Weltweit wächst die Nachfrage nach Solartechnik, auch in Afrika. / Quelle: Nuon

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Der globale Solarmarkt boomt - wer profitiert besonders davon?

In 2013 ist der weltweite Photovoltaikmarkt um 20,3 Prozent gewachsen. In diesem Jahr dürfte er um weitere 20,9 Prozent zulegen. Das bedeutet, dass global neue Solarstromanlagen mit einer Gesamtkapazität von 44,5 Gigawatt (GW) neu errichtet werden. Das geht aus Prognosen von Marktforschungsgesellschaften wie der US-amerikanischen Bloomberg New Energy Finance (BNEF) hervor und entspricht nach deren Berechnungen der Energieproduktion von zehn Atomkraftwerken. Ein weiterer Vergleich mag das Ausmaß dieses weltweiten Wachstums verdeutlichen: in Deutschland wurden seit Einführung des EEG insgesamt rund 35 GW Solarstromkapazität ans Netz gebracht. Weltweit soll also allein in diesem Jahr etwa ein Drittel mehr Photovoltaikleistung errichtet werden als in Deutschland überhaupt am Netz sind.

Auch Ash Sharma von der Marktforschungsesellschaft IHS aus Englewood im US-Bundesstaat Colorado teilt diesen Optimismus. Er verweist darauf, dass vor allem die Nachfrage aus Schwellenländern für Photovoltaik stark gewachsen ist und viele Regierungen den Ausbau der Solarenergieproduktion fördern. Das sei etwa in den drei derzeit wachstumsstärksten Märkten zu beobachten, in China, Japa und den USA. In China und Japan hat die Einfürhung fester Einspeisetarife einen enormen Solarboom ausgelöst, während in den USA attraktive Steuervergünstigungen zu Investitionen in Photovoltaik verlocken. Vor allem diese drei Märkte gleichen den Markteinbruch im europäischen Solarmarkt aus, der lange Jahre die Wachstumslokomotive des weltweiten Photovoltaikmarktes war, wo aber die Euro-Krise und Einschnitte bei der Solarförderung durch die Regierungen das Wachstum abgebremst haben. Die Experten von BNEF gehen davon aus, dass China auch in 2014 am stärksten zulegen wird. Hier seien in 2013 neue Solarstromanlagen mit insgesamt zwölf GW neu aufgestellt worden und habe die Regierung ankündigen müssen, den Zubau in diesem Jahr auf 14 GW zu begrenzen, um eine Überhitzung des Marktes zu verhindern. Japan traut BNEF in diesem Jahr ein Plus von über zehn GW zu, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit über fünf GW, womit die USA aber aber immer noch ihre Gesamtkapazität um etwa 50 Prozent steigern und andere Märkte wie etwa Deutschland deutlich hinter sich lassen würden.

Anstieg der Investitionen von Solarherstellern

IHS-Experte Ash Sharma führt an, dass die enorme Nachfrage nach Solartechnik nicht nur die Geschäfte von Solarkonzernen und ihren Zulieferern beflügelt, sondern zuweilen an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringt. Noch drohe bei der Versorgung mit Solartechnik für neue Projekte kein Flaschenhals, aber der Angebotsüberhang der vorangegangen Jahre, der eine starke Marktbereinigung bei den Anbietern ausgelöst hatte, sei damit endgültig überwunden. Ash Sharma geht sogar davon aus, dass Solarhersteller wieder stark in den Ausbau der Produktionskapazitäten investieren werden. Erste große Produzenten wie etwa Canadian Solar hätten dies bereits angekündigt. Immer mehr Solarkonzerne würden wieder schwarze Zahlen schreiben und wieder über die Mittel verfügen, um in ihre Produktion zu investieren. Das sei auch möglich, weil sich dank des Ausgleichs von Angebot und Nachfrage die Preise für Solarkomponenten nach dem massiven Verfall der vorangegangenen Jahre stabilisiert hätten und es angesichts der guten Wachstumschancen auch wieder leichter sei, von Banken und Invesoren Kapital für den Ausbau der Produktion zu erhalten. Wie Ash Sharma anmerkt, dürften die weltweiten Investitionen in die Produktion von Solartechnik in diesem Jahr gegenüber 2013 um satte 42 Prozent auf insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar ansteigen. Das gehe aus Berechnungen von IHS hervor. Demnach sei für 2015 sogar ein abermaliger Anstieg dieser Investitionen zu erwarten, auf rund 4,3 Milliarden Dollar. Dabei werde vor allem in Produktionsanlagen in neuen Solarmärkten investiert, in wachstumsträchtigen Regionen wie Lateinamerika, dem nördlichen Afrika und dem Nahen Osten.

Gute Aussichten für SMA Technology AG

Das sind gute Nachrichten für Solarhersteller und ihre Zuliefer, aber auch für weitere Spezialanbieter. Dazu zählt die SMA Technology AG aus dem hessischen Niestetal bei Kassel. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Produktion von Wechselrichtern, die Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom umwandeln. SMA ist mit einem Anteil von rund 20 Prozent Weltmarktführer in diesem Geschäft und will den Anteil durch die gestern angekündigte Kooperation mit der dänischen Konkurrentin Danfoss auf 25 Prozent steigern (per  Mausklick  erfahren Sie mehr darüber). Damit wollen die Hessen nicht zuletzt ihre Produktionskosten senken und reagieren so auf den zunehmenden Preisdruck durch Billigkonkurrenten. Sie sind aber weiterhin stark auf den schwächelnden Solarmarkt in Europa ausgerichtet und müssen daher auch Antworten auf die zunehmende Verlagerung des internationalen Photovoltaikmarktes in andere Märkte wie Asien und die USA finden. Dazu sieht IHS bereits viel versprechende Ansätze. So habe der SMA-Wechselrichter Sunny Boy 240 beste Absatzchancen in den USA. Im Marktsegment von Anlagen mit weniger als 100 Kilowattstunden Solarstromleistung gebe es für dieses Produkt ein enormes Wachstumspotential. Dieses Segment könne bis 2017 auf ein GW anwachsen. Gerade die Nachfrage für solche auf kleine Anlagen ausgerichteten Wechselrichter werde in den kommenden Jahren weltweit deutlich zulegen. Die Marktforscher gehen davon aus, dass dieses Geschäft bis 2017 pro Jahr im Durchschnitt um 40 Prozent ansteigen wird.

Bildhinweis: Wechselrichter von SMA. / Quelle: Unternehmen

Solarprojektierer auf Wachstumskurs

IHS hat ferner ermittelt, dass das weltweite Wachstum des Photovoltaikmarktes zu großen Teilen von einer überschaubaren Zahl von Solarprojektierern geschultert wird. Ein großer Teil dieses Wachtums entfalle auf große Solarparks und gewerblichen Photovoltaikanlagen. Etwa ein Drittel dieser Projekte werde von den 30 größten EPC-Unternehmen weltweit umgesetzt (EPC = Engineering, Procurement and Construction). Unter den zehn größten dieser Firmen befindet sich laut IHS mit der spanischen Abengoa nur ein Solarprojektierer aus Europa. Dazu zählen ferner drei US-Unternehmen: so First Solar aus Tempe in Arizona, laut den Marktforschern in 2013 mit einer installiert Kapazität von mehr als 1,1 GW das größte ECP-Unternehmen des vergangenen Jahres. Dabei musste der Solarkonzern im vergangenen Jahr sogar Projektverschiebungen hinnehmen, die dazu führten, dass er weniger stark wuchs als angenommen. Das geht aus der enttäuschenden Bilanz hervor, die First Solar kürzlich veröffentlicht hatte, worauf der Aktienkurs des Konzerns einbrach (wir  berichteten). Ebenfalls unter die Top 10 der größten Solarprojektierer schafften es SunEdison und SunPower, die beide ihren Hauptsitz in Kalifornien haben und wie auch First Solar vor allem auf den US-Markt ausgerichtet sind, auch wenn SunPower bereits Fuß gefasst hat im japanischen Solarmarkt.

Bei den übrigen sechs Projektierern aus der Reihe der zehn größten EPC-Unternehmen weltweit handelt es sich ausschließlich aus Unternehmen aus China, die sich auch auf ihren Heimatmarkt beschränken. Hier rangiert TBEA Sun Oasis mit einer installierten Leistung von etwa einem Gigawatt im Jahr 2013 weit vorne und nur knapp hinter First Solar. TBEA hat in 2013 die Installationsleistung im Vergleich zum Vorjahr vervierfachen können. Diesen größten Solarprojektierern sagt IHS auch für die nahe Zukunfte sehr gute Geschäfte voraus. Die gesamte weltweite Projektpipeline erreiche derzeit ein Volumen von 114 GW, und davon entfalle die Hälfte auf die USA und China.
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