht. Nicht auf ein laufendes Erneuerbare-Energie-Kraftwerk. Wer wird dafür auf einem Zweitmarkt den Einstandspreis von mindestens 15.000 Euro bezahlen wollen?

Es gibt im Erneuerbare-Energie-Bereich allerdings in etwa vergleichbare Konstruktionen: Beispielsweise hat es Fonds für die Entwicklung von Offshore-Projekten gegeben. Deren Anbieter hatten allerdings Erfahrung mit der Projektierung und dem Betrieb von Windkraftanlagen an Land. Green Energy muss die Erfahrungen mit der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Geothermie-Anlagen noch erlangen. Diese Phase sollten private Anleger unseres Erachtens nicht mitfinanzieren, vor allem nicht mit mindestens 15.000 Euro. Nach Green Energy-Angaben richtet sich der Fonds zwar an vermögende Private Anleger und institutionelle Investoren. Der Prospekt nennt unter dem Stichwort „Zielgruppe“ jedoch „Anleger, die mit ihrem Investment das Ertragspotenzial geothermischer Energieerzeugung
bewusst in Form einer unternehmerischen Beteiligung für sich nutzen möchten.“

Erst wenn ein größerer Investor zu einem wesentlichen Anteil mit einsteigt und wenn die behördlichen Genehmigungen für das geplante Geothermiekraftwerk vorliegen, wenn die Bohrfirma beauftragt ist und ein positives Gutachten zu der angepeilten Bohrstelle vorliegt und der Generalunternehmer ein bindendes Angebot abgegeben hat: Dann könnte es für einen Durchschnittsverdiener angezeigt sein, dieses Investment noch einmal zu überprüfen. Bis das alles so weit ist, raten wir privaten Anlegern: abwarten.



Basisdaten

Emittentin: Green Energy AG
Anschrift: Bemeroder Strasse 67, 30559 Hannover
Fondsart: Geschlossener Gonds
Anlage Schwerpunkt: Projektierung, Bau und anschließender Verkauf eines Kraftwerks
Auflagedatum: Juli 2007
Volumen: 63 Millionen Euro
Laufzeit/Bindungsdauer: 6 Jahre
Fondswährung: Euro
Mindestanlagebetrag: 15.000,- Euro
Ausschüttung: einmalig am Ende der Laufzeit
Vertriebszulassung: Deutschland
[Schweiz und Österreich sind geplant]
Ausgabeaufschlag: 5 %
IDW–Gutachten: laut Green Energy-Prospekt beanstandungsfrei
Prognose Rendite: 12 % (inkl. Frühzeichner-Bonus)

Investitionskosten 54 Mio. Euro
Geplante durchschnittliche Leistung des Kraftwerks: 8,0 MW
Geplantes Einspeisevolumen p.a. 64.000 MWh
CO2-Einsparung demnach: 25.600 t/p.a.
Umsatz p.a. 9,4 Mio. Euro
Betriebskosten p.a. 1,7 Mio. Euro
EBITDA* p.a. 7,7 Mio. Euro
Angenommener Verkaufspreis des Kraftwerks 90 Mio. Euro

* Ertrag vor Finanzergebnis, außerordentlichem
Ergebnis, Steuern und Abschreibungen


Bild: Geothermisches Kraftwerk in der Toskana / Quelle: ECOreporter.de
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x