15.06.10 Erneuerbare Energie

„Der Photovoltaikmarkt befindet sich weiterhin im Umbruch.“ - Interview mit Peter Thiele, Sharp Energy Solution Europe



 
ECOreporter.de: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sind Hersteller von Solarprodukten mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, unter anderem mit einem massiven Preisverfall. Wie steht Sharp aktuell da?

Peter Thiele: Das vergangene Jahr hat den Unternehmen tatsächlich viel an Flexibilität abverlangt. Es wurde eine Konsolidierung eingeleitet, die nicht ungewöhnlich ist für so junge Branchen wie die Photovoltaik. Mit der dynamischen Marktentwicklung hat sich in 2009 ganz klar gezeigt, dass nur derjenige Erfolg hat, der erstens: hochleistungsfähige Solarprodukte zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, zweitens: in modernsten Fabriken effizient und ökologisch produzieren kann und drittens: über eine etablierte und gleichzeitig flexible Vertriebsstruktur verfügt. Wir können auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken: Im Geschäftsjahr 2009 ist Sharp mit 2.214 Mrd. US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2009 (1. März 2009 bis 31. März 2010) der weltweit führende Solarzellenproduzent!

ECOreporter.de: Der PV-Markt befindet sich auch weiterhin im Umbruch: in Deutschland, dem weltweitgrößten Photovoltaikmarkt, stehen nach der turnusmäßigen Förderungsdegression zusätzliche Kürzungen an. Was bedeutet das für Sharp?

Thiele: Die außerplanmäßigen Kürzungen werden im zweiten Halbjahr wohl jeden Photovoltaik-Hersteller betreffen und auch wir erwarten im dritten Quartal 2010 einen leichten Nachfragerückgang. Dank unserer 50-jährigen Erfahrung im Aufbau neuer Photovoltaikmärkte und unserer internationalisierten Vertriebsstruktur werden wir unseren Erfolg fortsetzen können und andere europäische Märkte wie Frankreich, Großbritannien oder BeNeLux stärken. Deutschland bleibt allerdings unser wichtigster Markt.

ECOreporter.de: Wie beurteilt Sharp die Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Deutschland?

Thiele: Ob die noch junge Branche Kürzungen der angekündigten Größenordnung verkraften kann, bleibt abzuwarten. Sollten sie sich als zu rigide herausstellen, wird die Branche über die gesamte Wertschöpfungskette empfindlich getroffen. Letztlich geht es hier aber um ganz grundlegende Fragen: Wie soll unser Strommix in Zukunft aussehen? Welche Weichen stellen wir, um zukünftig eine nachhaltige, klimafreundliche und sichere Energieversorgung zu gewährleisten? Ist unser Ziel die vollständig regenerative Stromerzeugung? Ein derartiger Strukturwandel im Energiesystem braucht langfristige Investitionen und eine Förderung, die allen Seiten gerecht wird sowie die Technologieführerschaft im internationalen Wettbewerb ermöglicht. Die angekündigte Unterstützung von 100 Millionen Euro für die deutsche Branche ist ein Schritt in die richtige Richtung – erscheint aber neben den 12 Milliarden Euro, mit denen China die Solarwirtschaft fördert, relativ gering.

ECOreporter.de: Europa bleibt der größte PV-Markt und weist mit 5,6 Gigawatt neu installierter Leistung in 2009 erneut ein außerordentliche Wachstum aus: insgesamt sind laut der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) hier schon fast 16 Gigawatt installiert. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Thiele: Wir rechnen weiterhin mit einem stetigen Wachstum in Europa: Neben Deutschland und Frankreich sind auch Großbritannien und Belgien viel versprechende Märkte. Wir wollen die Photovoltaik auch in den Ländern stärken, die zwar gute Sonneneinstrahlungen haben, diese Technologie jedoch erst wenig nutzen, beispielsweise in Griechenland oder in der Türkei.
Für ganz Europa geht es darum, die Klimaziele – 20 Prozent erneuerbare Energie bis 2020 – zu erreichen und über die Energieversorgung der Zukunft zu entscheiden. Solarenergie hat unter allen „Erneuerbaren“ die höchste Energiedichte und die Photovoltaik gehört zu den sichersten, ökologisch und ökonomisch bedeutsamsten Energietechnologien. Daneben ist sie eine der wenigen Branchen, die für steigende Beschäftigungszahlen sorgen. Sharp stellt in der Solarfabrik im britischen Wrexham und zukünftig auch in Italien Solarmodule für den europäischen Markt her.  

ECOreporter.de: Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre und mit welcher Strategie wollen Sie sie erreichen?   

Thiele: Bereits jetzt sind wir das weltweit umsatzstärkste Solarunternehmen und nach ausgeliefertem Volumen liegen wir auf Platz drei. Auch in Zukunft werden wir den globalen Markt mit anführen. Sharp setzt konsequent auf die Entwicklung effizienter Technologien und modernster Produktionsstätten: Seit März 2010 treiben wir mit der ersten Gigawatt-Dünnschichtfabrik im japanischen Sakai diese Technologie weiter voran und werden hier mittelfristig Dünnschichtzellen in Triple-Junction-Struktur mit zweistelligem Wirkungsgrad herstellen. Daneben erschließen wir auch neue Geschäftsbereiche und verlängern mit dem Einstieg in das IPP Business (Independent Power Provider) die Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit Enel Green Power gründet Sharp zudem das Unternehmen „ES Solar Farms S.r.l.“, das bis Ende 2016 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 500 Megawatt im Mittelmeerraum installieren wird.

Herr Thiele, wir danken Ihnen für das Gespräch.  

Bildhinweis: Prinz Charles lässt sich Produkte der Solarfabrik von Sharp im britischen Wrexham vorführen. / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x