16.05.06 Wachhund

Der nächste Trauerfall im Grünen Investment: HerMerlin ethic & Innovation Öko-Beteiligungs AG

In der "Wachhundrubrik" führt ECOreporter.de die Aktie der HerMerlin ethic & Innovation Öko-Beteiligungs AG seit längerem. Dass das richtig ist und den Anlegern einen entscheidenden Warnhinweis gegeben hat, bewahrheitet sich in diesen Tagen. Aber, um am Anfang zu beginnen: Zunächst ging es auch bei dieser Gesellschaft, wie so oft im grünen Investment, um große Ziele und Ideale. Die Öko-Beteiligungsgesellschaft HerMerlin ethic & innovation AG mit ihrem manchmal charismatischen Vorstand Jürgen K. Herrmannsdörfer versprach Anlegern eine echte Alternative zu herkömmlichen Geldanlagen. Ethisch sauber, ökologisch verantwortlich und ökonomisch erfolgreich wollte die Gesellschaft arbeiten. Herrmannsdörfer sagte: "Unsere Aktie ist für den langfristigen Vermögensaufbau." Spätestens ab 2003 regten sich Zweifel.

Am 3. Mai 2006 hat das Amtsgericht Ansbach die vorläufige Insolvenzverwaltung für die HerMerlin AG angeordnet. Den Antrag dazu hatte laut der Mitteilung des Gerichts die Gesellschaft, vertreten durch Vorstandsmitglied Jürgen K. Herrmannsdörfer, selbst gestellt. "Zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen" werde nun die "vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet", so das Ansbacher Amtsgericht.

ECOreporter.de hatte seit Jahren wegen der Entwicklung des Unternehmens mit Sitz in Langenaltheim gewarnt. Einiges aus der Chronolgie: Im März 2004 hatte die HerMerlin-Tochter WindStar einen Insolvenzantrag gestellt, den das Ansbacher Amtsgericht mangels Masse abweisen musste; ECOreporter.de berichtete als erstes darüber (lesen Sie dazu unseren Bericht vom 24.3.2004: Tröpfchenweise kommen die Wahrheiten aus dem HerMerlin-Netzwerk ans Licht: Insolvenzantrag WindStar AG).

Wenig später meldete sich die Hamburger B.A.U.M. AG beim zuständigen Amtsgericht, trauriger Anlass: Insolvenz-Anmeldung - die HerMerlin hielt 390.000 Aktien des börsennotierten Unternehmens (B.A.U.M. AG gibt auf - Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit). Die rumänische Beteiligung Hanfschwinge SC Carin wurde laut einem Aktionärsbrief der HerMerlin zwangsversteigert. Der in Spanien tätigen Tochter Solantis Energy AG drohe die Zahlungsunfähigkeit, hieß es im selben Aktionärsbrief; falle sie in die Insolvenz, drohe der Mutter der Verlust der Hälfte des Grundkapitals (ECOreporter.de berichtete).

Im September 2004 gab HerMerlin-Vorstand Herrmannsdörfer sich im Gespräch mit ECOreporter.de noch selbstbewusst. Die liquiden Mittel lägen "in einem Bereich, in dem wir die geschäftswichtigen Ausgaben gut bestreiten können", erklärte er. Zwei Monate später wurde der vorläufige Bericht der Beteiligungsgesellschaft zum Geschäftsjahr 2003 bekannt. Er wies den Verlust der Hälfte des Eigenkapitals von 3,1 Millionen auf 1,54 Millionen Euro aus. Die Bilanzsumme betrug nur noch 2,01 Millionen Euro nach 3,58 Millionen Ende 2002. Vorläufig blieb der Geschäftsbericht, weil die HerMerlin AG sich laut Vorstand Herrmannsdörfer keine Wirtschaftsprüfer mehr leisten konnte.

ECOreporter.de stufte das Unternehmen daraufhin in die Wachhundrubrik ein (25.11.2004: HerMerlin AG - Beteiligungsgesellschaft hat Ebbe in der Kasse). Für Wirbel wird das Unternehmen wohl auch weiterhin sorgen: Aktien wurden der Lebenspartnerin des Vorstands übertragen, angeblich laufen gleich mehrere Strafanzeigen. ECOreporter.de wird weiter berichten - unter anderem ist eine Stellungnahme des Insolvenzverwalters in Aussicht.

Bildhinweis: Jürgen K. Herrmannsdörfer, Vorstand der HerMerlin AG / Quelle: Unternehmen
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